Coburg
Landestheater

Besucherzahlen in Coburg steigen rasant

Der Intendant des Coburger Landestheaters, Bodo Busse, sieht einen "rasanten Anstieg" der Besucherzahlen auf 81 Prozent Auslastung im wichtigen ersten Teil der Saison. Das Dreispartenhaus hat ein großes Potenzial für die ganze Region Oberfranken.
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Ein Traum: Mit Mark McClains Nussknacker-Inszenierung (hier Eriko Ampuko als Klara) hat das Landestheater in dieser Saison einen Treffer gelandet.   Foto: Henning Rosenbusch
Ein Traum: Mit Mark McClains Nussknacker-Inszenierung (hier Eriko Ampuko als Klara) hat das Landestheater in dieser Saison einen Treffer gelandet. Foto: Henning Rosenbusch
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Das hört man doch ausgesprochen gern zum neuen Jahr, gerade weil man den Schrecken der früheren Zeit noch im Genick sitzen hat: Das Landestheater Coburg blickt mit guter Perspektive in dieses Jahr 2013 und kann Belege für den Optimismus vorlegen.

Der wichtige erste Teil der laufenden Saison bescherte einen "rasanten Anstieg" der Besucherzahlen. Es ist die dritte Spielzeit in der Intendanz Bodo Busse, in der es sich erweisen dürfte, ob die Strategie stimmt, die anspruchsvollen Zielsetzungen greifen, oder ob die Energie des Aufbruchs wie Strohfeuer verpufft, wie wir das hier schon erlebt haben.

81 Prozent Auslastung (brutto, mit Dienst- und Freikarten, die schließlich auch Interesse am Landestheater belegen) nennt Busse für das Große Haus in der bisherigen, zudem deutlich früher bereits Mitte September gestarteten Saison 2012/2013. In absoluter Zahl: 44 488 Besucher bis 31. Dezember. Klingt gut und, wie auch immer im Detail gerechnet, entschieden befriedigender als die 69 Prozent aus früheren Intendanzen.


Zehn Prozent mehr Abonnenten

Was noch mehr für einen Trend spricht: "Wir haben auch zehn Prozent mehr Abonnenten in dieser Spielzeit", strahlt Busse. "Die Leute lassen sich sehr wohl auf Verbindlichkeiten ein!" Wenn dann womöglich noch eine eigenes Abo-Büro mit anständigem Besucher-Service eingerichtet und die bisweilen enervierenden Zustände an der Thea terkasse beseitigt wären - was für Perspektiven.

Dabei kann Busse in seiner Mischkalkulation aus (bisher aber keineswegs blöder) Unterhaltung und künstlerischem Anspruch immer wieder zeigen, dass auch schwierigere Kost in der Region mit ihrem durchaus überschaubaren Besucherpotenzial ihre Genießer findet. Die Opern werden diskutiert, auch wenn sie, wie der "Don Giovanni" nicht gleich gefällig sind.

Das schon einmal totgesagte und von Dieter Gackstetter tatsächlich ja fast erwürgte Coburger Ballett sorgte jetzt für einen echten Coup. Mark McClains "Nussknacker", obwohl doch sehr klassisch ausgerichtet, hatte in bisher neun Vorstellungen über 100-prozentige Auslastung. Für etwas so Schönes stehen sich die Coburger halt durchaus ihre Beine irgendwohin.


Mit Herz und Hirn

"Me and My Girl" ist keine Überraschung, wird mit 91 Prozent Auslastung gerne genommen. Die aus der letzten Spielzeit überdauerten, mittlerweile aber nun doch zum Schweigen gebrachten "Blues Brothers" füllten das Haus nochmal sehr ordentlich (84 Prozent).

Bestätigung für Busse auch durch den nicht leicht zu konsumierenden, dafür mit nachhaltiger Wirkung in Herz und Hirn belohnenden Schauspielklassiker: "Nathan der Weise", bewusst "als starke Behauptung" in der Vorweihnachtszeit präsentiert und nicht erst aus Pflichtgefühl halt so im Frühjahr mitgeliefert, wird sehr gut angenommen. Einmal mehr wird Bodo Busse darin ermutigt, bisherige Verhaltensmuster zu überprüfen. "Wir halten an unserem Bildungsauftrag fest, nur der rechtfertigt die öffentlichen Subventionen", betont Busse.
Zu bewähren scheint sich auch das Bemühen, ästhetische Vielfalt zu eröffnen mit interessanten Regisseuren oder ganzen Teams von außerhalb. Susanne Lietzow (Shakespeares "Viel Lärm um nichts") ist im Schauspiel ein solcher Fall.

