Coburg
Lebenshilfe

Blaues Kreuz Coburg ist in neuen Räumen

Die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter des Suchthilfeverbands unterstützen von Alkohol und anderen Drogen abhängige Menschen. Jetzt steht ihnen dafür ein geeignetes Gebäude zur Verfügung.
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Die Tür des neuen Blaukreuz-Zentrums in der Waldsachsener Straße steht allen offen, die Hilfe brauchen. Darum kümmern sich neben 14 weiteren Mitarbeitern auch Liane Duesenberg und Einrichtungsleiter Michael Köhn. Foto: Helke Renner
Die Tür des neuen Blaukreuz-Zentrums in der Waldsachsener Straße steht allen offen, die Hilfe brauchen. Darum kümmern sich neben 14 weiteren Mitarbeitern auch Liane Duesenberg und Einrichtungsleiter Michael Köhn. Foto: Helke Renner
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"Die Räume am Gemüsemarkt waren einfach zu klein, sie genügten den gewachsenen Aufgaben nicht mehr", sagt Michael Köhn, Leiter des Blaukreuz-Zentrums Coburg. Seit März dieses Jahres verfügt es über neue Räume in der Waldsachsener Straße 11, dem früheren Gemeindehaus "Am Bausenberg". Nach Umbau und Renovierung stellt es sich am Donnerstag bei einem Tag der offenen Tür geladenen Gästen vor.

Seit 1978 gibt es den Verein Blaues Kreuz im Landkreis - zuerst in Neustadt, gegründet von Ulrike Knauf. Im September 1985 wurde der Ortsverein Coburg etabliert. Ehrenamtliche kümmerten sich seither um Suchtkranke, vor allem um vom Alkohol abhängige Menschen. Die Anlaufstelle befand sich über viele Jahre am Gemüsemarkt. Aber: "Die Anforderungen sind immer weiter gewachsen, das war allein mit ehrenamtlich Tätigen nicht mehr zu bewältigen." Also wurde aus dem Verein ein hauptamtlich geführtes Zentrum mit anfangs 1,8 Personalstellen. Heute sind 16 Mitarbeiter in den unterschiedlichen Aufgabengebieten tätig. Vor zwei Jahren wurde das Blaukreuz-Zentrum dem Diakonie-Landesverband angegliedert und es fand sich ein geeignetes Gebäude für die Beratungstätigkeit.


Liebevoll eingerichtete Büros

Zwei helle Gruppenräume, die sich dank einer Schiebetür für größere Veranstaltungen miteinander verbinden lassen und liebevoll eingerichtete Büros für die individuelle Beratung stehen zur Verfügung. Darüber hinaus werden 40 Suchtmittelabhängige im betreuten Einzelwohnen unterstützt. "Wir wollen sie befähigen, wieder selbstständig leben zu können", erläutert Michael Köhn. Es gehe dabei um solche Menschen, die durch "alle Maschen" gefallen sind, bei denen also weder Therapie noch stationäre Hilfen nachhaltig erfolgreich waren. "Meist haben wir es neben der Sucht auch noch mit einer psychischen Erkrankung zu tun." Und in der Regel stehe den Betroffenen zusätzlich ein staatlich bestellter Betreuer zur Seite.

"Wir bieten jede Woche mehrere Stunden Betreuung in der geschützten Umgebung der eigenen vier Wände an." Dazu gehören auch ganz praktische Hilfen im Haushalt, beim Einkaufen, die Begleitung zu Ämtern und Ärzten sowie die Freizeitgestaltung.

Dass die Abhängigen immer jünger werden, darunter viele Frauen sind und oft nicht nur Alkohol, sondern auch andere Suchtmittel konsumiert werden, sei eine Tatsache, ergänzt der Leiter des Blaukreuz-Zentrums. Umso wichtiger sei es, frühzeitig mit Betreuung und Prävention zu beginnen. Liane Duesenberg konzentriert sich deshalb auf die Kinder- und Jugendhilfe. "Zu uns kommen junge Leute, die selbst abhängig sind, und Kinder aus suchtbelasteten Familien", erzählt sie. Immer dienstags trifft sich die Kindergruppe. "Sie sollen mit ihren Problemen nicht allein bleiben." Im Jahr 2012 wurde in Zusammenarbeit mit dem Arnold-Gymnasium in Neustadt die Aktion "Stilles (W)Örtchen" ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um eine Plakataktion, mit der, analog zu "Klosprüchen", Botschaften in Wort und Bild auf Toiletten angebracht werden. In der ersten Phase ging es um Jugendliche und Alkoholkonsum. Die Plakate wurden in weiterführenden Schulen und Jugendtreffs aufgehängt. Zielgruppe der Phase zwei waren Schwangere. Die Botschaften hingen fortan auf Toiletten gynäkologischer Praxen. Die dritte Phase startet in den nächsten Wochen an Grund- und Förderschulen in der Stadt und im Landkreis. Darüber hinaus werden Workshops an Schulen angeboten. Und mit blu:prevent gibt es inzwischen auch eine App, die alle Jugend- und Präventionsangebote des Blauen Kreuzes umfasst.


Etliche Gruppenangebote

Ein weiteres Aufgabengebiet ist die psychosoziale Betreuung. Hier werden betroffene Jugendliche und junge Erwachsene bis einem Alter von 27 Jahren und deren Angehörige bei Fragen zu Alkohol-, Medikamenten- und Drogensucht beraten. Dorthin können auch die Mitglieder aus den Blau-Kreuz-Selbsthilfegruppen kommen. Denn die gibt es auch noch - unter dem Dach eines Ortsvereins Coburg, den Jürgen Lauer leitet. 25 ehrenamtliche Helfer übernehmen neben der Gruppenleitung viele andere Aufgaben. Dazu gehören die Begleitung zur stationären Therapie, Öffentlichkeitsarbeit, Krankenbesuche, Aufklärungsarbeit im Bezirksklinikum Obermain und Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst im Klinikum Coburg. Sie arbeiten mit den hauptamtlichen Fachkräften des Blaukreuz-Zentrums Coburg zusammen. Die Selbsthilfegruppen treffen sich im neuen Gebäude in der Waldsachsener Straße 11. Es gibt sie aber auch in Neustadt, Seßlach-Hattersdorf und Mitwitz. Weitere hauptamtliche Außenstellen des Blauen Kreuzes wurden in Kronach und Lichtenfels eröffnet. Und auf eines ist Michael Köhn besonders stolz: "Wir gehören zu den wenigen Einrichtungen mit Zertifizierung, das heißt, mit geprüfter Qualität."

Der neue Standort des Blaukreuz-Zentrums soll nach dem Wunsch des Einrichtungsleiters ein lebendiger Ort sein. "Wir haben einen guten Kontakt zum benachbarten Kindergarten. Außerdem trifft sich hier regelmäßig der Seniorenkreis der Heiligkreuz-Gemeinde." Auch sie sind zum "Tag der offenen Tür" am Donnerstag eingeladen.


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