Coburg
Genussregion Coburger Land

Bekommt Coburg einen Runden Tisch für Lebensmittelqualität?

Da passt ein skandalträchtiger und zerschlagener Schlachthof nicht rein. Deshalb möchte Regionalmanager Stefan Hinterleitner einen Runden Tisch installieren, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
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Wichtig ist, was drin ist. Wer in der Genussregion Fleisch- und Wurstwaren verkaufen will, der muss auf Qualität achten - von Anfang an, auch beim Schlachten. Am Runden Tisch sollen alle Betroffenen nach Möglichkeiten suchen, wie das zu machen ist. Foto: Thomas Heuchling/CT-Archiv
Wichtig ist, was drin ist. Wer in der Genussregion Fleisch- und Wurstwaren verkaufen will, der muss auf Qualität achten - von Anfang an, auch beim Schlachten. Am Runden Tisch sollen alle Betroffenen nach Möglichkeiten suchen, wie das zu machen ist. Foto: Thomas Heuchling/CT-Archiv
Nun ergreift das Regionalmanagement Coburger Land doch die Initiative. Immerhin gilt es, einen Ruf zu verteidigen - den der Genussregion. Vor zwei Wochen äußerte Mariam Issaoui noch die Ansicht, das Debakel am Schlachthof bedeute keinen Imageverlust für das genussvolle Label. Damit das auch so bleibt, will sich das Regionalmanagement einbringen. "Wir wissen, wie wichtig ein regionaler Schlachthof für die Direktvermarkter und Gastronomiebetriebe ist", stellt Regionalmanager Stefan Hinterleitner fest. Aber er kenne auch die Debatten um die Coburger Einrichtung noch aus der Zeit, in der er selbst Pressesprecher im Rathaus war.

Dass der Schlachthof defizitär arbeitet, sei schon damals ein Thema gewesen. Und mit dem in unmittelbarer Nachbarschaft geplanten Band der Wissenschaft werde er ohnehin zum Störfaktor. "Gerade jetzt, vor dem Hintergrund, dass die Firma Dellert entschieden hat, den Betrieb ruhen zu lassen, spitzt sich die Situation zu. Deshalb wollen wir einen Runden Tisch installieren", schlägt Stefan Hinterleitner vor. Dort sollen nach seiner Ansicht die Betroffenen aus der Region, also die Metzger, Bauern, Vertreter aus der Landwirtschaft und der Gastronomie sowie die Direktvermarkter, sitzen - zusammen mit Kommunalpolitikern aus der Stadt und dem Landkreis.

Der Landrat ist dabei

"Wir sollten uns Gedanken darüber machen, wie wir im Coburger Land eine Schlachtmöglichkeit garantieren können. Deshalb wolle er alle Beteiligten schnellstmöglich zusammenbringen", sagt Stefan Hinterleitner. "Wir werden in den nächsten Tagen auf die Betroffenen zugehen."

Landrat Michael Busch (SPD) erklärt sich zur Mitarbeit bereit. "Wir haben schon in der Vergangenheit Gespräche mit der Stadt geführt und festgestellt: Ein Schlachthof, der nur von einer Schulter getragen wird, rechnet sich nicht." Auf eine plötzliche Schließung der Einrichtung sei aber niemand vorbereitet gewesen. Deshalb müsse jetzt etwas passieren. Damit reagiert Michael Busch unter anderem auf die Forderung des Kreisobmanns des bayerischen Bauernverbands, Gerhard Ehrlich, das Regionalmanagement sollte nun endlich tätig werden und etwas für die Genussregion tun. "So etwas hätte es nicht gebraucht, wir haben schnellstmöglich reagiert", stellt der Landrat fest.

Neuer Schlachthof kein Thema

Gibt es bereits Überlegungen einen neuen Schlachthof außerhalb der Stadtmauern zu bauen, wie es unter anderem die FDP-Fraktion im Stadtrat vorgeschlagen hat? "Wir gehen ergebnisoffen in die Gespräche und wollen nicht den zweiten Schritt vor dem ersten tun", antwortet Michael Busch. Und Stefan Hinterleitner ergänzt: "Wir müssen zunächst einmal den Bedarf ermitteln." Zwar schlachteten in Coburg auch kleinere Metzgereien, aber der größte Nutzer des Schlachthofs sei Dellert. Wenn er sich zurückziehe, müsse geklärt werden, wer überhaupt noch regional schlachte. "Wir sollten auch mal schauen, wie andere Kommunen das handhaben."

Mit Blick auf einen zu gründenden Runden Tisch bedauert Stefan Hinterleitner schon im Vorfeld, dass dort wahrscheinlich kein Platz für Konsumenten und Verbraucher sein wird, denn auch von ihnen hinge ab, was Lebensmittel-Produzenten anbieten. "Wir tragen Verantwortung und sollten prinzipiell bereit sein, für Fleisch mehr Geld auszugeben." Dann hätten regionale Vermarkter eher eine Chance, ihre qualitativ hochwertigen Produkte an die Frau und den Mann zu bringen. Zwar sei er sich im Klaren, dass nicht alle Verbraucher die Mittel haben, sich teure Lebensmittel zu kaufen, aber: "Diejenigen, die es sich leisten können, sollten dazu auch bereit sein." Das könnte den gewissenhaften Vermarktern aus der Genussregion die Wirtschaftlichkeit sichern.

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