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Bayerns erster Symphonic Mob: Warum das Coburger Publikum begeistert ist

Wie Profis und Laien beim ersten Symphonic Mob Bayerns das Publikum auf dem Coburger Schlossplatz begeistern.
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Großes Andrang, tolles Stimmung: bei bestem Wetter begeisterte der erste Symphonic Mob Bayerns zahlreiche Zuhörer auf dem Coburger Schlossplatz.Foto: Jochen Berger
Großes Andrang, tolles Stimmung: bei bestem Wetter begeisterte der erste Symphonic Mob Bayerns zahlreiche Zuhörer auf dem Coburger Schlossplatz.Foto: Jochen Berger
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Zahllose Instrumentenkoffer und Notenständer dominieren an diesem sonnigen Nachmittag das Bild am Coburger Schlossplatz. Schlanke Geigenkästen, wuchtige Cellokästen, dazu gewichtige Blechblasinstrumente wie Basstuben, die mit einem Gurt auf dem Rücken getragen werden.

Rege Betriebsamkeit vor der Reithalle. Hier können sich die Teilnehmer einer ungewöhnlichen Konzertaktion registrieren, hier erhalten sie ihre blauen T-Shirts mit der Aufschrift Symphonic Mob. Wobei das "y" ganz besonders geformt ist: wie eine Stimmgabel.

Ein solches Orchester hat Coburg noch nicht erlebt. Rund 195 Interessenten hatten sich angemeldet, freut sich Klaus Anderlik als Leiter des Kultur- Schulamtes, das gemeinsam mit dem Landestheater Veranstalter des Symphonic Mob war. Und Coburgs Generalmusikdirektor Roland Kluttig frohlockt: "Das ist mit Sicherheit das größte Orchester, das Coburg je gesehen hat."

Beste Sicht von den Arkaden

Schon vor Beginn der Probe sind die Plätze mit der besten Sicht oben auf den Arkaden besetzt. Nach und nach kommen immer mehr neugierige Zuhörer auf den Schlossplatz und spenden schon bei der Probe immer wieder Applaus. Auf dem Programm: Ausschnitte aus der "Peer Gynt-Suite" von Edvard Grieg, die ersten beiden slawischen Tänze von Antonin Dvorák und das Torero-Lied als "Carmen".

Gründlich lässt Kluttig das riesige Orchester zunächst einmal einstimmen, bevor Griegs "Morgenstimmung" am frühen Nachmittag den Auftakt bildet. Nur eine Stunde Probenzeit bleibt Kluttig, um aus dem bunten, heterogenen Musikerhaufen in blauen T-Shirts einen möglichst homogenen Klangkörper zu bilden. Schon bei der "Morgenstimmung" finden die rund 250 Instrumentalisten verblüffend schnell zusammen, reagieren sehr konzentriert auf Kluttigs gestalterische Impulse.

Coburgs Generalmusikdirektor, der mit Taktstock und Sonnenbrille auf einem hohen Podest vor den Arkaden steht, feuert sein riesiges Orchester immer wieder an, lässt sich aber nicht wegtragen vom eigenen Enthusiasmus. "Das Publikum ist schon begeistert, aber wir können noch einige Stellen verbessern", sagt Kluttig nach dem ersten Durchlauf des ersten slawischen Tanzes von Dvorak.

Verblüffend die Anziehungskraft des Symphonic Mob. In die große Musikerschar mischt sich sogar Ina Holthaus. Die ehemalige Leiterin des Coburger Orchesterbüros, die inzwischen in Jena bei der dortigen Philharmonie arbeitet, hat ihre Geige eigens für den Symphonic Mob aus dem Schrank geholt. "Ich hatte mir eigentlich schon lange vorgenommen, einmal unter Roland Kluttigs Leitung zu spielen. Endlich klappt das!"

"Grieg legen wir jetzt beiseite", meint Kluttig dann nach der ersten halben Stunde Probe: "Gehen wir zu Dvorák - das wird noch schwieriger. Da müssen wir aufpassen. Sie wissen, bei Dvorák fliegt man schnell mal aus der Kurve, weil die Musik so schwungvoll ist."

Elanvoll und mitreißend gelingen dann die ersten beiden Slawischen Tänze. Mit dem letzten Stück schlägt Kluttig dann die Brücke zum Spielplan des Landestheaters in der neuen Saison: Das Torero-Lied aus Georges Bizets "Carmen" gibt ganz zum Schluss sogar dem Publikum die Gelegenheit, selbst mitzuwirken bei diesem Freiluft-Konzert - als lautstarker Chor, angefeuert von Roland Kluttig: "Singen Sie alle mit. Vergessen Sie den Text, der ist sowie Quatsch."

Zwischendurch fällt Kluttig beim Proben gleich auch noch ein Name für das riesige Spontanorchester auf dem Schlossplatz ein: "Coburg People Philharmonic".

Am Ende bleibt ein begeistertes Fazit und ein halbes Versprechen Kluttigs: "Ein ganz tolles Erlebnis - ich nehme an, dass wir das nächstes Jahr wieder machen!"

Rund um den Symphonic Mob

Hintergrund Ursprünglich vom Deutschen Symphonie-Orchester Berlin ins Leben gerufen und 2014 erstmals organisiert, werden bereits seit einigen Jahren deutschlandweit Spontankonzerte unter der Dachmarke Symphonic Mob durchgeführt. Kooperation Der erste "Symphonic Mob" im Freistaat Bayern war eine Kooperation zwischen der Kulturabteilung der Stadt Coburg und dem Landestheater Coburg. Profis und Laien Die musikalische Begegnung von Laien und Profis ist für Coburgs Generalmusikdirektor Kluttig vertrautes Terrain. So hat er schon wiederholt mit seinen "Compose"-Projekten bewiesen, dass Schüler und Profimusiker bei gemeinsamen Projekten verblüffende Ergebnisse erzielen können. Und vor knapp zwei Jahren führte Kluttig mit dem Philharmonischen Orchester unter dem Etikett "Handball-Symphonie" sogar vor, dass er auch außergewöhnliche Projekte zu meistern versteht.



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