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Coburg
80er-Serie: Tennis

Bobbeles Erbe: Was aus dem Tennishype der 80er geworden ist

Thomas Gebauer erinnert sich, wie er als Fünfjähriger beim TC Weiß-Rot Coburg anfing - und hier später gegen den heutigen Profi Kevin Krawietz spielte.
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Thomas und seinen Vater Günther Gebauer packte das Tennisfieber in den 80er Jahren - und ließ sie bis heute nicht mehr los. Foto: Ronald Rinklef
Thomas und seinen Vater Günther Gebauer packte das Tennisfieber in den 80er Jahren - und ließ sie bis heute nicht mehr los. Foto: Ronald Rinklef

Es gab nicht so viel Verkehr wie heute und irgendwer von den Eltern schaute immer mal, was der Nachwuchs so trieb. Als Thomas Gebauer klein war, wohnten in seiner Nachbarschaft in Coburg-Süd viele Kinder. Sie spielten auf der Straße. Fußball, Fangen, Völkerball. Und natürlich Tennis.

Über elf Millionen Deutsche verfolgten 1985 das Tennisturnier von Wimbledon im Fernsehen. Der 17-jährige Boris Becker holte als jüngster Spieler aller Zeiten den Titel, und dann kletterte auch noch Steffi Graf auf der Weltrangliste nach oben: Westdeutschland packte das Tennisfieber. Die Menschen trugen Tennissocken, planten ihre Freizeit nach Grand-Slam-Turnieren, kauften plötzlich massenweise Tennisschläger und begannen zu spielen.

"Die Wiebke war schon im Verein. Und die Kerstin", erinnert sich Thomas Gebauer an die Kinderfreundschaften. An das Straßentennis. Sein Vater Günter Gebauer erzählt, dass eine Nachbarin ihn auf das Talent seines Sohnes aufmerksam machte. "Sie fragte, ob er nicht mal mit Trainer spielen will. Dann habe ich ihn hier angemeldet."

30 Jahre später im Sportheim

Vater und Sohn sitzen im Sportheim des Tennisclub Weiß-Rot Coburg, in dem der 36-jährige Thomas seit Ende der 80er Mitglied ist. "Ich bin dann so drei Jahre später eingetreten", erzählt Günter Gebauer. "Ich hatte keine Lust, immer so lange zu warten - da habe ich lieber selbst gespielt." Heute ist der 70-Jährige der Erste Vorsitzende des TC Weiß-Rot, der wie so viele andere Vereine in den Zeiten von Bobbele und Steffi Boomjahre erlebte. "Weil so viele Kinder angemeldet wurden - und die Erwachsenen zogen nach."

Becker, Graf und der Tennisboom in der Region

Der pensionierte Lehrer erzählt von Turnsportvereinen aus der Umgebung, die wegen der gewaltigen Nachfrage Tennisabteilungen gründeten. "Neue Plätze schossen wie Pilze aus dem Boden, und das Vereinsleben war in dieser Phase sehr intensiv. Es gab regelmäßige Vereinsmeisterschaften." Deutlich über 400 Mitglieder hatte der TC damals. "Wir waren eine Tennisfamilie. Da sind viele Freundschaften entstanden." Heute sei die Gemeinschaft weniger intensiv, alles sei ein bisschen individueller geworden, viele hätten ja noch andere Freizeitinteressen. In den 80ern wurden große Spiele oft gemeinsam im Verein geschaut. "Da ist auch alles übertragen worden", sagt Günter Gebauer.

Wimbeldon und das Privatfernsehen

1984, im Jahr vor Beckers Wimbeldon-Sensation, zeigten ARD und ZDF 13 Stunden Tennis. Mit dem Tennis-Hype begann der Kampf um die Übertragungsrechte. Dem ZDF zufolge trieben die neuen privaten Sender die Preise nach oben. 1989 wurden die meisten Spiele im Privatfernsehen gezeigt - insgesamt über 1000 Stunden.

Typen mit Unterhaltungswert

"Man wollte das unbedingt sehen", erzählt Thomas Gebauer. "In der Grundschule haben wir das Thermometer manipuliert, damit wir hitzefrei bekamen - und die French Open schauen konnten. Die gingen um elf los."

Der Tennisboom reichte bis weit in die 90er Jahre hinein. "Irgendwann fehlten die Idole", sagt Günter Gebauer. "Becker war so'n richtiger Held, also wie der gekämpft hat!" Sein Sohn runzelt die Stirn: "Obwohl er nicht so talentiert war", sagt der Ingenieur. Steffi Graf habe ein außergewöhnliches Ballgefühl gehabt. Aber sie war eine vergleichsweise unspektakuläre Person. Der Leimener, Bobbele, der unglaubliche Bum-Bum-Becker mit seinem jungenhaften Blinzeln und dem gestammelten "Äh, äh, äh" - er faszinierte die Nation. "Sogar Leute, die überhaupt nichts von Tennis verstanden."

Der Coburger Top-Spieler

In den 90ern kam Kevin Krawietz zum TC Weiß-Rot Coburg. Er ist in den aktuellen Top-Ten der Weltrangliste. Seine Karriere begann er in Coburg. Thomas Gebauer erzählt von Spielen gegen den heutigen Profi und von den regionalen Trainerlegenden Christian Höhn und Zoran Obrovski. Der Verein hat jetzt wieder einen kleinen Zuwachs bei Kindern und Jugendlichen, erklärt Vater Gebauer. Nachdem die Mitgliederzahl vor zwei, drei Jahren auf 350 geschrumpft war, sind es jetzt wieder fast 400. Ob das mit Krawietz zu tun hat? Gebauer zuckt die Schultern. Auch Angelique Kerber gewann vergangenes Jahr Wimbeldon und 2016 kam sie als erste Deutsche seit 1997 auf Platz 1 der Weltrangliste. Aber einen Tennisboom wie in den 80ern hat das nicht ausgelöst.

Graf, Becker, Stich, Agassi, McEnroe: Der "Profizirkus" hatte damals einfach eine Reihe extravaganter Persönlichkeiten. Besondere Spieler. Thomas Gebauer, der aufgrund einer Bandscheibenverletzung derzeit nicht spielen kann, sagt, dass er die alten Matches immer noch gerne sieht. "Wir haben im Verein auch junge Spieler, die sich die berühmten Spiele von damals anschauen." Heute gibt's die als Best-of auf YouTube.

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