Coburg
Bauunterhalt

Baustelle Veste Coburg: Hitze hat Gefachen des Fürstenbaus arg zugesetzt

Warum das Staatliche Bauamt Bamberg auf der Veste Coburg Ausbesserungsarbeiten ausführen und langfristigen Messungen vornehmen lässt.
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Extreme Hitze hatte den Gefachen am Fürstenbau der Veste Coburg so arg zugesetzt, dass sie herauszufallen drohten. Deswegen lässt das Staatliche Bauamt Bamberg die Gefache ausbessern.Foto: Jochen Berger
Extreme Hitze hatte den Gefachen am Fürstenbau der Veste Coburg so arg zugesetzt, dass sie herauszufallen drohten. Deswegen lässt das Staatliche Bauamt Bamberg die Gefache ausbessern.Foto: Jochen Berger
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Was tut sich am Fürstenbau der Coburger Veste? Neben dem Haupteingang der Kunstsammlungen wurde ein Gerüst aufgestellt, das bis hinauf zum Giebel reicht. Der Grund: das Fachwerk ist an einigen Stellen schadhaft und muss ausgebessert werden. An den sogenannten Gefachungen, den Füllungen zwischen dem hölzernen Skelett, waren Schäden sichtbar geworden.

Kosten von rund 15000 Euro

"Die Überarbeitung der Gefache ist aufgrund der Hitzeperioden der letzten Jahre notwendig geworden", erklärt Jürgen König als Leiter Staatlichen Bauamtes Bamberg, das für die Veste zuständig ist: "Die Ausfachungen des Fachwerks sind geschrumpft und drohten herauszufallen. Diese wurden im Rahmen von Bauunterhaltsarbeiten bearbeitet und befestigt." Die Kosten der Maßnahme beziffert König auf rund 15000 Euro. Die Ausbesserungsarbeiten seien "nahezu abgeschlossen, die Malerarbeiten stehen noch aus." Der Abbau des Gerüstes, so König, sei für Mitte November geplant.

Setzungen und Risse

Daneben aber beschäftigt sich das Staatliche Bauamt Bamberg noch unter einem anderen Aspekt mit der Veste. Denn im nördlichen Teil des Fürstenbaus wurden Setzungen und Risse registriert.

"Hier läuft derzeit eine Inklinometermessung, eine Neigungsmessung", erläutert König. Dazu werden Messgeräte in einem Bohrloch platziert. Diese können Veränderungen im Bohrloch erfassen. "So werden möglicherweise vorhandene Bewegungen aufgezeichnet und quantifiziert", erklärt König: "Dies lässt wiederum Rückschlüsse auf Veränderungen im geologischen Untergrund zu, in den tieferen Gesteinsschichten."

Was passiert im Untergrund?

Als Auslöser für diese Untersuchungen nennt König Risse, die nach der Generalsanierung der Fürstenbaus aufgetreten sind, wobei "grundstatische Mängel" allerdings ausgeschlossen wurden. Deshalb wird von Seiten des Staatlichen Bauamtes die Ursache im Baugrund vermutet. "Ursächlich könnten Setzungen, Auswaschungen oder Verschiebungen in tieferliegenden Schichten sein", so König. Zugleich betont König: "Die Gebäude sind standsicher, die Veränderungen sehr träge."

Die Messungen auf der Veste sind auf eine Dauer von zwei bis drei Jahren angelegt. Die Auswertung und Analyse werde deshalb frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2021 erfolgen.

Rund um die Veste Coburg und den Fürstenbau

Fürstenbau Der Fürstenbau zählt in seinem Kern zu den ältesten Teilen der Veste Coburg. Als Schloss der Kurfürsten von Sachsen war er um 1500 ausgebaut worden. Seine heute bekannte Gestalt aber erhielt der Fürstenbau erst in der Zeit zwischen 1910 und 1920. Damals wurde er von dem Berliner Architekten Bodo Ebhardt grundlegend umgestaltet und als Wohnung für den letzten regierenden Coburger Herzog Carl Eduard eingerichtet.

Erst nach der Jahrtausendwende war der Fürstenbau einer aufwendigen Generalsanierung unterzogen worden. In rund sechs Jahren wurde das Bauwerk für rund 7,77 Millionen Euro grundlegend erneuert und für die künftige Nutzung durch die Kunstsammlungen hergerichtet. Nachdem der Fürstenbau im Sommer 2007 durch das Staatliche Bauamt Bamberg offiziell an die Schlösserverwaltung und von dieser an die Coburger Landesstiftung übergeben wurde, ist der Fürstenbau seit Frühjahr 2008 als Teil der Kunstsammlungen wieder für die Öffentlichkeit zugängig.

Gefache Als Gefach wird bei Fachwerkhäusern der Raum zwischen den tragenden Holzbalken bezeichnet. Bei der Füllung des Gefachs handelt es sich um die Ausfachung. Je nach Verfügbarkeit des Materials sowie unterschiedlich nach Regionen wurde die Ausfachung beispielsweise mit Lehmsteinen, Bruchstein oder Backsteinen vorgenommen.

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