Coburg
Internationale Wochen

Beim FC Anadoluspor ist es egal, woher man kommt

Der türkische Sportverein ist offen für alle Nationalitäten und maßgeblich an der Ausgestaltung der internationalen Woche beteiligt. Die findet zum zweiten Mal vom 16. bis 23. Juni in Coburg statt. Sie startet mit einem Marktfest und endet mit einem Fußballspiel.
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Sie arbeiten nicht nur gut zusammen, sondern sind auch befreundet. Dagmar Forkel ist die einzige deutsche Frau bei FC Anadoluspor und Selim Toksöz ist der Vorsitzende. Foto: Helke Renner
Sie arbeiten nicht nur gut zusammen, sondern sind auch befreundet. Dagmar Forkel ist die einzige deutsche Frau bei FC Anadoluspor und Selim Toksöz ist der Vorsitzende. Foto: Helke Renner
Das Wort Integration mag Selim Toksöz nicht. Er betrachtet sich als Coburger mit türkischen Wurzeln und muss sich nicht integrieren, er ist schon ein Teil dieser Gesellschaft. Und er ist Vorsitzender des Vereins FC Anadoluspor Coburg, der maßgeblich die internationale Woche mitgestaltet. "Wir waren schon immer ein internationaler Verein", erzählt Selim Toksöz. Noch heute verstärken die türkische Fußballmannschaft von Anadoluspor Spieler aus Rumänien, Russland, Kasachstan, Italien sowie Sportler mit kurdischer und arabischer Herkunft. Auch deutsche Fußballer sind dabei - und Dagmar Forkel, die zwar nicht Fußball spielt, aber Vereinsmitglied ist, sich um den Schriftkram und das Sponsoring kümmert.
"Ich bin die einzige deutsche Frau, fühle mich aber total wohl", sagt sie.

Familiäre Atmosphäre

Das habe vor allem mit der sehr familiären Atmosphäre bei Anadoluspor zu tun. "Wenn wir ein Heimspiel haben, dann kommen die Familien schon am Vormittag auf den Sportplatz am Falke negg. Sie frühstücken erst einmal alle zusammen. Nach dem Spiel bleiben die meisten noch da und essen auch zusammen Mittag", erzählt Dagmar Forkel. Der Zusammenhalt sei enorm. Während sie das sagt, öffnet sich die Tür zum Sportheim. Ein paar Männer kommen herein und begrüßen alle Anwesenden sehr freundlich. Auch Ergün Tekin ist dabei, der Leiter der Fußball-Abteilung. Er ist heute für die Gastronomie zuständig und kocht erst einmal einen Tee.

"Die Männer kommen fast täglich hierher, um ,Okay' oder Karten zu spielen", erläutert Selim Toksöz. Wenn jemand Pro bleme oder finanzielle Sorgen habe, Hilfe bei einem Umzug oder Hausbau brauche, dann seien die Vereinsmitglieder zur Stelle. "Dabei spielen die Nationalität und die Religion keine Rolle. Bei uns ist jeder willkommen."

Inzwischen ist Ergün Tekin mit dem Tee fertig und setzt sich mit an den Tisch. "In der Saison 2011/2012 waren wir kurz vor dem Abstieg, aber in der Winterpause haben wir drei starke Spieler bekommen und seitdem fast nicht mehr verloren", erzählt er. In der Tat spielt Anadoluspor inzwischen an der Spitze der Kreisklasse und hat das Zeug, in die Kreisliga aufzusteigen.

Dabei hatte der Vater von Selim Toksöz 1979 zunächst einen Arbeiterverein für Familien gegründet. "Aber es sollte auch etwas für die Jugendlichen geben. Deshalb wurde 1980 die erste Fußballmannschaft zusammengestellt", erinnert sich der heutige Vorsitzende. Mit den Jahren erweiterte sich das Angebot bei Anadoluspor. Die Frauen haben eine Folklore-Tanzgruppe gegründet, es werden Vorträge angeboten und zeitweilig gab es sogar Gitarrenkurse. "Wir suchen zurzeit nach einem Lehrer, weil der alte aufgehört hat."

Marktfest wird erweitert

Die Tanzgruppe wird unter anderem bei der Eröffnung der internationalen Woche präsent sein. Die findet am Sonntag, 16. Juni, von 11 bis 18 Uhr auf dem Marktplatz statt. "Wir weiten das Fest diesmal bis in die Spitalgasse aus", erläutert Dagmar Forkel, ehrenamtliches Mitglied der Steuerungsgruppe für die internationale Woche. Es werde wieder gutes Essen, ein Bühnenprogramm, Aktions- und Informationsstände geben.

Zum Abschluss der Woche, am Sonntag, 23. Juni, laden die Mitglieder von Anadoluspor auf ihren Sportplatz in der Schellingstraße ein. Los geht es um 10.30 Uhr mit einem internationalen Gottesdienst. Bei einem Fußballturnier messen sich Hobbymannschaften aus fünf bis sechs Spielern. "Wir haben jetzt schon vier Anmeldungen. Der Löschzug 1 der Feuerwehr, zwei Lehrermannschaften und eine Mannschaft der Stadtverwaltung waren die ersten", sagt Dagmar Forkel.

Neben dem Sport gibt es türkisch-anatolische Spezialitäten und Live-Musik. Die Folklore-Tanzgruppe tritt auf, Ingrid Schaarschmidt bietet eine kurze Shiatsu-Massage an und auf die Kinder wartet eine Hüpfburg. Viel Vorbereitungsarbeit für die Vereinsmitglieder. Doch sie haben ja Dagmar Forkel. "Sie ist unser Glücksbringer", sagt Selim Toksöz und ergänzt, dass Anadoluspor immer gewinnt, wenn Dagmar auf dem Platz ist. Aus seiner Sicht ist sie deshalb auch Garantin für eine gelungene Abschiedsveranstaltung.

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