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Coburg
Begegnung

Auftragsmord in Rottenbach - Krimi-Lesung in Coburg

Wie der Coburger Autor Volker Backert in seinem neuen Krimi das Jubiläum 30 Jahre Deutsche Einheit zum Ausgangspunkt einer tödlich endenden Reise in die Vergangenheit nimmt.
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Erfolgreicher Krimi-Autor: Volker Backert stellte seinen neuen Band "Oktobernacht" in Coburg bei einer Lesung im Haus Contakt vor.Foto: Jochen Berger
Erfolgreicher Krimi-Autor: Volker Backert stellte seinen neuen Band "Oktobernacht" in Coburg bei einer Lesung im Haus Contakt vor.Foto: Jochen Berger
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Eine tödliche Oktober-Nacht in Rottenbach - damals, vor 30 Jahren mit dem Feuerwerk der Einheitsfeiern als Begleit-Spektakel. Was ist in jener Nacht kurz vor Vollmond wirklich passiert: Familien-Tragödie oder dreifacher Stasi-Auftragsmord knapp ein Jahr nach der Wirren und Jubelszenen der Grenzöffnung? "Mit einem Erdbeben beginnen und dann langsam steigern" - Volker Backert hält sich akribisch an diese Faustregel für Hollywoods Drehbuch-Autoren.

Spannungs-Cocktail

"Oktobernacht": Backerts neuer Kriminalroman, erstmals nicht mit dem Zusatz Franken-Krimi versehen, ist ein raffiniert gemischter Spannungs-Cocktail. Die passenden Zutaten für einen Krimi im Nachgang des Jubiläums 30 Jahre Deutsche Einheit kennt Coburgs Krimis schreibender Standesbeamte ganz genau.

Lokalkolorit

Das Spiel mit dem Lokalkolorit gehört auch in "Oktobernacht" dazu. Lokalkolorit zwischen Coburgs Polizeiinspektion und einem leer stehenden Haus in Rottenbach kurz vor der einstigen Zonengrenze. Dazu eine aufstrebende junge TV-Journalistin namens Hannah Steiner, die kurz vor dem ganz großen Karrieresprung steht, aber plötzlich erkennen muss, dass sie die einzige Überlebende jener Rottenbacher Mordnacht ist, dass ihre Biografie mit wohlsituierten Eltern nur Fiktion ist, dass sie nicht die Tochter ihrer vermeintlichen Eltern ist, sondern als Kleinkind adoptiert wurde. So beginnt Volker Backerts Wende-Krimi "Oktobernacht".

Harte Schnitte

Ein Krimi wie ein Drehbuch, harte Schnitte, schnelle Überblendungen, lapidare, scharf geschliffene Sätze - Backert weiß genau, wie sich Spannung inszenieren lässt.

Gitarren-Mafioso

Inszenierte Spannung auf rund 251 Seiten, inszenierte Spannung auch auf dem Podium im Haus Contakt bei Backerts Premieren-Lesung. Auf dem Podium wartet schon Franco Corleone: schwarzes Hemd, schwarzer Hut, weiße Krawatte, die Gitarre im Anschlag - ein Gitarren-Mafioso der Extra-Klasse verspricht Backert. Backert selber sitzt im Halbdunkel - nur angestrahlt von einer kleinen Leselampe, die scharfe Linien in sein Gesicht zeichnet. Keine Frage: "Oktobernacht" macht Backert endgültig zum Heavy-Metal-Schreiber in Frankens Krimi-Autoren-Riege.

Von Rottenbach bis Berlin

Der Abend im ausverkauften Haus Contakt: ein Staccato schonungslos knapp gezeichneter Szenen - clever ausgewählt, um die Spannung immer weiter zu steigern, dazwischen passende Songs von Johnny Cash bis City und Karat als Soundtrack eines Krimis, in dem Backert raffiniert mit mancherlei wechselnden Schauplätzen spielt. Rottenbach und Coburg sind der Ausgangspunkt, Wien und Hamburg, New York und Berlin, Stuttgart und Kitzbühel, Plauen und München kommen hinzu.

Klassischer Cliffhanger

Volker Backert weiß genau, wo er aufhören muss, um den Verkauf seiner in üppiger Zahl aufgestapelten Krimi-Bände am Ausgang nicht zu gefährden. Seine Fans dürfen am Ende einen klassischen Cliffhanger mit auf den Heimweg nehmen - oder ein handsigniertes "Oktobernacht"-Exemplar, um rasch bis zur Auflösung vorzublättern.

Aus dem Leben eines Krimi-Autors

Volker Backert wurde 1962 in Coburg geboren, wuchs am Obermain auf und absolvierte sein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt in München und Bayreuth. Bei der Stadt Coburg sammelte er zunächst während der Wendezeit "unschätzbare Erfahrungen im Sozialamt, der damaligen Champions League jeder Verwaltung...", wie er in seiner Vita schrieb. Seit 1995 arbeitete er als Abteilungsleiter für Öffentliche Sicherheit eng mit der Polizei zusammen.

 Schon in früher Jugend entwickelte er ein Faible für Kriminalromane. Die Regionalkrimis waren ihm in den letzten Jahren aber "viel zu weiblich ", wie er im Gespräch mit dem Tageblatt sagte. Da sah er sich gezwungen, selbst einen "echten, harten Thriller" zu schreiben. Der Kölner Emons-Verlag veröffentlichte 2010 "Das Haus vom Nikolaus". Der Roman kam auf die Auswahlliste zum Friedrich-Glauser-Preis für das beste deutschsprachige Krimi-Debüt. Die Bayerische Staatsbibliothek setzte ihn auf ihre Liste "Best of Regionalkrimis 2012". Im selben Jahr erschien der zweite Charly Herrmann-Roman, "Todesfessel". "Hardrock" 2015 blickte in Chrystal Meth-Abgründe. "Rhein-Main-Bestie" folgte zwei Jahre später. Buch-Tipp Volker Backert "Oktobernacht", 251 Seiten, broschiert, 2020 - 16 Euro.

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