Bad Rodach
Stadtrat

Bad Rodach schafft Platz für weitere Eigenheime

"Zerfransung" des Stadtgebiets oder nicht? Nach einer Diskussion beschließen die Stadträte, im Osten der Stadt ein weiteres Baugebiet auszuweisen.
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Auch wenn zwei Stadträte ihre Zustimmung verweigerten, die Fläche zwischen Lönsstraße und Dammüllersweg steht bald "Häuslebauern" zur Verfügung. Foto: Martin Rebhan
Auch wenn zwei Stadträte ihre Zustimmung verweigerten, die Fläche zwischen Lönsstraße und Dammüllersweg steht bald "Häuslebauern" zur Verfügung. Foto: Martin Rebhan
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Die Stadt Bad Rodach wächst weiter. Die Weichen hierfür hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung gestellt. Das Gremium beschloss, dass die 6260 Quadratmeter große Fläche zwischen dem Dammüllersweg und der Lönsstraße als Baugebiet mit vier Baurechten und entsprechender Ausgleichsfläche ausgewiesen wird.

Ganz harmonisch verlief die Diskussion über die Änderung des Flächennutzungsplanes aber nicht. Zweiter Bürgermeister Ernst Wilhelm Geiling (FW) zeigte sich von einem Schreiben des "ehemaligen Bürgermeisters von Bad Rodach" inspiriert und machte deutlich, dass er dem Vorhaben ablehnend gegenüberstehe. Seiner Ansicht wäre es falsch, weitere Baugebiete auszuweisen, wenn in dem aktuellen Baugebiet "Heldritter Steig" noch genügend Bauplätze vorhanden sind. Geiling sprach in diesem Zusammenhang von einer "Zerfransung" der Ortsränder. Er kritisierte, dass die Stadt schon oft auf Nachfrage von Bauwilligen Baugebiete in Stadtrandlage ausgewiesen hat. "Wir gehen hier immer wieder einen Schritt weiter", meinte Ernst Wilhelm Geiling. Angesichts der Argumentation zeigte sich Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) sichtlich irritiert. Er verwies auf umfassende Vorgespräche im Bauausschuss, die offensichtlich ein ganz anderes Bild zeichneten. Dass jetzt gegenläufige Argumente ins Feld geführt werden, war für ihn offensichtlich überraschend. Ehrlicher betonte, dass es durch das neue Baugebiet ganz und gar nicht zu einer "Zerfransung" komme. Auch
verwies er darauf, dass die Stadt bei den letzten Erschließungsmaßnahmen in der Lönsstraße die dortigen Rohrleitungen mit Hinblick auf ein weiteres Baugebiet doppelt so groß wie notwendig ausgelegt hat.


Schink will einen "anständigen" Flächennutzungsplan

In Anbetracht der offensichtlich eindeutigen Vorberatungen im Bauausschuss stellte er dem Zweiten Bürgermeister die Frage: "Mit wem muss ich mich zukünftig unterhalten?" Aus seiner Stimmungslage machte Ehrlicher kein Geheimnis, als er meinte: "Ich fühle mich langsam wie ein Kasperl". Stephan Schink (CSU) forderte, dass ein "anständiger" Flächennutzungsplan aufgestellt wird. Mit zwei Gegenstimmen (Geiling, Schink) ebnete der Stadtrat schließlich den Weg für das neue Baugebiet.

Mit dem weiteren Ausbau des schnellen Internets beschäftigte ein weiteres großes Thema den Stadtrat. Das Zauberwort heißt hier "Höfebonus". Die bayerische Staatsregierung hat ein weiteres Förderprogramm mit einem Volumen von rund 400 Millionen Euro mit dem Ziel aufgelegt, auch die letzten "weißen Flecken" einer Kommune mit schnellem Internet zu versorgen. Für die Stadt Bad Rodach, die beim ersten Förderprogramm bereits 860 000 Euro abgegriffen hat, steht jetzt die gleiche Höchstfördersumme zur Verfügung. Enrico Meierhof (Reuther NetConsulting) erläuterte dem Gremium, Ziel der Maßnahme sei, Glasfaserleitungen ins Haus zu bringen. Nach seinen Worten
sind dann, providerabhängig, Geschwindigkeiten bis zu 1000 Megabit möglich. Allerdings, so Meierhof, sind nur solche Haushalte förderfähig, die bisher einen rechnerischen Anschlusswert von unter 30 Megabit haben. In einem ausführlichen Referat informierte er den Stadtrat über das weitere Vorgehen, um Fördergelder zu erhalten. Demnach sollen durch das Verfahren 76 Haushalte an die Datenautobahn angeschlossen werden. Dass hier auch nicht alles Gold ist, was glänzt, mussten die Stadträte zur Kenntnis nehmen. So kritisierte Stephan Schink, dass Provider bis zu drei Jahre Zeit haben, den Ausbau umzusetzen.


Schink dauert das zu lange

"In drei Jahren haben wir das autonome Fahren in Deutschland, wenn in Bad Rodach dann die letzten Leitungen verlegt werden", wetterte Schink. Bürgermeister Ehrlicher betonte in diesem Zusammenhang, dass genau aus diesem Grund nur Glasfaser ins Haus die Lösung sein könne. Einstimmig fasste der Stadtrat den Beschluss, die entsprechende Anträge für den Einstieg in das Förderverfahren zu stellen. Das Erschließungsgebiet sieht folgende Straßen und Plätze vor: Danziger Straße, Feldstraße, Schlesierweg, Saarstraße, Braugasse, Wallgasse, Heldburger Straße, Campingplatz, Färbergasse, August-Grosch-Straße, Kläranlage, Elsaer Straße, Riedweg.

Genehmigt wurden die Bauanträge zum Neubau einer Scheune mit Werkstatt in Rudelsdorf und der Umbau eines Wohnhauses in Roßfeld. Keine Zustimmung fand die Bauvoranfrage zur Errichtung einer Unterstellhalle in Lempertshausen.


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