Coburg

Auf Luthers Spuren von Australien nach Coburg

So begeistern junge Choristen und Instrumentalisten aus Brisbane ihr Publikum in der Vestestadt. Im Rahmen einer Tournee durch England und Deutschland gastieren sie in der Coburger Morizkirche, wo einst auch der große Reformator predigte.
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Der St. Peters Chorale beeindruckte bei seinem Gastspiel in der Coburger Morizkirche. Im Hintergrund: die Luther-Büste von Ernst Rietschel. Sie erinnert daran, dass der Reformator einst nicht nur ein halbes Jahr in Coburg verbachte, sondern auch in St. Moriz predigte. Fotos: Jochen Berger
Der St. Peters Chorale beeindruckte bei seinem Gastspiel in der Coburger Morizkirche. Im Hintergrund: die Luther-Büste von Ernst Rietschel. Sie erinnert daran, dass der Reformator einst nicht nur ein halbes Jahr in Coburg verbachte, sondern auch in St. Moriz predigte. Fotos: Jochen Berger
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Luther hätte sicher seine Freude gehabt an diesem Konzert - an diesem Gastspiel junger Choristen und Instrumentalisten aus Australien in der Coburger Morizkirche. Hier, wo der von der Musik faszinierte Reformator 1530 mehrmals predigte, präsentieren der St Peters Chorale und das Streichorchester St Peters Soloists ein anspruchsvolles Programm vom Barock bis zur Gegenwart. "SPLC" steht in großen Lettern auf den Jacken - "St. Peters Lutheran College".


Dieses College in Brisbane, das den Namen Luthers bei seiner Konzerttournee durch England und Deutschland trägt, bietet seinen derzeit weit mehr als 2000 Schülern auch ein reichhaltiges Angebot an musikalischer Ausbildung auf hörbar hohem Niveau. Chor und Streichorchester jedenfalls verblüffen die beachtlich zahlreichen Zuhörer mit ihrer musikalischen Ausdruckskraft ebenso wie mit ihrem technischen Können.
Bereits vor genau drei Jahren war der Chor übrigens erstmals an gleicher Stelle zu Gast.

Beeindruckend hohes Niveau

Frische Stimmen, die durchweg sorgfältig geschult, aber keineswegs stur gedrillt klingen - so stellt sich der St. Peters Chorale unter dem Dirigat von Kathryn Morton vor. Mit unaufdringlicher, aber präziser Gestik formt sie den jederzeit ausgewogenen Klang, achtet auf lebendig atmende Phrasierung und nutzt die fein differenzierte Dynamik als intensives Gestaltungsmittel.


Die jungen Choristen, die das gesamte Programm auswendig vortragen, übersetzen die interpretatorischen Impulse ihrer Dirigentin reaktionsschnell und stets konzentriert. Das gilt für Mendelssohn-Bartholdys Motette "Verleih uns Frieden" ebenso wie für eine klangmalerische Komposition der zeitgenössischen australischen Komponistin Sarah Hopkins ("Past Life Melodies"), die auf suggestive Weise mit vokalen Mitteln den Klang eines Didgeridoos herauf beschwört.


Ebenso beeindruckend ist dann der Auftritt des Streichorchesters St. Peters Soloists unter Leitung von David Deacon. Mit energischer Gestik und vehementem Gestaltungswillen treibt Deacon sein junges Ensemble an, führt die Instrumentalisten im Alter von 12 bis 17 Jahren zu bemerkenswerten Leistungen. Der Kopfsatz aus Ernest Blocks Concerto grosso, mit dem die St. Peters Soloists ihren Programmblock eröffnen, hat jedenfalls keinen Hauch von möglicher schulmusikalischer Bemühtheit, sondern reißt die Zuhörer mit durch federnden Elan, flotte Risikobereitschaft und bemerkenswert präzises Zusammenspiel.


Schwelgerische Klangfülle bietet dann Tomaso Albinonis populäres Adagio g-Moll für Streicher und Orgel. In kammermusikalischer Besetzung gelingt anschließend sogar der erste Satz aus Mozarts Konzert C-Dur für Flöte und Harfe mit zwei überzeugenden Solisten: Grace Kikuchi (Harfe) und Andrew Haselgrave (Flöte).

Ausdauernder Beifall

Ein wenig irritierend wirkt zunächst die Ankündigung der virtuosen Koloraturarie der Königin der Nacht aus Mozarts "Zauberflöte". Doch die junge Sopranistin Anna Stephens bewältigt diesen vokalen Drahtseilakt beachtlich sicher. Mitreißend musiziert ist schließlich das Bacchanale aus Camille Saint-Saens' biblischer Oper "Samson und Dalila".


Mit zwei gemeinsam interpretierten Stücken verabschieden sich Chor und Streichorchester dann - mit dem ersten Satz des Magnificats von Francesco Durante und (als Zugabe) Mozarts "Ave Verum". Verdienter Lohn: begeisterter Beifall.

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