Verblüfft und fast ein bisschen neidisch steht man als Mensch vor einem Staudamm, der von einem Biber gebaut wurde. Wer ehrlich ist, muss zugeben, dass er es kaum besser hätte machen können. Bei Buscheller steht so ein Biberdamm und es ist bei weitem nicht der einzige im Coburger Land, wie Alexander Ulmer, Geschäftsführer beim Landesbund für Vogelschutz, weiß.
"Der Biber hat den Landkreis praktisch vollständig besiedelt", stellt Ulmer fest. Mancherorts wird der heimliche Nager kaum bemerkt. An anderen Stellen, wie hier bei Buscheller, ist sein Wirken kaum zu übersehen. Dass der Biber nach seiner Ausrottung in der späten Mitte des 19.Jahrhunderts in Deutschland wieder zahlreich leben kann, verdankt er dem Menschen. In den 1960er Jahren wurde mit Auswilderungen begonnen.
Vor allem in den letzten zehn bis 15 Jahren eroberten die Biber in großen Schritten nahezu alle Lebensräume zurück, die sich für sie eignen.

"Im Coburger Land ist der Biber an praktisch allen Gewässern wieder zu finden", bestätigt Alexander Ulmer. Gerade hat die Gemeinde Untersiemau in ihrem Amtsblatt auf die deutlichen Aktivitäten des Bibers an der Itz im Gemeindegebiet hingewiesen. Nicht immer tritt er spektakulär in Erscheinung. "Er braucht ungefähr 80 Zentimeter Wassertiefe", erklärt Ulmer. Nur wo die nicht vorhanden ist, staut er Bäche an. Sein Wohnhöhlen gräbt er in Uferböschungen. "Sollte da die Decke einstürzen, baut er oben auf das Loch eine Biberburg", sagt Ulmer. Arbeit, die nicht sein muss, lässt der Biber sein.

Dass kaum jemand einen Biber zu Gesicht bekommt ist kein Wunder. Er ist scheu. Früh am Morgen oder spät am Abend könnte er einem begegnen - wenn er nicht aufpasst. Meist verschwindet er aber, ehe ein Mensch in Sichtweite kommt. Er kann über 20 Minuten tauchen, hat überall in seinem Revier Schlupflöcher unterhalb der Wasseroberfläche und begibt sich selten mehr als fünf oder zehn Meter vom Ufer weg. Deswegen kann er so verborgen bleiben, obwohl er einen guten Meter lang und um die 20 Kilo schwer wird.

Skeptische Landwirte

Landwirte sehen die Rückkehr des Bibers nicht nur mit Freude. Wo Castor Fiber mit seinem Bau nah an die Oberfläche kommt, kann eine landwirtschaftliche Maschine einbrechen. Er mag Mais oder Zuckerrüben, die nahe genug an seinem Revier angebaut werden und fällt schon mal einen Obstbaum zum Ärgernis seines Besitzers. Wo der Wasserbewohner Dämme baut, können Flächen vernässt werden, die bis dahin trocken waren. Dagegen können Biber Dämme von Wirtschaftsteichen durchlöchern.

"Bayern hat ein Bibermanagement, um das uns viele andere Bundesländer beneiden", sagt Alexander Ulmer. Bei der Unteren Naturschutzbehörde in Stadt und Landkreis gibt es gut ausgebildete Biberberater. Sie können Betroffenen mit Rat zur Seite stehen und beispielsweise Tipps zur Prävention geben. Randstreifen an Ufern nicht zu bewirtschaften ist ein solcher Tipp. Das ist in manchen Bundesländern Pflicht. Bayern setzt auf Freiwilligkeit. Elektrozäune können Feldfrüchte schützen. Biberdämme wegzureißen oder dem Biber selbst auf den Pelz zu rücken, ist verboten. Er genießt strengen Schutz.

In bestimmten Fällen ist aber ein Schadensausgleich möglich. In seltenen Ausnahmen kann ein Biber entfernt werden. Wenn er die Funktion von Kläranlagen beeinträchtigt, oder Wasserkraftanlagen durch seine Tätigkeit beeinträchtigt werden, kann er gefangen und an anderer Stelle ausgewildert werden. Inzwischen ist das oft allerdings nicht mehr möglich, weil alle Reviere schon besetzt sind und Neulinge dort nicht geduldet würden. Dann muss der Biber getötet werden.

Biber als Auswanderer

Allerdings wurden in den vergangenen Jahren auch Biber in andere europäische Staaten exportiert, wie das Bayerische Landesamt für Umwelt in seiner Broschüre über "Biber in Bayern" informiert.
Unbemerkt bleibt er am Ende nicht, den kaum ein Tier gestaltet so seinen Lebensraum wie der Biber. Und viele Arten wie seltene Wasserpflanzen, Insekten, Amphibien und Vögel profitieren von seiner Arbeit. Und: "Unterhalb von Biberdämmen ist die Wasserqualität immer höher, als oberhalb", sagt Alexander Ulmer.