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Besuch in Deutschland: Die Coburger Wurzeln der Queen

Wenn die Queen Deutschland besucht, dann besucht sie auch das Land ihrer Ahnen: Sowohl die Mutter ihrer berühmten Vorfahrin Queen Victoria als auch deren Mann Prinz Albert stammten aus Coburg.
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Die britische Königin Elizabeth II. und Prinz Philip kommen am 23.06.2015 in Berlin auf dem Flughafen Tegel an. Die Queen und ihr Mann halten sich zu ihrem fünften Staatsbesuch in Deutschland auf. Foto: Michael Kappeler/dpa
Die britische Königin Elizabeth II. und Prinz Philip kommen am 23.06.2015 in Berlin auf dem Flughafen Tegel an. Die Queen und ihr Mann halten sich zu ihrem fünften Staatsbesuch in Deutschland auf. Foto: Michael Kappeler/dpa
Die deutschen Wurzeln des Königshauses wurden lange verschwiegen. Erst das Jubiläum der Hannoveraner 2014 rückte wieder ins Blickfeld, dass die Briten lange Zeit von deutschstämmigen Königen regiert wurden. 1714 übernahmen die Welfen den Thron, weil sie Protestanten waren. Im "Act of Settlement" hatte das britische Parlament ausgeschlossen, dass katholische Nachfolger der Stuarts König werden konnten.

1816 heiratete die britische Prinzessin Charlotte Augusta, einzige legitime Tochter des Kronprinzen und späteren Königs Georg IV., den unbekannten (und noch unbedeutenden) Prinzen Leopold von Sachsen-Coburg-Saalfeld - aus Liebe. Sie starb 1817 bei der Geburt des gemeinsamen Kindes. Auf Georg IV. folgte sein Bruder Wilhelm. Seine Ehe mit Adelheid von Sachsen-Meiningen blieb trotz aller Bemühungen kinderlos, und so folgte nach dem Tod von Wilhelm IV. im Jahr 1837 seine Nichte Viktoria auf den Thron.

Die Tochter von Edward Augustus von Kent und Victoire, einer gebürtigen Prinzessin von Sachsen-Coburg-Saalfeld, war sozusagen selbst halbe Coburgerin. Schon bei der Hochzeit der Schwester hatte Prinz Leopold die Finger im Spiel gehabt. 1831 hatten ihn die Belgier zu ihrem König erkoren, und als solcher hatte er großen Einfluss innerhalb der Familie, auch wenn er nicht deren Oberhaupt war.

Königin Viktoria in Coburg
Das war Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha, der durch Heirat sein Herzogtum vergrößert hatte und dessen Gemahlin Luise zwei Söhne gebar. Den jüngeren, Albert, heiratete seine Cousine Viktoria am 10. Februar 1840. Mehrmals weilte die britische Königin in Coburg, sie liebte das nahegelegene Schloss Rosenau. Viktoria war es auch, die auf dem Coburger Marktplatz eine Statue ihres früh gestorbenen Gemahls aufstellen ließ. Albert und Viktoria hatten neun Kinder - eine Tochter heiratete den späteren deutschen Kaiser, Sohn Alfred eine russische Prinzessin.

Dieser Alfred, Herzog von Edinburgh, übernahm nach dem Tod von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha das kleine Fürstentum. Sein einziger Sohn starb aber noch vor ihm, und da bei den Coburgern die Töchter nicht erbberechtigt waren, folgte mit Carl-Eduard ein weiterer britischer Re-Import.

Der junge Prinz kam mit 15 Jahren nach Deutschland, wurde in einer preußischen Kadettenanstalt erzogen, bestieg 1905, kaum volljährig und frisch verheiratet, in Coburg und Gotha den Thron. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, musste er als preußischer Offizier und deutscher Herzog gegen sein Heimatland kämpfen. In Gotha hergestellte Kampfflugzeuge bombardierten Ziele in England. 1917 schlossen sich die Familien gegenseitig von der Thronfolge aus, und das englische Königshaus änderte seinen Namen von Saxe-Coburg in Windsor.

Prinz Charles war schon da
Seither herrscht kein offizieller Kontakt mehr zwischen dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha und den Briten. Doch etliche aus der jüngeren Generation waren schon zu Besuch in Coburg, auf der Suche nach Spuren von Queen Viktoria. Das berichtet der Chef des Hauses, Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha. Auch Prinz Charles sei schon da gewesen. Nur die Queen nicht. Prinz Andreas wird sie auch diesmal nicht treffen.

Anders der Gothaer Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD): Der hatte die Queen schon vor Monaten nach Thüringen eingeladen, als die Reiseroute noch nicht feststand. Nun kommt die Queen zwar nicht nach Gotha, aber Kreuch dürfte ihr beim Empfang des britischen Botschafters in Berlin begegnen. "Das ist nur die Frechheit von Kreuch", sagt Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha. Der 72-Jährige kennt die manchmal hemdsärmelige Art von Kreuch nur zu gut.
 
Die Queen in Deutschland - Bilder vom Staatsbesuch

Wenn auch der Kontakt zur britischen Verwandtschaft eher lose ist - zu anderen Königshäusern ist er umso enger. Prinz Andreas ist ein Cousin von König Carl XVI. Gustaf von Schweden, dessen Mutter eine geborene Coburger Prinzessin war. Das schwedische Königspaar weilte schon häufiger in Coburg.
 
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