Coburg
Kindergartenalltag

Beim Spielen sind alle gleich

In der katholischen Tagesstätte St. Augustin werden 125 Kinder betreut, darunter 30 aus Migranten- und Flüchtlingsfamilien.
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Die Kinder spielen ganz selbstverständlich miteinander. Die zwei Jungs im Vordergrund haben in der Tagesstätte gelernt, deutsch zu sprechen. Inzwischen verstehen sie Florian Linke problemlos. Aus Sicherheitsgründen werden die Gesichter der Kinder nicht gezeigt und ihre Namen nicht genannt. Foto: Helke Renner
Die Kinder spielen ganz selbstverständlich miteinander. Die zwei Jungs im Vordergrund haben in der Tagesstätte gelernt, deutsch zu sprechen. Inzwischen verstehen sie Florian Linke problemlos. Aus Sicherheitsgründen werden die Gesichter der Kinder nicht gezeigt und ihre Namen nicht genannt. Foto: Helke Renner
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Ihre Namen klingen ungewohnt, ihre Haut, Haar- und Augenfarbe sind meist dunkler als die ihrer Spielgefährten. Aber ansonsten unterscheiden sich die Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung, wie es etwas sperrig im Amtsdeutsch heißt, nicht von denen mit deutschen Wurzeln. Sie toben, malen, basteln und blättern in Büchern an diesem Nachmittag in der katholischen Tagesstätte St. Augustin, Park 3. "Kinder sind für uns Kinder - egal, woher sie kommen und welche Voraussetzungen sie mitbringen", sagt Florian Linke, der zusammen mit Martina Eichler die Einrichtung leitet. In der Krippe, dem Kindergarten und der Vorschulgruppe von St. Augustin werden 125 Kinder betreut, davon haben 30 keine deutschen Wurzeln.

"Wir haben ein offenes Anmeldesystem. Meist kommen die Eltern selbst und melden ihre Kinder an. Wir nehmen sie auf - unabhängig von der Herkunft und der Religion", erläutert Florian Linke. In einigen Fällen gebe es aber auch eine Empfehlung von der Fachaufsicht für Kindertagesstätten der Stadt.

Die Verständigung mit den Eltern funktioniere in der Regel problemlos. Wenn sie die deutsche Sprache noch nicht so sicher sprechen, dann klappt es meist mit Englisch. "Sollten wir auch da nicht weiterkommen, dann gibt es bei der Caritas Dolmetscher speziell für die Kindertagesstätten." Mitunter helfen Freunde und Bekannte aus, die schon länger in Coburg leben. Anders sei das bei den Kindern. Zwar könnten die sich zum Teil auch auf Englisch verständigen, aber die meisten seien dazu nicht in der Lage. "Mit ihnen sprechen wir langsam einfache Sätze, machen mit Mimik und Gestik deutlich, was wir sagen wollen." Außerdem gibt es für die Neuankömmlinge eine Kette mit kleinen Bildchen, unter denen zum Beispiel steht: Ich habe Durst, ich brauche einen Becher, ich habe Hunger, Händewaschen, Schuhe anziehen, Jacke anziehen und so weiter. Will sich das Kind mitteilen, braucht es nur das entsprechende Bildchen zu zeigen. "Sie lernen unglaublich schnell, schneller als ihre Eltern", erzählt Florian Linke. Das funktioniere zum Teil durch den selbstverständlichen Umgang mit den anderen, aber auch durch die Bildungsangebote in der Tagesstätte. "Wir verfolgen da ein teiloffenes Konzept. Das heißt, einmal täglich wird über zwei Stunden in einer Gruppe von nicht mehr als 13 Kindern gearbeitet. Dort ist eine starke Förderung möglich."

Ansonsten könnten die Kinder frei die Einrichtung erkunden. Außerdem gibt es einen Vorkurs, in dem sie von externen und eigenen Pädagogen geschult werden. "Daran nehmen die Kinder, die nicht deutsch sprechen und die deutschen mit Sprachschwierigkeiten teil, so dass auch da wieder gemischte Gruppen entstehen." Darüber hinaus sei eine Logopädin regelmäßig vor Ort.

Mit den Eltern der Migrations- und Flüchtlingsfamilien arbeiten die sogenannten Bezugspädagogen der Kindertagesstätte. "Die systemische Familienberatung gibt es sowieso für alle. Die Flüchtlingsfamilien bekommen von uns aber auch Unterstützung bei Problemen, die nichts mit der Einrichtung zu tun haben. Sie wollen sich integrieren, sind sehr höflich und freundlich." Die Kinder untereinander helfen sich nicht explizit, stellt Florian Linke fest. Das sei auch nicht notwendig. Beim gemeinsamen Spielen und Miteinandersprechen ergebe sich der Lerneffekt quasi von selbst. In der Bibliothek der Tagesstätte können seit einiger Zeit mehrsprachige Kinderbücher ausgeliehen werden. "Die kommen sehr gut an."

Und wie steht es um die Religion in einer katholischen Kindertagesstätte? Florian Linke erzählt von seiner Gruppe, in der Protestanten, Griechisch-Orthodoxe, Muslime und Atheisten zusammen friedlich ihre Kindergartentage verbringen. "Im vergangenen Jahr haben wir uns alle paar Tage mit einer anderen Religion beschäftigt und dabei viele Parallelen entdeckt", sagt Florian Linke und wünscht sich solch einen offenen Umgang für die ganze Gesellschaft.

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