Coburg

"Berlin", sagt München. "München", sagt Berlin

Wer ist zuständig dafür, dass Coburg wieder einen zweigleisigen Anschluss erhält? Die Auskünfte sind widersprüchlich.
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Vom ehemaligen Güterbahnhof führt nur ein Gleis zum Coburger Bahnhof und weiter nach Norden. Die Stadt hätte gern, dass zumindest hier wieder ein zweites Gleis verlegt wird. Foto: Oliver Schmidt
Vom ehemaligen Güterbahnhof führt nur ein Gleis zum Coburger Bahnhof und weiter nach Norden. Die Stadt hätte gern, dass zumindest hier wieder ein zweites Gleis verlegt wird. Foto: Oliver Schmidt

Zumindest eins ist klar: Der Bau von Eisenbahngleisen ist nicht Aufgabe der Stadt. Das hatte Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) schon im Oktober verkündet, als Klaus Klumpers (ÖDP) beantragt hatte, dass die Stadt ein Planfeststellungsverfahren einleiten solle. Denn ab dem ehemaligen Güterbahnhof in Richtung Norden verläuft die Strecke eingleisig. Klumpers wollte zumindest vom Güter- bis zum Hauptbahnhof zwei Gleise, wie es sie schon einmal gab.

Denn Coburg will ICE-Systemhalt werden, und die Bayerische Eisenbahngesellschaft will ebenfalls mehr Züge von und nach Lichtenfels, Bamberg, Sonneberg und Bad Rodach fahren lassen. Außerdem ist ein Regionalexpress Nürnberg-Erfurt über Coburg angedacht. Es könnte also eng werden auf den Coburger Schienen. Deshalb schrieb Oberbürgermeister Norbert Tessmer an die für Verkehr zuständigen Minister in Bund und Land.

Am Donnerstag trug der OB die Antworten im Stadtrat vor. Zuständig sei der Bund, sagt Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU). Der Freistaat tue schon genug dafür, dass das Bahnfahren nach Coburg und um Coburg herum attraktiver werde: So finanziere er "ausnahmsweise freiwillig" den Bahnhaltepunkt Beiersdorf mit, der in diesem Jahr noch in Betrieb gehen soll. Außerdem sei der Freistaat bereit, den Wiederaufbau des Gleises 6 im Bahnhof mitzufinanzieren. Im Übrigen habe Coburg ja vom Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 über die Maßen profitiert. Damit ist die Neubaustrecke Ebensfeld-Nürnberg gemeint, auf der - dank Freistaat - Regionalexpresszüge von Coburg nach Bamberg fahren.

Die Schließung der eingleisigen Lücke zwischen ehemaligem Güterbahnhof und Personenbahnhof "sollten wir im Auge behalten", heißt es in dem Schreiben aus dem bayerischen Verkehrsministerium. Das zweite Gleis könne nicht nur einer Ausweitung des Fernverkehrs dienen, sondern sei auch unabdingbar für einen "Haltepunkt Frankenbrücke".

Wenn es nach dem Bundesverkehrsminister geht, muss der Freistaat in dieser Hinsicht mehr tun als "im Auge behalten". Denn für den Fernverkehr reiche das eine Gleis durch Coburg. Wenn jetzt zusätzlicher Regionalverkehr geplant sei (als Zubringer zu den ICE-Zügen), dann müsse der Freistaat "entsprechend der Verursachung" den erforderlichen Ausbau aus den Mitteln für den Schienenpersonennahverkehr mitfinanzieren, heißt es in dem von Minister Andreas Scheuer (CSU) unterzeichneten Schreiben aus Berlin. Der Bund stelle für den Schienenpersonennahverkehr in den nächsten Jahren mehr Geld zur Verfügung: Eine Milliarde Euro ab 2021 und zwei Milliarden ab 2025.

Möglich, dass der OB in einer der nächsten Stadtratssitzungen ähnliche Schreiben verliest. Denn auch in Richtung Norden verläuft ab dem Bahnhof nur ein Gleis. Auch hier halten Experten zumindest den abschnittsweisen Ausbau für geboten, wenn nacheinander Züge aus Sonneberg und Erfurt ein- und kurz darauf wieder welche ausfahren sollen. Aus diesem Grund schrieb der OB im November erneut an die Ministerien.

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