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Coburg
Vogelschiessen

Beim Coburger Vogelschießen geht's noch rauf

Platzmeister Stefan Schober verlebt gerade eine anstrengende und teilweise äußerst nasse Urlaubswoche: Er organisiert den Festplatz beim Vogelschießen.
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Egal, ob Sonne, Wolken oder Regen: Bis heute müssen die Fahrgeschäfte stehen und technisch abgenommen sein.  Foto: Jochen Berger
Egal, ob Sonne, Wolken oder Regen: Bis heute müssen die Fahrgeschäfte stehen und technisch abgenommen sein. Foto: Jochen Berger
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Vogelschießen ohne die "Eiskist"? "Ja", sagt Stefan Schober, der Platzmeister der Schützengesellschaft Coburg 1354. "Beim Neustadter Kinderfest ging's auch." Nicht nur die Eiskist wird in diesem Jahr auf dem Anger fehlen, eine Süßigkeitenbude, die vor allem für die Sahne zum Eis bei den Coburgern berühmt ist. Die Schaustellerfamilie Mölter wird gar nicht mehr vertreten sein - Matthias Mölter hat voriges Jahr den Freizeitpark Geiselwind gekauft und zieht nun nicht mehr von Fest zu Fest.

"Ich hab mich riesig gefreut, als ich gehört habe, was er vorhat", sagt Stefan Schober. Matthias Mölter hatte ihn schon beim Vogelschießen voriges Jahr ins Vertrauen gezogen, bevor der Kauf publik wurde. "Ich bewundere den unternehmerischen Mut. Der Freizeitpark ist toll geworden, und er hat noch viel vor."

Auf dem Coburger Festplatz wird trotzdem keine Lücke bleiben. 230 bis 250 Buden, Fahrgeschäfte, Lebensmittelverkäufer bewerben sich jedes Jahr um eine Stellfläche auf dem Anger; 60 bis 65 kann Schober aufnehmen, vom Fischsemmelstand bis zum Riesenrad. "Wir haben das Glück, dass wir ein sehr guter Platz sind", sagt Schober. Vor allem aber liegt das Coburger Schützenfest zeitlich zwischen dem in Lichtenfels und Kronach. Die drei Platzmeister arbeiten zusammen, gemeinsam können sie Großfahrgeschäfte einladen, die sonst vielleicht nicht kämen.

"Bei den Schaustellern heißen die drei Feste ,die glorreichen Drei‘", erzählt Schober, während der Regen auf das Dach des schon fest fertig aufgebauten Bierzelts prasselt und ein paar Meter weiter ein Sattelzug mit einem Aufleger rangiert. Darauf sind viel glänzendes Metall und bunte Lichter zu sehen - Basis für die größte Maschine in diesem Jahr, den 48 Meter hohen "Artistico". Diese Riesenschaukel teilt sich das Coburger Vogelschießen mit dem Lichtenfelser Schützenfest, das gerade zu Ende gegangen ist. Der "Breakdance" und das Riesenrad indes fahren in zwei Wochen von Coburg weiter nach Kronach zum Freischießen.

Im Oktober treffen sich die drei Platzmeister. "Da legt jeder seine Planungen auf den Tisch", sagt Schober. Zu beachten ist dabei auch die deutschlandweite Konkurrenz: "Die Crangener Kirmes in Nordrhein-Westfalen, die am 3. August eröffnet wird, ist so groß wie das Oktoberfest. Dagegen können wir nicht an", sagt Schober. Auch das Gäubodenfest in Straubing macht den oberfränkischen Schützenfesten Konkurrenz.

Ralf Pazdera, Schausteller-Urgestein aus Coburg, kommt heran. Einige Buden müssen etwas verschoben werden, sonst passt er nicht dazwischen. "Normales Geschäft", ruft Schober, während er mit Pazdera davon eilt. Der flachst noch: "Wenigstens staubt der Anger in diesem Jahr nicht so." Wenig später muss Schober einem anderen Schausteller den Ansprechpartner vermitteln, der einen im Weg stehenden Laster wegfahren kann. Dafür steht der langjährige Erste Schützenmeister der SG Coburg die ganze Woche während des Aufbaus auf dem Platz, nimmt eigens Urlaub dafür. Es geht ja nicht nur um die Anordnung all der Fahr- und Laufgeschäfte, Karussells und Buden. "Müllabfuhr, Straßenreinigung, Sicherheit - das alles wird mehr, und das macht es aufwendiger", sagt Schober.


Vernetzte Schausteller

Schon wieder signalisiert der Coburger Marsch einen Anruf. Schober muss nicht erst das Handy hervorkramen, er arbeitet mit Headset. "Ich brauch' zwei Akkus am Tag", sagt er. Aber das Handy macht vieles leichter - auch die Kommunikation der Schausteller untereinander. Schober hat für alle, die auf dem Platz stehen, eine Whatsapp-Gruppe eingerichtet. Das machte es im vorigen Jahr möglich, dass ein Fahrgeschäft es trotz Reifenpanne noch rechtzeitig zum Aufbau schaffte. "Der Reifen wäre im Umkreis von 80 Kilometern nicht zu kriegen gewesen. Aber ein anderer unserer Schausteller konnte dem Kollegen aushelfen."

Während Schober bei den Großfahrgeschäften auf eine gewisse Abwechslung achtet, setzt er beim kulinarischen Angebot auf Kontinuität. Der Vertrag mit dem Festwirt läuft noch drei Jahre. Beim Vergnügen müsse der Platz Vielfalt bieten, findet Schober. "Was für die Kinder, die Jugend, die dazwischen, etwas für die stärkeren und für die schwächeren Magennerven." Das Riesenrad spricht alle Altersgruppen an, der "Cyber Space" die Wagemutigen. Und der Autoscooter, der geht immer. "Das ist ein Phänomen, das hab ich auch noch nicht ergründet", sagt Schober und lacht. "Meine Vermutung: Die mit Führerschein genießen es, mal andotzen zu dürfen, und die ohne Führerschein üben das Fahren. Und man kann selbst steuern, fahren, wie man will - das geht in keinem anderen Fahrgeschäft." Und auch, wenn die Musik inzwischen vom MP3-Player kommt und die Lichtanlagen digital gesteuert werden, bleibt ein Festplatz doch ein analoges Vergnügen.

Aber so wie früher ist er nicht mehr: Es gibt nur noch einen Bratwurststand, nur eine Losbude, zwei Schießstände, sagt Schober. "Der Platz verträgt nur begrenzte Mengen an gleichartigen Geschäften." Dafür können die Besucher auch Überraschungstüten angeln, auf Luftballons spickern oder Dosenwerfen. Tiere sind auch keine mehr zu sehen, weder im Mäusezirkus noch beim Ponyreiten. "Die öffentliche Meinung lässt es nicht mehr zu."

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