Ehrgeiziges Ziel aus Busses bisherigen Erfahrungen: Er möchte mittelfristig ein haltbares Repertoire aufbauen, was logistisch ja nicht einfach ist, so dass große, bewährte Produktionen auch zu späterem Zeitpunkt wieder erscheinen können. Das "Nussknacker"-Ballett wäre solch ein Fall vielleicht für die übernächste Spielzeit. Die nächste ist ja schon durchgeplant, wird Mitte Februar dem Theaterausschuss und dann der Öffentlichkeit vorgestellt. Weitere Vision: Wie im Schauspiel eine Opernproduk tion mit Profis und Laien, mit Erwachsenen und Kindern. Schaun mer mal, sagen der Franke und ebenso der sich genussvoll in die Region einfügende Intendant aus dem Schwäbischen, der sich nun auf seine erste eigene Regie in Coburg vorbereitet.


Ein Musical-Grusical-Thriller?

Busse ist hier nicht in erster Linie als Regisseur angetreten. Die Herausforderungen an die künstlerische Leitung eines Dreispartenhauses sind mittlerweile viel zu groß. Umso gespannter sind wir jetzt trotzdem auf seine eigene Regiehandschrift. In der wird es am 8. Juni die Uraufführung von Roland Fisters Opern-Musical "Dorian Gray" geben.

Das Werk des im Musical-Metier erfahrenen 2. Kapellmeisters und Studienleiters des Landestheaters ist ein "Grusel-Romantik-Thriller mit überwältigend schöner Musik", schwärmt Busse, "Cinemascope für die Bühne, Genre-übergreifend durchkomponiert mit wunderschönen Melodien und raffinierter Instrumentierung. Roland Pfister liefert da nicht sein Gesellen-, sondern gleich ein Meisterstück." - Wow, da sind wir nun aber gespannt.


Höchste Zeit für Verhandlungen

Alles schön und gut derzeit in der Zwischenbilanz des Landestheaters. Wie wird es aber weitergehen über die Saison hinaus? Bodo Busse, jetzt in der dritten Spielzeit, wurde für vier Jahre verpflichtet. Höchste Zeit für Verhandlungen.

Die sind mittlerweile aufgenommen, der Vorsitzende des Theaterausschusses, Oberbürgermeister Norbert Kastner, hat "Signal gegeben", was Busse "sehr freut". Denn: "Ja! Ich will bleiben." So entschieden antwortet Bodo Busse auf die Zukunftsfrage und auf diverse Gerüchte, die schon wieder ihre Runden gezogen haben. "Naja, natürlich", murmelt er da, andernorts umgesehen habe er sich vernünftiger Weise schon, solange er nicht verbindlich weiß, wie es in Coburg weiter geht. Aber, nochmal ganz nachdrücklich: "Wir alle fühlen uns sehr wohl in Coburg, wir fühlen uns angenommen, wir sind in kritischem Dialog. Diese unglaubliche Identifika tion der Coburger mit ihrem Theater hat man sonst kaum. Das ist ein Haus mit starken Zukunftsoptionen, die muss man unbedingt pflegen."

Und was ist mit dem europaweit agierenden Generalmusikdirektor Roland Kluttig? Busse, der erst verpflichten kann, wenn er selbst verpflichtet ist, nennt Kluttig einen "Glücksfall für Co burg". Er sei "in bester Hoff nung, dass auch Kluttig bleibt. Wir haben ein solch gutes Miteinander..."


Generalsanierung

Es zieht sich und zieht sich. Die Finanzie rungsvereinbarung zwischen Freistaat Bayern und Stadt Coburg steht noch immer aus. Der überarbeitete Raumbedarfsplan liegt jetzt vor. "Mein Wunsch wäre es", seufzt Intendant Bodo Busse, "wenn bis Ende der Spielzeit endlich eine Zeitplanung auf dem Tisch läge. Ich wüsste schon gerne, wo und wie wir in drei Jahren spielen sollen."

Das BGS-Gelände ist für ihn aus dem Rennen. Zu weit weg, eine alternative Spielstätte muss stadtnah liegen; die "Laufkundschaft", die Gastronomie gehören dazu. Die Marivaux-Produktion in der Aula der Hochschule wurde kaum angenommen. Der Rosengarten mit entsprechendem Zelt wäre eine Möglichkeit.


Politik

Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Coburg nennt Bodo Busse sehr gut. Der nicht zu überschätzende Faktor muss jetzt wieder belastet werden. Denn die Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst, 6,3 Prozent mit den heuer noch ausstehenden Leistungen, gehen einem ohnehin am Rande des Machbaren balancierenden Haus an die Substanz.

"Wir sind in guten Gesprächen und arbeiten an konstruktiven Lösungen", gibt sich Busse diplomatisch und hoffnungsvoll, dass die Stadt als neben dem Freistaat wesentlicher Träger des Landestheaters helfen wird. Wie sollen sonst weiterhin 33 Produktionen mit 240 Vorstellungen im Großen Haus in geforderter Qualität gestemmt werden?


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