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LKR Coburg
Söder-Besuch

Bauern: "Fühlen uns gedemütigt"

Wo Spitzenpolitiker auftauchen, sind derzeit die Landwirte nicht weit. So auch am Sonntag in Coburg.
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Diskussion eingeklemmt zwischen Polizisten und Sicherheitsleuten: Ministerpräsident Markus Söder (links) im Gespräch mit Axel Roth und Klaus Siegelin (rechts). Foto: Barbara Herbst
Diskussion eingeklemmt zwischen Polizisten und Sicherheitsleuten: Ministerpräsident Markus Söder (links) im Gespräch mit Axel Roth und Klaus Siegelin (rechts). Foto: Barbara Herbst
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So sieht Protest in geordneten Bahnen aus: In Reih und Glied stehen die Traktoren auf dem Coburger Großparkplatz Anger, während im wenige Schritte entfernten Kongresshaus Rosengarten Ministerpräsident Markus Söder spricht. Der ist eigentlich gekommen, um Wahlkampf zu machen: In Coburg wird dieses Jahr ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Für die CSU bewirbt sich Christian Meyer, und ihm soll gelingen, was voriges Jahr Sebastian Straubel im Landkreis Coburg schaffte: Die SPD auf diesem Posten ablösen.

Die Bauern sind draußen vorm Kongresshaus - und drinnen. Denn im Landkreis Coburg heißt der Wahlvorschlag "CSU/Landvolk", und entsprechend sind Landwirte auch unter den Kandidaten für Gemeinderäte und den Kreistag. Drinnen erwähnt Söder die Landwirtschaft nur kurz und allgemein: Bayern brauche Bauern.

Draußen warten Axel Roth (Beiersdorf), Marius Steiner (Rödental) und Klaus Siegelin (Küps), um stellvertretend für ihre Kollegen ihre Kritik anzubringen. Wann die Antworten auf den Fragekatalog von Anfang Januar kommen würden, will Siegelin gleich als erstes wissen: Damals hatten protestierende Bauern den Ministerpräsidenten im Landkreis Kronach abgepasst.

Söder verweist auf die Bemühungen der CSU: Es soll neue Mess-Stellen geben (für die Ermittlung der Nitratbelastung im Grundwasser), die Gewässerrandstreifen seien herausgenommen worden. "Aber nur aus der Kartierung, nicht aus dem Gesetz", fällt im Marius Steiner ins Wort. "Was gilt nun?"

Der Ministerpräsident versprich, dass sich die CSU für Veränderungen an der Düngeverordnung einsetzen werde, warnt aber vor zu hohen Erwartungen: "Das hängt auch von der SPD und Europa ab", und von der EU. Die mache, so Söder, gehörig Druck. Um die Folgen für die Landwirte abzumildern, habe die CSU "die Milliarde" im Koalitionsausschuss durchgesetzt.

Doch damit kommt der Politiker gar nicht gut an. "Wir fühlen uns gedemütigt", sagen Axel Roth und Klaus Siegelin. "Dann ziehen wir es zurück", sagt Söder sofort. Das Geld könne sofort für Straßenbau, Kindertagesstätten und anderes verwendet werden. "Keiner will gekauft werden." Und er warnt die Landwirte: "Ihr seid an der Schwelle. Ihr kritisiert diejenigen, die euch helfen wollen."

Roth, Siegelin und Steiner versuchen klarzumachen, worum es ihnen geht: "Wir brauchen ordentliche Rahmenbedingungen und Rechtssicherheit", sagt Siegelin. Axel Roth kritisiert, dass es keine Übergangsfristen gibt. "Wo soll die Gülle hin?" Söder kann nur beschwichtigen: "Wir sind an eurer Seite. Aber wir sind nicht allein" - nicht auf Bundesebene, nicht in der EU. Auf jeden Fall, versichert er, sei er über das Thema eingehend informiert. "Ich träume schon von Sickersäften."

Dann ist der Ministerpräsident weg. Weil die Traktoren die Schützenstraße blockieren, darf die Dienstlimousine über die Alexandrinenstraße wegfahren. Er sei nicht sehr zufrieden mit den Antworten des Ministerpräsidenten, sagt Axel Roth. "Wir sind unglücklich über die Milliarde, weil sie an der falschen Stelle wirkt." Besser wäre es, hohe Kosten für die Landwirte zu verhindern. "Vieles aus der Düngeverordnung nützt dem Grundwasser nichts, aber schadet den Betrieben", sagt er. Ein Beispiel: Das Verbot der Herbstdüngung für Zwischenfrüchte wie Senf, aber auch für überwinternde Saaten wie Raps.

"Die haben gedacht, dass sie uns mit der Milliarde etwas Gutes tun", ergänzt Klaus Siegelin. Aber wenn, sollten damit konkrete Maßnahmen verbunden sein, wie zum Beispiel Zuschüsse für neue Güllegruben. Denn, so erläutert Axel Roth: Die Düngeverordnung gilt ab 1. April, und viele Landwirte hätten gar nicht die Möglichkeit, Gülle in großem Umfang zwischenzulagern.

"Er ist halt Profi und er kann die Leute einnehmen", kommentiert Martin Flohrschütz, Kreisobmann des Coburger Bauernverbands. Immerhin habe Söder sich Zeit genommen für ein Gespräch. "Manchmal ist auch das was wert."

Dass es in Sachen Düngemittel und Grundwasser Wege gibt, mit denen die Landwirte leben können, verdeutlicht Marius Steiner: Seine Familie bewirtschaftet seit 22 Jahren Flächen im Wassereinzugsgebiet der SÜC. Wenn die Wasserqualität passt, gibt es Ausgleichszahlungen für die Landwirte. Steiner: "Da läuft's. Und ist günstiger."

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