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Bad Rodach
Gebäudekauf

Bad Rodach kauft einstiges Traditionsgasthaus "zum goldenen Löwen"

Die Stadt Bad Rodach (Landkreis Coburg) hat sich nach jahrzehntelangen Verhandlungen das Eigentum an der traditionsreichen Gaststätte "Zum goldenen Löwen" gesichert. Was nun mit dem unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhaus geschieht, steht noch in den Sternen.
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Was da alles drin steckt: Bürgermeister Tobias Ehrlich führt gleich in das Innere des "Goldenen Löwen".
Was da alles drin steckt: Bürgermeister Tobias Ehrlich führt gleich in das Innere des "Goldenen Löwen".
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In den Bürgerversammlungen hat diese eine Frage an Tobias Ehrlicher nie gefehlt: "Herr Bürgermeister, wann kauft die Stadt endlichen den Löwen?" Gestern hat Ehrlicher endlich die Antwort geben können: "Wir haben ihn." Das Traditionsgasthaus, das inzwischen in großen Teilen eine wüste Ruine ist, gehört der Stadt Bad Rodach. Die Eintragung im Grundbuch fehlt zwar noch, aber Tobias Ehrlicher hat sich extra noch vom zuständigen Notariat bestätigen lassen, dass er an die Öffentlichkeit gehen kann. "Es kann nichts mehr schief gehen", habe man ihm gesagt, versichert Ehrlicher.

Was gibt es nicht alles für Geschichten rund um den "Goldenen Löwen", der früher einmal die Vorzeige-Gaststätte der Stadt war. Kämmerer Michael Fischer ist noch einer von denen, die dort eingekehrt sind. "Nach dem Sport sind wir öfters da hin. Da lief auf dem Fernseher oft Fußball", erinnert sich Fischer.
Mitte der 80er Jahre dürfte das gewesen sein.

Doch von da an ging's bergab. Das Eigentum des denkmalgeschützten Eckhauses ging 1987 an einen Coburger Gastronom über, der - vorsichtig ausgedrückt - nicht recht froh mit dem Gebäude wurde. Die Folge: Bis auf den baurechtlich grenzwertigen Anbau einer Dachgaube im hinteren Teil geschah nichts, der "Löwe" verfiel immer mehr. Inzwischen stellt der mächtige Fachwerk-Bau einen klassischen Schandfleck dar.

Ein prägendes Gebäude

Für die Stadt ist der Kauf des Gebäudes eine Entscheidung von enormer Bedeutung. "Es gibt rund um den Markt, drei oder vier Gebäude, die absolut prägend sind. Dieses hier gehört dazu", sagt Michael Fischer, während er die Eingangstür zur Gaststätte aufsperrt. Wie es dahinter ausschaut, bringt Fischer auch gleich auf den Punkt: "Der Zustand ist katastrophal." Deshalb wird die Stadt wohl nicht umhin kommen, den hinteren Teil des "Löwen"-Komplexes irgendwann einmal abzureißen. Damit das Haus kein Verkehrsrisiko mehr darstellt, hat der Bauhof inzwischen Teile des Gebäudes gesichert und offene Fenster mit Brettern verschlagen.

Bürgermeister Tobias Ehrlicher weiß, dass sich die Aktivitäten der Bauhof-Mitarbeiter in den vergangenen Tagen in der Stadt herumgesprochen haben. Deshalb tritt er erst einmal auf die Euphoriebremse. "Die Umsetzung wird Zeit brauchen", sagt das SPD-Stadtoberhaupt. Immerhin: der erste Schritt steht fest. Die zukünftige Nutzung des "Goldenen Löwen" (dessen schicke Außenwerbung der ehemalige Eigentümer kurz vor dem Verkauf noch abschrauben hat lassen) wird in den Ideen-Teil des Architektenwettbewerbs für das Schlossplatzareal mit aufgenommen.

Freilich wäre auf lange Sicht auch dem Bürgermeister am liebsten, wenn das Traditionsgasthaus wieder zu einem gastronomischen Aushängeschild für die Stadt würde. Aber Ehrlicher ist in diesem Fall niemand, der große Illusionen hat: "Es ist heutzutage schwer, einen guten Gastronomen zu finden. Zudem habe die Stadt, aus finanzieller Sicht, zwei nicht ganz einfache Jahre vor sich. Deshalb sind die Pläne - wie es in der Verwaltungssprache heißt - "ergebnisoffen". Das heißt auch, dass es Fischer und Ehrlicher nicht ausschließen, dass die Stadt irgendwie bei der Nutzung mit im Spiel sein wird. "Hauptsache, das Haus wird ein Frequenzbringer", sagt der Bürgermeister. Im Klartext: Der "neue Löwe" muss Menschen an den Markt locken.

Der Preis war "städtebaulich"

Über den Kaufpreis schweigt sich die Stadtspitze aus. Ein bisschen müssen Tobias Ehrlicher und Michael Fischer gemeinsam hin und her überlegen, bis sie auf eine passende Formulierung kommen. Dann finden sie eine, die der Bürgermeister bekannt gibt: "Wir haben einen städteplanerischen Preis bezahlt." Vermutlich also ein bisschen mehr als das Gebäude auf seinen knapp 400 Metern Grund eigentlich wert war, aber immer noch viel weniger als einmal als Kaufpreis im Raum stand. In Zeiten, in denen noch mit der Deutschen Mark bezahlt wurde, machten Preise von bis zu 1,3 Millionen Mark in Bad Rodach die Runde.

Die Geschichte des "Goldenen Löwen"

17./18. Jahrhundert Voraussichtliches Entstehungsdatum des Fachwerkhauses. Der Keller unter dem Gebäude dürfte nach Schätzung von Fachleuten sogar aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges stammen.

1825 Beim großen Stadtbrand wird die gesamte westliche Marktseite mit zwölf Häusern und 15 Scheunen zerstört. Stehen bleibt: der heutige "Löwe". Noch heute gibt es in der Stadt den Spruch: "Der Löwe brennt eh nicht."

1980 Im Grundbuch wird ein "dringliches Bauwerksveränderungsverbot" für das Eckhaus Markt/Hildburghäuser Straße eingetragen.

1987 Ein Coburger Gastronom erwirbt das Eigentum am "Goldenen Löwen".

2009/2010 Es gibt zwei Kaufverträge für den Löwen: Einen mit einer Frau aus Bad Rodach, einer mit der Stadt. Wenn der Coburger Gastronom vom Kaufvertrag mit der Frau zurücktritt, kann der Vertrag mit der Stadt schnell Gültigkeit erlangen - heißt es...

9. Januar 2014 Der Eigentümer tritt von Alt-Kaufvertrag zurück, die Stadt bekommt die Verfügungsgewalt über das Gebäude und die Schlüssel ausgehändigt.

16. Januar 2014 Erstmals können die Stadtverwaltung und die Untere Denkmalschutzbehörde die Räume gemeinsam in Augenschein nehmen.

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