Coburg
Gerichtsverhandlung

Betrugsprozess in Coburg: Keine Spur von Bekannter und Geld

Wer ist Janis Jones und wo steckt sie? Auf der Suche nach einer Beziehung wurde ein Coburger um fast 700 000 Euro erleichtert.
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Auf die fatale Kombination aus toller Frau, Geld und Diamanten fiel ein Coburger herein. Das Landgericht Coburg versucht nun zu klären, wie groß dessen eigene Schuld am Verlust von 700 000 Euro ist. Foto: Martial Trezzini/Keystone, dpa
Auf die fatale Kombination aus toller Frau, Geld und Diamanten fiel ein Coburger herein. Das Landgericht Coburg versucht nun zu klären, wie groß dessen eigene Schuld am Verlust von 700 000 Euro ist. Foto: Martial Trezzini/Keystone, dpa

Wie tief ist ein Ex-Profifußballspieler aus den Niederlanden tatsächlich in einen Betrugsfall verstrickt? Das muss das Landgericht Coburg unter dem Vorsitz von Richter Christoph Gillot klären. Der Niederländer muss sich wegen bandenmäßigen Betrugs verantworten. Seinen Aussagen zufolge war er aber lediglich als Kurier unterwegs.

Der Prozess dreht sich um einen Coburger Geschäftsführer, der über eine Online-Single-Börse um 700 000 Euro betrogen wurde. Am zweiten Verhandlungstag trat der Geschädigte in den Zeugenstand. Seiner Aussage zufolge lernte er im Jahr 2017 in einem Internetportal eine Frau kennen, die sich Janis Jones nannte und als US-Soldatin ausgab. "Ich war auf der Suche nach einer Partnerin und fand das spannend und interessant."

Etwa fünf Monate lang habe er mit der attraktiven Frau gechattet und an eine Beziehung geglaubt. Dann habe ihn die Internetbekanntschaft um Hilfe gebeten, zunächst um ein Paket aus dem Zoll auszulösen. Später habe sie von einer Diamantenlieferung im Wert von 37 Millionen Euro berichtet. Die Diamanten sollte der Geschädigte gewinnbringend weiter nach Thailand verkaufen. Um das Geschäft abzuwickeln, sollte er in England eine Firma gründen.

Er sollte die Diamanten weiterverkaufen

Dem Coburger wurde in Aussicht gestellt, bei einem Weiterverkauf der Edelsteine seinen Einsatz zurückbekommen und eine Anzahlung von 1,5 Millionen zu erhalten. Auch ein potenzieller Käufer aus Thailand wurde samt Ausweispapieren, die natürlich gefälscht waren, präsentiert. "Es hat sich ein Anwalt bei mir telefonisch gemeldet, es gab Dokumente und Internetseiten, es war schlüssig", so erklärte der geschädigte Coburger dem Gericht. Anfangs habe er das Geld auf ausländische Konten überwiesen, später seien die Geldübergaben bar abgewickelt worden. Zu diesem Zeitpunkt sei der Angeklagte ins Spiel gekommen, der unter falschen Namen telefonischen Kontakt zu dem Coburger aufnahm und auch Geld abholte. "Er war nicht nur Kurier, er hatte definitiv mehr gewusst", sagte der Geschädigte auf Nachfrage von Richter Gillot.

Um die Rolle des Angeklagten in dem kriminellen Netzwerk zu klären, spielte das Gericht auch Telefonmitschnitte von Gesprächen des Coburgers und des Niederländers ab. Fast eine Stunde lang verlas die beisitzende Richterin Bianca Franke eine lange Liste an Eintragungen aus dem niederländischen Strafregister, angefangen von Erpressung über Waffenbesitz bis zu unerlaubtem Handeln mit Drogen.

Rechtsanwalt Ralph Querbach widersprach teilweise der Verwertung. "Nach Aussage meines Mandanten ist es falsch dargestellt." Querbach bezweifelte auch Aussagen des Geschädigten und forderte den Coburger auf, sich genau zu erinnern. "Nicht, dass es zu Verwechslungen kommt. Ich möchte Sie bitten, sich genau zu erinnern, wer zu welchem Thema was gesagt hat."

Janis Jones ist übrigens von der Bildfläche verschwunden. "Zwei Wochen vor der letzten Übergabe war sie verschollen", berichtete der Geschädigte.

Der Prozess wird am 19. Februar um 9 Uhr fortgesetzt.



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