Coburg
380-kV-Trasse

Bauernverband warnt: Keine Unterschrift für Stromtrasse

Der Netzbetreiber "Tennet" treibt seine Planungen für eine Höchstspannungsleitung zwischen Altenfeld und Redwitz voran. Vertreter der Landwirtschaft warnen aber davor, dem Unternehmen voreilige Zusagen zu geben.
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Alles andere als ein Grund zur Freude für die Land- und Forstwirtschaft: die Masten für Hochspannungsleitungen. Der Bauernverband fordert in solchen Fällen eine jährliche Zahlung und hofft auf einen Musterprozess, der derzeit in Norddeutschland läuft. Foto: Berthold Köhler
Alles andere als ein Grund zur Freude für die Land- und Forstwirtschaft: die Masten für Hochspannungsleitungen. Der Bauernverband fordert in solchen Fällen eine jährliche Zahlung und hofft auf einen Musterprozess, der derzeit in Norddeutschland läuft. Foto: Berthold Köhler
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Der Netzbetreiber "Tennet" hat in den vergangenen Wochen damit begonnen, Vorgespräche mit Eigentümern von Flächen entlang der künftigen 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung zwischen Altenfeld und Redwitz zu führen. Hans Rebelein, der Geschäftsführer des Coburger Kreisverbandes im Bayerischen Bauernverband (BBV), warnt die Grundstückseigentümer vor schnellen Zusagen: "Wir raten dringend davon ab, schon jetzt irgendwelche Zusagen zu geben."

Derzeit laufen zwischen dem Bauernverband und den deutschen Netzbetreibern harte Verhandlungen. Die Vertreter der Landwirtschaft haben die viele Jahre alte Rahmenvereinbarung gekündigt, nach der Landwirte für Masten auf ihren Feldern bislang mit einer Einmalzahlung abgefunden wurden. "Wir wollen aber eine jährliche Entschädigung", erklärt Rebelein. Alleine schon, um mehr Generationen-Gerechtigkeit in die landwirtschaftlichen Betriebe zu bekommen.
Motto: Der Vater steckt die Einmalzahlung ein, der Sohn muss sich Jahrzehnte später noch mit dem Mast mitten im Feld herum schlagen.

Wer weiß, wie lange?

BBV-Kreisobmann Gerhard Ehrlich - der sich ausdrücklich keine Einschätzung zur Notwendigkeit der Trasse durch das Coburger Land erlauben will - hat noch ein anderes Argument für eine jährliche Zahlung: "Falls neue Technologien die Leitungen überflüssig machen, werden es sich die Netzbetreiber dreimal überlegen, ob sie die Masten einfach weiter stehen lassen." Bei der immer wieder ein Gespräch gebrachten Erdverkabelung sehen die Vertreter der Landwirtschaft übrigens keine Vorteile. Weil auch bei dieser Technologie etwa alle 800 Meter größere Schächte zu den Leitungen in die Tiefe gehen, bleiben die Belastungen für die Bauern gleich.

Deshalb ist Gerhard Ehrlich auch kein Freund von der Idee, zum Schutze der Graureiher mit einem Kabel unter dem Froschgrundsee durchzugehen. Er befürchtet, dass dafür große Überleiterwerke am Rande des See gebaut werden müssen - wieder mehrere tausend Quadratmeter Fläche, die dann den Landwirten abgehen.


Mit gemischten Gefühlen


Winfried Hanft ist einer der Landwirte, der vom Bau der Höchstspannungsleitung betroffen ist. Er hatte diese Woche sein erstes Gespräch mit "Tennet" und kam mit gemischten Gefühlen zurück. Druck, sagt er, sei ihm nicht gemacht worden. Auch über Zahlen habe man noch kein Wort verloren. Außerdem habe man ihn sogar auf seine Einwendungsmöglichkeiten im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens verwiesen.

Aber dass ihm von den Vertretern des Netzbetreibers nicht einmal ein Protokoll seines Gespräches geben wollten, ärgert den Landwirt aus Unterwohlsbach schon gewaltig. Allmählich macht er sich aber auch Sorgen, wie es mit seinem Betrieb insgesamt weitergehen soll: "Autobahn, ICE und jetzt die 380-kV-Trasse - wir sind wirklich dreifach beschissen dran."

Es ist noch nicht genug

Hanft kennt sich schon aus, was Masten betrifft. Er hatte in einer Wiese schon einmal einen stehen und tat sich beim bewirtschaften immer sehr schwer. Deshalb ist auch er ein Freund, dass die Netzbetreiber jährlich für die Erschwernisse einen Abschlag bezahlen. In Norddeutschland gibt es sogar schon einen ersten Prozess, bei dem der Bauernverband das "Aus" für die pauschalen Einmalzahlung herbeiführen wollen. Hans Rebelein ist ganz optimistisch: "Vielleicht könnte dies sogar ein Musterprozess werden." Alles, was von "Tennet" und anderen Netzbetreibern, derzeit geboten werden, sei auf jeden Fall nicht genug.
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