Neustadt bei Coburg
Bürgerbus-Fahrt

Beim Neustadt-Treffen wurde die "Brücke nach Polen" geschlagen

Das 40. Neustadt-Treffen war etwas Besonderes: Zum ersten Mal fand es in Polen statt.
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Oberbürgermeister Frank Rebhan übergab beim Eröffnungsabend des 40. Neustadt-Treffens an Bürgermeister Mariusz Dziuba von Nowe Miasto nad Pilica die "Neustadt in Europa-Fahne". Foto: Dieter Seyfarth
Oberbürgermeister Frank Rebhan übergab beim Eröffnungsabend des 40. Neustadt-Treffens an Bürgermeister Mariusz Dziuba von Nowe Miasto nad Pilica die "Neustadt in Europa-Fahne". Foto: Dieter Seyfarth
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Das Neustadt-Treffen vom 1. bis 3. Juni 2018 in Nowe Miasto nad Pilica war was ganz Besonderes: Ein "kleines Jubiläum"; denn es fand zum 40. Mal und außerdem erstmals in Polen statt. Beim traditionellen Eröffnungsabend stellten dies sowohl Bürgermeister Mariusz Dziuba von der Stadt Nowe Miasto nad Pilica als auch die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft "Neustadt in Europa", Petra Bieber aus Bad Neustadt an der Saale in ihren Reden heraus. Bürgermeister Mariusz Dziuba begrüßte im festlich geschmückten Saal des Hotels Ossa die über 600 Gäste aus 21 Neustadt-Städten mit herzlichen Worten. Oberbürgermeister Frank Rebhan, der mit Drittem Bürgermeister Martin Stingl, Stadtrat Walter Thamm, der Puppenfee Lena Neumann sowie Katja Werner vom Kulturamt angereist war, hatte als Vertreter der das Neustadt-Treffen 2017 ausrichtenden Stadt die ehrenvolle Aufgabe, die "Neustadt in Europa-Fahne" bis zum Neustadt-Treffen 2019 an Bürgermeister Mariusz Dziuba zu übergeben. Dabei betonte er besonders, wie wichtig es sei, dass mit diesem Neustadt-Treffen erstmals für die 37 Neustadt-Städte, die der Arbeitsgemeinschaft "Neustadt in Europa" angehören, die "Brücke nach Polen" geschlagen werden konnte. Er zeigte sich auch davon überzeugt, dass durch die vielen Begegnungen und Erfahrungsaustausche Vorurteile zwischen den west- und osteuropäischen Ländern abgebaut werden können. Somit könne der Zusammenhalt Europas auf der untersten Ebene gefestigt werden.

Bruno Altrichter, Bürgermeister der Stadt Bad Neustadt an der Saale, lud alle Neustadter zum 41. Neustadt-Treffen im Jahre 2019 in die unterfränkische Kreisstadt des Landkreises Rhön-Grabfeld ein. Dort werden sich alle "Neustadter und Neustädter" in der Zeit vom 28. bis 30. Juni 2019 erneut treffen. Bad Neustadt an der Saale wird dann zum 3. Male nach 1979 und 1999 Gastgeber des Neustadt-Treffens sein. Beim Eröffnungsabend dabei waren ferner die 44 Teilnehmer aus Neustadt bei Coburg, darunter auch Reisefreunde aus Bad Rodach, Coburg, Neustadt am Rennsteig, Rödental und Sonneberg. Nach einem köstlichen Abendessen an geschmackvoll eingedeckten und geschmückten Tischen sorgte ein professionelles Tanzpaar mit wunderbaren Tänzen und anschließend eine Jazzband für Stimmung und Unterhaltung. Tags darauf fand im Stadtpark von Nowe Miasto nad Pilica das "Neustadt-Fest" statt. Stände mit Essen und Getränken sowie Süßigkeiten sorgten dafür, dass niemand Hunger leiden musste. Ferner wurden auch Erzeugnisse aus der Region, vor allem Holzschnitzereien, Spielzeug, geflochtene Körbe und Dekorationsartikel, angeboten. Auch für die Kinder gab es mannigfaltige Spielmöglichkeiten. Mehrere Städte aus der Arbeitsgemeinschaft "Neustadt in Europa", darunter auch Neustadt bei Coburg, versorgten die Festteilnehmer mit Prospekten, Flyern, Werbegeschenken sowie mit typischen Erzeugnissen aus der jeweiligen Region.


