Beschwerde

Beleidigung von Einsatzkräften in Kaltenbrunn

Ein nächtlicher Einsatz der Kaltenbrunner Feuerwehr hat heftige Reaktionen eines Anwohners ausgelöst. Eine Anzeige steht jetzt im Raum.
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Offenbar fühlte sich ein Anwohner von einem nächtlichen Einsatz der Kaltenbrunner Feuerwehr so gestört, dass er seinem Ärger in beleidigender Form Luft machte.Archivfoto: Berthold Köhler
Offenbar fühlte sich ein Anwohner von einem nächtlichen Einsatz der Kaltenbrunner Feuerwehr so gestört, dass er seinem Ärger in beleidigender Form Luft machte.Archivfoto: Berthold Köhler
Der Text auf dem beidseitig bedruckten Blatt strotzt nur so vor Wut. Worte in Großbuchstaben, gefettete Passagen, Satzzeichen im Überfluss. Der Verfasser, der sich mit seinem Brief an die anderen Bewohner des Hauses wendet, schießt gegen seine Nachbarn und gegen die Kaltenbrunner Feuerwehr. Dabei schreckt er auch vor derben Ausdrücken und Schimpfworten nicht zurück. Was war passiert?

Nach Angaben des Verfassers war in der Nacht vom 19. auf den 20. ein Rauchmelder im Mehrfamilienhaus losgegangen. Wie aus seinem Brief hervorgeht, habe er als einziger darauf reagiert und versucht, durch Klopfen an der betroffenen Wohnung Kontakt zu den Bewohnern aufzunehmen. Es reagierte aber niemand, daraufhin rief er die Feuerwehr. Den Kaltenbrunner Einsatzkräften wird in dem Schreiben gleich mehrfach unterstellt, während des Einsatzes "besoffen" gewesen zu sein.


Gemeinde kündigt Anzeige an

Inzwischen ist das Thema auch im Itzgründer Gemeinderat angekommen. Bürgermeister Werner Thomas (SPD) kündigte dort am Mittwochabend in öffentlicher Sitzung an, dass er wegen der öffentlichen Attacke gegen die Feuerwehr Anzeige wegen übler Nachrede erstatten werde. Der Bürgermeister kann dies deshalb tun, weil er kraft seines Amtes auch oberster Dienstherr der örtlichen Feuerwehren ist. Dabei hätte sich die Situation um den Einsatz am 20. Mai gar nicht so zuspitzen müssen, erklärte Thomas auf Nachfrage: "Wir haben dem Mann die Gelegenheit gegeben, sich zu entschuldigen - aber es kam nichts." Die Art und Weise, wie die Ehrenamtlichen beleidigt worden seien, werde er aber auf keinen Fall so hinnehmen.

Rückendeckung für die Anzeige bekam der Bürgermeister auch von Matthias Bauer, dem Sprecher der Freien Wähler im Gemeinderat. Der fand es richtig, dass die Gemeinde hier ein Zeichen setzt: "So ein Verhalten der Feuerwehr gegenüber ist nicht hinnehmbar." Warum die Situation damals im Mai so eskalierte, konnte sich Werner Thomas auch drei Wochen später nicht so ganz erklären. Es sei wohl eine Kurzschlussreaktion des Mannes gewesen, vermutet der Bürgermeister: "Ich glaube: Wenn er eine Nacht darüber geschlafen hätte, wäre der Ärger am Tag danach verflogen gewesen."

Das könnte jetzt rechtliche Folgen haben, sollte es zur Anzeige kommen. Ob üble Nachrede oder Beleidigung - fraglich ist, ob der Verfasser des Briefs dafür überhaupt belangt werden könnte: "Eine Personengruppe ist als solche nicht beleidigbar", erklärt der Coburger Rechtsanwalt Christian Müller. "Wenn es gegen jemanden persönlich geht, dann ist das eine Beleidigung. Es muss aber klar sein, welche Person gemeint ist. Das ist strafrechtlich schwer zu fassen." Eine Beleidigung von Feuerwehrleuten an sich wäre also wohl nicht strafbar. Fraglich ist, wie es in diesem Fall einer konkret benannten Feuerwehr wäre. "Wir befinden uns hier sicher in einem Grenzbereich, das ist eine Wertungsfrage des Strafrichters", sagt Müller.


Trauriger Trend

Kreisbrandrat Manfred Lorenz ist entsetzt über den Fall in Kaltenbrunn, der eine erschreckende Entwicklung der vergangenen Jahre bestätigt: "Da bleibt einem die Spucke weg. Man hat ja schon einiges mitgemacht und erlebt, auch was Gewalt gegen Einsatzkräfte angeht. Aber das ist noch mal eine Schublade tiefer und nicht zu tolerieren", sagt Lorenz.

Der Umgang mit Einsatzkräften mache ihm Sorgen: "Ich kann nur hoffen, dass die Kameraden nicht hinschmeißen, weil jemand sowas schreibt." Soweit sei es zwar bisher nicht gekommen, aber förderlich für das Engagement der ehrenamtlichen Feuerwehrleute seien solche Aktionen sicher nicht. "Die Leute wissen gar nicht, was sie da kaputt machen. Irgendwann kommt dann keiner mehr, wenn es brennt. Wir tun alles, um unsere Kameraden zu motivieren, und dann kommen solche Leute. Unfassbar, was da abgeht. So viel Dummheit kann man gar nicht verstehen."
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