Coburg
Prozess

Freibad-Spanner in Oberfranken: Er filmte Frauen, Männer und Kinder - Urteil gefallen

Frustriert hatte sich der 39-Jährige Sonneberger vollaufen lassen und machte wahllos Nacktvideos in den Umkleiden des Coburger Freibads: Männer, Frauen und Kinder waren darauf zu sehen. Wird er wieder straffällig, rückt er acht Monate ein.
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40 Menschen müssen damit klarkommen, dass der Coburger Freibad-Spanner sie nackt in der Umkleide filmte. Der Mann kam mit Bewährung davon. Sollte er allerdings in den nächsten drei Jahren erneut straffällig werden, muss er acht Monate in Haft.CT-Archiv/Jochen Berger
40 Menschen müssen damit klarkommen, dass der Coburger Freibad-Spanner sie nackt in der Umkleide filmte. Der Mann kam mit Bewährung davon. Sollte er allerdings in den nächsten drei Jahren erneut straffällig werden, muss er acht Monate in Haft.CT-Archiv/Jochen Berger

Im Sommer des vergangenen Jahres sorgte der Fall im Coburger Freibad für Aufregung. Es geht um Filmaufnahmen, die ein 39-jähriger Sonneberger in den Umkleidekabinen im Abstand von fünf Tagen anfertigte.

Insgesamt waren 40 Videos von unbekleideten Frauen, Männern und Kindern auf seinem Handy zu sehen. Jetzt ist der Mann vom Amtsgerichts Coburg wegen Verletzung der höchstpersönlichen Lebensbereiche zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Außerdem muss er 2400 Euro an das Blaue Kreuz zahlen und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Angeklagter Sonneberger bereut seine Tat

Gleich zu Beginn der Verhandlung zeigte sich der 39-jährige reumütig und entschuldigte sich bei den Opfern. "So sehr kann man sich gar nicht entschuldigen, für das, was ich getan habe. Es tut mir wahnsinnig leid", sagte er. Er hätte sich auch ausdrücklich bei jedem Einzelnen persönlich entschuldigt, falls das möglich gewesen wäre.

Er sei selbst ratlos, wie es zu diesen Taten kommen konnte und erschrocken über die große Anzahl an Videos. Nachdem die Filmerei entdeckt worden sei, habe er deswegen sofort am nächsten Tag seine Arbeit verloren.

Mit zwei Promille im Coburger Freibad

Der Mann berichtete von einem Komplettabsturz vor den Taten, familiärer und beruflicher Stress hätten ihn extrem belastet. Deshalb habe er beschlossen, sich zu betrinken. Das Bier brachte er demnach mit ins das Schwimmbad und trank es in der Umkleidekabine. Die Rede war von zwei Promille Atemalkoholkonzentration. "Es war ein Blackout. Ich weiß nicht, was mir da in den Kopf gekommen ist", so der 39-jährige.

Keiner Kinderpornografie

 

 

Laut Anklage filmte der Mann mit seinem Handy von unten in die Kabinen hinein: Weibliche Körper, männliche Körper und auch Kinder. Deswegen stand auch der Vorwurf von Kinderpornografie im Raum. Das bestätigte sich allerdings bei der Beweisaufnahme nicht. "Es war eine wahllose Filmerei und nicht gezielt auf Kinder gerichtet, " sagte ein Kriminalkommissar aus.

Da der 39-jährige voll geständig war, blieb den Kindern die Aussage vor Gericht erspart, was sich strafmildernd auswirkte. "Dass die minderjährigen Zeugen nicht gehört werden müssen, ist erheblich zu ihren Gunsten", so Amtsrichterin Sarah Röll.

Richterin schließt sexuellen Hintergrund aus

Die Richterin schloss sich im Wesentlichen den Ausführungen von Rechtsanwalt Christian Müller an, wonach der Mann nicht aus einem sexuellem Hintergrund heraus gehandelt habe, sondern durch den Alkohol enthemmt war.

Glaubhafte Reue

 

 

Er habe die Videos weder selber angeschaut noch weiter verbreitet. Außerdem sei seine Reue glaubhaft und die Sozialprognose günstig. So habe der Mann in der Zwischenzeit eine Beratungsstelle wegen seiner Alkoholprobleme aufgesucht, eine neue Arbeitsstelle begonnen und gesicherte Lebensverhältnisse.

Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre, sollte der Mann in diesem Zeitraum straffällig werden, dann muss der 39-Jährige allerdings doch noch für acht Monate hinter Gitter.

 

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