In hellblauen Poloshirts

Um 13 Uhr startete der Festumzug vom städtischen Stadion. Unter den teilnehmenden Abordnungen aus den 21 Neustadt-Städten fiel die starke Neustadter Bürgerbusgruppe mit ihren hellblauen Poloshirts sehr positiv auf. Angeführt wurde sie von Stadtrat Walter Thamm und der Puppenfee, da Oberbürgermeister Frank Rebhan und Dritter Bürgermeister Martin Stingl aus terminlichen Gründen schon vor Beginn des Festumzuges heimreisen mussten. Im Stadtpark endete der Festumzug. Dort wurden die einzelnen Städte von einer großen Bühne aus in Kurzform vorgestellt. Anschließend begann ein buntes Bühnenprogramm mit Musik- und Tanzaufführungen der verschiedenen örtlichen Kindertagesstätten und Schulen. Mit eingebunden in das Unterhaltungsprogramm waren auch der Fanfarenzug sowie die Line Dancer aus Neustadt an der Dosse. Tänze einer Volkstanzgruppe in landestypischen bunten Trachten bereicherten den Nachmittag. Es gab aber auch die Möglichkeit, zwischendurch das Kloster mit der Klosterkirche sowie das Regionalmuseum zu besuchen. Erst am späten Abend endete das Fest mit einer großen Feuerwerksshow.


Eine interessante Reise zusammengestellt

Die Neustadter Bürgerbusgruppe hatte es sich nicht nehmen lassen, bis in das rund 830 Kilometer entfernt gelegene Nowe Miasto nad Pilica ins Nachbarland Polen zu reisen, um auch am 40. Neustadt-Treffen teilzunehmen. Schließlich gibt es einen "festen Stamm", der schon seit über 20 Jahren mit Freude und Begeisterung an den jährlichen Neustadt-Treffen teilnimmt. Diesmal waren auch Teilnehmer aus Bad Rodach, Coburg, Neustadt am Rennsteig, Rödental und Sonneberg dabei, die die Bürgerbusgruppe ergänzten und wesentlich zum Zustandekommen der Fahrt beitrugen. Organisator Dieter Seyfarth hatte angesichts der weiten Strecke ein Rahmenprogramm mit Zwischenübernachtungen, Führungen und Besichtigungen auf der Hin- und Rückfahrt zusammengestellt, was die Fahrt besonders reizvoll und interessant machte. So wurde bereits am Montag, 28. Mai, in den frühen Morgenstunden die Busreise angetreten. In Schweidnitz wurde die evangelische Friedenskirche "Zur Heiligen Dreifaltigkeit" besucht. Sie gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Schlesien, befindet sich seit 2001 auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO und gilt als die größte Fachwerkkirche in Europa.

Nach einer Zwischenübernachtung in Breslau wurden am folgenden Tag die dortige Jahrhunderthalle und der Dom besichtigt. Die Breslauer Jahrhunderthalle ist eine von 1911 bis 1913 in Breslau nach einem Entwurf des Architekten und Stadtbaurates Max Berg errichtete Veranstaltungshalle aus Stahlbeton. Gemeinsam mit der im Jahre 1948 vor dem Haupteingang der Halle aufgestellten Iglica, einer ca. 100 m hohen Nadel, zählt die Jahrhunderthalle zu den Wahrzeichen der Stadt Breslau. Seit dem Jahr 2006 gehört die Halle zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der Breslauer Dom, die Kathedrale St. Johannes der Täufer des Erzbistums Breslau, wurde in den Jahren von 1244 bis 1341 im Stil der Gotik errichtet. Er ist eines der Wahrzeichen von Breslau. Seine zwei Türme sind mit knapp 98 Metern die höchsten Kirchtürme der Stadt. Begeistert waren die Teilnehmer von einem Rundgang um das Rathaus in der nach altem Vorbild wieder aufgebauten Innenstadt, dem sich ein Mittagessen im berühmten Restaurant "Spiz" anschloss.


