LKR Coburg
Landwirtschaft

Blütenpracht für zwischendurch im Coburger Land

Sie schützen vor Erosion, halten den Boden gesund und dienen Insekten als wertvolle Nahrungsquelle - die Zwischenfrüchte auf Feldern von Florian Dünisch.
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So groß sollte der Rettich eigentlich sein, zeigt Jürgen Angermüller (links). Auch die Sonnenblumen im Zwischenfruchtanbau von Florian Dünisch (rechts) könnten so groß sein wie er selbst, wenn es in diesem Sommer nicht so wenig Wasser gegeben hätte.Rainer Lutz
So groß sollte der Rettich eigentlich sein, zeigt Jürgen Angermüller (links). Auch die Sonnenblumen im Zwischenfruchtanbau von Florian Dünisch (rechts) könnten so groß sein wie er selbst, wenn es in diesem Sommer nicht so wenig Wasser gegeben hätte.Rainer Lutz
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Der Sommer war schwierig für die Landwirtschaft. Trotzdem hielt Florian Dünisch aus Lechenroth an seinem Bewirtschaftungskonzept fest, nach Getreide und vor Mais auf Zwischenfruchtanbau zu setzen. Mag dabei nicht so viel Masse auf dem Acker stehen wie in anderen Jahren - das Bodenleben und die Insektenwelt profitieren in hohem Maße davon, dass er vielfach für blühende Landschaften im Oktober gesorgt hat.

"Zwischenfrüchte haben eine ganze Reihe von Vorteilen", bestätigt Jürgen Angermüller vom Bayerischen Bauernverband in Coburg. Der Bewuchs schützt den Boden vor Erosion durch Wind und Regen. Nitratauswaschung in tiefere Bodenschichten wird verhindert. Im Winter stirbt das Gemisch aus Sonnenblumen, Senf, Rettich, Wicken, Rauhafer und Phacelia ab und reichert im Frühjahr den Boden mit organischer Substanz an. Die folgende Kultur erhält dadurch Nährstoffe. Die Durchwurzelung hält die Erde locker und fördert das Bodenleben.

Gleichzeitig kommt Florian Dünisch mit seinem Zwischenfruchtanbau einer Verpflichtung nach, die ihm von der EU auferlegt wird. "Fünf Prozent der Bruttoackerfläche sind als ökologische Vorrangfläche anzulegen", sagt Jürgen Angermüller. Für das so genannte "Greening" gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Landwirte können eine Fläche brach liegen lassen. Nachteil: "Wir sind dann verpflichtet, sie bis spätestens zum 15. November zu mulchen", sagt Angermüller. Das Nachsehen hat dabei der Naturschutz, denn die auf der Brache entstandene Altgrasfläche wäre für viele Arten wichtig. Eine andere Möglichkeit für das Greening wäre die Anlage von Pufferstreifen - etwa an Maisfeldern. Auch sie blühen und können relativ unbürokratisch (anders als an Getreideäckern) mit der EU in den Förderanträgen abgerechnet werden. Allerdings verschwinden sie mit der Maisernte und haben dann keinen Nutzeffekt mehr für den offen liegenden Boden.

Daher setzt Florian Dünisch auf seinen Zwischenfruchtanbau. Sehr zur Freude von Naturschützern, wie Frank Reißenweber bestätigt, der als Biologe am Landratsamt Coburg unter anderem für den Biotopschutz zuständig ist.

Für Jürgen Angermüller erfüllen die blühenden Felder noch einen anderen Aspekt. Ihm geht es auch um das Ansehen der Landwirtschaft bei der Bevölkerung. "Es wird sehr positiv aufgenommen, wenn die Leute sehen, dass jetzt etwas in der Flur blüht", ist er überzeugt. Florian Dünisch kann das nur bestätigen. Er stieß schon auf viel positives Echo und ist daher auch nicht sauer, dass die eine oder andere Sonnenblume offenbar schon einen Liebhaber gefunden hat und so vom Acker verschwand. Auch wenn Jürgen Angermüller sagt: "Eigentlich gehört es zum Anstand, dass man den Eigentümer fragt, ehe man etwas mitnimmt."

Wasser fehlt

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Die Zwischenfrucht wirkt sich günstig auf das Wasserhaltevermögen des Bodens aus. Doch dazu muss es erst einmal Wasser zum Halten geben. In diesem Sommer gab es das so gut wie gar nicht. Als vor wenigen Wochen Frank Wystrach, als Förster beim Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten für den Privat- und Körperschaftswald zuständig, über den Zustand der Wälder in der Region referierte, sprach er von 250 Litern Wasser pro Quadratmeter, die in diesem Sommer fehlen, um einen normalen Mittelwert zu erreichen.

"Das wäre das absolute Minimum", sagt Jürgen Angermüller heute. Anders als viele Freizeitmenschen wünscht er sich daher einen regnerischen nicht zu frostharten Winter. "Das Wasser braucht Zeit, um den völlig ausgetrockneten Boden langsam aufzuweichen", erklärt er, warum ein kurzer heftiger Regen auf dem bis in die Tiefe trockenen Boden eher schädlich als nützlich wäre.



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