Coburg
Genussregion

Bald gibt's wieder Bier aus Coburg

Sturm's und Scheidmantel werden seit Mitte 2011 in Kulmbach gebraut. Jetzt hilft die dortige Großbrauerei aber mit, dass die Vestestadt nicht mehr länger ein weißer Fleck auf der oberfränkischen Bier-Landkarte sein muss.
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Tim Standke wird künftig in der Nägleinsgasse nicht nur Essen kochen, sondern auch Coburger Bier brauen. Direkt neben der Gaststätte "Brauhaus" entsteht in dem roten Fachwerkhaus eine kleine Brauerei mit Pension. Noch in diesem Jahr soll sie in Betrieb gehen. Fotos: Oliver Schmidt
Tim Standke wird künftig in der Nägleinsgasse nicht nur Essen kochen, sondern auch Coburger Bier brauen. Direkt neben der Gaststätte "Brauhaus" entsteht in dem roten Fachwerkhaus eine kleine Brauerei mit Pension. Noch in diesem Jahr soll sie in Betrieb gehen. Fotos: Oliver Schmidt
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Markus Timm kann sich noch genau erinnern, wie das war, als er Ende 2010 in der Nägleinsgasse 4 die Gaststätte "Brauhaus zu Coburg" eröffnete: "Viele haben wegen des Namens gedacht, wir würden hier auch selbst Bier brauen." Doch dem war nicht so. Aber zumindest wurden mit Sturm's und Scheidmantel auch die beiden Marken ausgeschenkt, die von Coburgs langer Biertradition noch übrig geblieben sind. Markus Timm kann gut drei Jahre später auch sagen, dass diese Marken von seinen Gästen oft nachgefragt werden - Sturm's etwas mehr als Scheidmantel. Sprich: Viele Coburger trinken nach wie vor gerne "ihr" Coburger Bier, auch wenn es mittlerweile in Kulmbach gebraut wird.

Doch es ist keineswegs nur diese Erkenntnis, die Markus Timm jetzt zu einem ehrgeizigen Projekt ermuntert: In Coburg soll wieder Coburger Bier gebraut werden! Nicht Sturm's oder Scheidmantel, sondern eine ganz neue Kreation - wohl aber mit fachlicher Unterstützung aus Kulmbach. Aber der Reihe nach: "Eigentlich hatten wir diese Idee schon damals bei der Eröffnung des Brauhauses", verrät Markus Timm. Doch viele Detailfragen konnten erst nach und nach geklärt werden. Ein entscheidender Durchbruch gelang vor zwei Jahren, als Markus Timm das denkmalgeschützte Nachbargebäude Nägleinsgasse 5 kaufen konnte. Genau dort soll nun die Brauerei entstehen. Geplant ist eine Anlage, die pro Sud fünf Hektoliter Bier produziert. Zunächst wird der Ausschank ausschließlich in Timms Gaststätte erfolgen. "Es wird ein Hausbier geben, das ständig ausgeschenkt wird", erklärt er, der seit acht Jahren in der Gastronomie tätig ist. "Außerdem wollen wir saisonal Spezialbiere brauen." Die Anlage gebe technisch vieles her.

Tim Standke wird es sein, der die Anlage bedient. Der Koch, der im Vier-Sterne-Haus Franziskushöhe in Lohr am Main gelernt hat, gehört seit zweieinhalb Jahren zu den drei festen Köchen im "Brauhaus". Ihm zur Seite wird ein gelernter Brauer der Kulmbacher Brauerei stehen. Sprich: Die Großbrauerei unterstützt das Projekt.

Und wann geht's los? Markus Timm nennt als Beginn der Umbauarbeiten "die zweite Jahreshälfte". Der Brauereibetrieb werde aber noch 2014 aufgenommen - "der Einbau der Anlage geht relativ schnell."


Unten brauen, oben schlafen

Etwas länger wird es hingegen dauern, in den oberen Stockwerken mehrere Zimmer für eine kleine Pension zu schaffen. Aber auch dies gehört zu Markus Timms ehrgeizigem Projekt. Und: Er will die Brauereianlage auch regelmäßig für interessierte Hobbybrauer zur Verfügung zu stellen. "Wir werden ja nicht jeden Tag selbst brauen", gibt er zu bedenken. Deshalb werde es die Möglichkeit geben, Brau-Events zu veranstalten - so, wie dies auch im Brauereimuseum im Kulmbacher Mönchshof angeboten wird. Ebenso kündigt Markus Timm an, dass sich das selbstgebraute Bier auch auf die Speisekarte seiner Gaststätte auswirken wird. Denn er geht davon aus, dass Biertrinken künftig noch mehr zu einem Genuss wird und dass die Kombination "Brauen und Kochen" gut bei den Gästen ankommt.

Er persönlich trinkt am liebsten Weißbier, was daran liegen mag, dass er gebürtiger Münchner ist. Seit 1993 ist er in Coburg - und gibt der Stadt jetzt eine verlorene Tradition zurück.


Bier in Coburg

Geschichte Die Coburger Brauereien Sturm (Anfänge 1833) und Scheidmantel (1834) sind Geschichte. Scheidmantel ging bereits 1998 eine Kooperation mit der Kulmbacher Brauerei ein, Sturm wurde 2001 übernommen. 2002 gründete die Kulmbacher Brauerei die "Coburger Brauerei", in der die Pils-Marken Scheidmantel und Sturm's bis heute weiterleben. Lange Zeit wurden diese Marken noch in Coburg gebraut, nach Kulmbach transportiert und dort abgefüllt. Seit Mitte 2011 werden Scheidmantel und Sturm's in Kulmbach gebraut.

Zukunft Einen Namen für das künftige Coburger Bier hat Markus Timm noch nicht - oder er will ihn noch nicht verraten.

Adresse Das "Brauhaus" steht in der Nägleinsgasse, also zwischen Markt und Mauer. Bis in die 1990er Jahre befand sich in dem Haus die "Klosterschänke", die vor allem auch für ihren Straßenverkauf, das "Bratwurstfenster", bekannt war.

Radio Einen Bericht zu Coburgs neuer Brauerei hören Sie am Samstag auf Radio Eins.
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