Ein wunderschönes Hotel in herrlicher Parkanlage

Gegen Abend wurde das Hotel Ossa in Rawa Mazowiecka, rund 80 Kilometer südwestlich von Warschau gelegen, erreicht. Diese wunderschöne und großzügig angelegte Hotelanlage mit über 300 Zimmern, umgeben von einer Parkanlage in herrlicher und abgelegener Landschaft, war das Domizil der Neustadter für fünf Nächte. Was da so alles an Annehmlichkeiten angeboten wurde, ist kaum zu beschreiben! Der Mittwoch führte in die 1,7 Millionenstadt Warschau, eine moderne und pulsierende Stadt mit 300.000 Studenten. Die Besichtigungstour führte vom Königsschloss entlang des Königsweges. Nach einer Mittagspause wurde der "Wilanow-Palast", errichtet von 1677 bis 1679, besichtigt. Er wird als das "polnische Versailles" bezeichnet. Am darauf folgenden Feiertag (Fronleichnam) stand erneut Warschau auf dem Programm. Diesmal allerdings galt der im Zweiten Weltkrieg zerstörten und original wieder aufgebauten Altstadt (Schlossplatz mit Königspalast, Altstädter Marktplatz) das besondere Interesse. Die Fronleichnamsprozession, die gerade mit vielen Gläubigen über den Schlossplatz zur St. Annakirche vorbeizog, war sehr beeindruckend. Nachmittags war der von 1952 bis 1955 errichtete 230 Meter hohe "Kulturpalast" das Ziel. Das ungeliebte Geschenk Stalins, im Volksmund "Stalinstachel" genannt, zählt 3300 Räume, darunter einen Kongresssaal, ein Theater, Cafés und Restaurants. Von der Plattform im 30. Stockwerk konnten die Neustadter Reisefreunde den tollen Rundblick auf die faszinierende Stadt an der Weichsel genießen.


Wo Willy Brandt seinen Kranz niederlegte

Danach besuchten sie auch das "Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos". Hier legte am 7. Dezember 1970 unmittelbar vor der Unterzeichnung des Warschauer Vertrags zwischen Polen und der Bundesrepublik Deutschland der damalige Bundeskanzler Willy Brandt einen Kranz nieder. Nach dem Richten der Kranzschleife verharrte er nicht wie üblich stehend, sondern sank auf die Knie und verharrte so schweigend etwa eine halbe Minute. Am Freitag unternahmen die Neustadter Reisefreunde eine Rundfahrt durch die Region mit dem Hauptziel "Lodz". In dieser 870.000 Einwohner zählenden Industriestadt wurden unter anderem das Kinematografiemuseum und das Stadtmuseum besichtigt. Der Abend fand mit dem Eröffnungsabend des Neustadt-Treffens seinen Ausklang. Und auch der Samstag stand ganz im Mittelpunkt des Neustadt-Treffens beim Fest im Stadtpark von Nove Mesto nad Pilica. Auf der Rückfahrt am Sonntag war die Stadt Glatz in Niederschlesien (Stadtbesichtigung) ein Zwischenziel, bevor nochmals im Kurort Bad Kudowa, nahe der tschechischen Grenze, übernachtet wurde. Schließlich wurde am letzten Tag der fünfzehn Kilometer entfernt gelegenen Stadt Nove Mesto nad Metuji in Tschechien noch ein Besuch abgestattet. Hier hatte die Neustadter Bürgerbusgruppe schon im Jahre 2001 beim damaligen Neustadt-Treffen teilgenommen. Im Innenhof des Stadtschlosses wurden die Neustadter vom stellvertretenden Bürgermeister und einer Verwaltungsmitarbeiterin herzlich begrüßt. Im Gegenzug bedankte sich Reiseleiter Dieter Seyfarth für die Bürgerbusgruppe und überreichte Gastgeschenke von Oberbürgermeister Frank Rebhan. Insgesamt 2.600 Kilometer waren zurückgelegt, als die Bürgerbusfahrer in den Abendstunden nach einer Einkehr in Wallenfels wieder wohlbehalten in Neustadt ankamen.
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