Coburg
Vor der Premiere

Auf Gralssuche am Landestheater Coburg

"Very British" wird das Landestheater. Ein Ballettabend mit Orchester bringt Mark McClains Artus-Visionen. Martin Chaix lässt zu Dowland und Britten tanzen.
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"Very British" wird das  Landestheater Coburg. Ein Ballettabend  mit Orchester bringt   Mark McClains Artus-Visionen. Gastchoreograf  Martin Chaix  lässt zu Dowland und Britten tanzen.
"Very British" wird das Landestheater Coburg. Ein Ballettabend mit Orchester bringt Mark McClains Artus-Visionen. Gastchoreograf Martin Chaix lässt zu Dowland und Britten tanzen.
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Wir gedenken in diesem Jahr des 200. Geburtstages von Queen Victoria und Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, dem royalen Traumpaar des 19. Jahrhunderts, das seit einigen Jahren der Stadt Coburg sogar wieder besondere Aufmerksamkeit beschert. Da muss selbstverständlich auch das Landestheater aktiv werden. Die nächste große Ballett-Produktion - mit Orchester live - führt als "Very British" hin zur besonderen Verbindung Coburgs nach England. Das Philharmonische Orchester des Landestheaters spielt unter Leitung von Roland Fister ausschließlich Musik englischer Komponisten.

Und nun aber, der große Schlenker, dankenswerter Weise nicht noch eine Victoria-Albert-Liebesgeschichte, von denen wir in den letzten Jahren filmisch-literarisch-theatralisch tatsächlich genug hatten. Mit dem ihm eigenen Witz purzelt Ballettchef Mark McClain weit über 1000 Jahre zurück - in die Artus-Legenden. Die tatsächlich tief ins Herz der Briten führen. Mark McClain ergründet zu den "Pomp and Circumstance"-Märschen für Orchester und den "Enigma-Variationen" von Edward Elgar den Tiefsinn des britischen Humors und bringt eine witzig-ironische Variante der Gralsgeschichte auf die Bühne, kündigt das Landestheater an:

"A cup is a cup, is a cup ... Eine Gralsgeschichte". Den heiligen Gral, jenen Kelch, mit der Josef von Arimathäa angeblich das Blut Christi aufgefangen hat, schon in der Überschrift auf seinen Ursprung als schlichte Tasse zu reduzieren - na, das lässt ja einiges erwarten im Umgang mit den zahlreichen Geschichten um die Ritter der Tafelrunde. Die sind seit der Historia Regum Britanniae, der Geschichte der Könige Britanniens des Geoffrey of Monmouth (um 1135) und dann über die französischsprachige Dichtung dermaßen ins Mythenherz ganz Europas gedrungen ist, dass bis heute klassische Musikhörer in Wagners "Parsifal" erbeben und immer neue Filmepen um Artus, den Zauberer Merlin und die Fee Morgana die Fantasy-Fans entzücken.

"Ach, ich hab' alles ein bisschen gemischt", zuckt Mark McClain wieder einmal mit den Schultern, übrigens auch noch die derzeit ebenfalls beliebten Fiktionen um Jesus und Maria Magdalena und der Gralssuche in diesem Zusammenhang. Nicht ganz "serious", gibt McClain zu, was unsere Vorfreude noch erhöht. Wir sind gespannt, was er in 17 kleinen Szenen und 50 Minuten mit seinem fantastischen Material macht.

Bühnenbildner Frank Olle lässt die Artus-Welt um eine Tafelrunde erwachen, die sich unter vielen Videoproduktionen zu einer Art Stonehenge-Steinkreis öffnet. - Dazu erklingen drei der fünf "Pomp and Circumstance"-Märsche für Orchester von Edward Elgar, von denen der erste mit dem Text "Land of Hope and Glory" als inoffizielle Nationalhymne Englands berühmt wurde, sowie seine "Enigma-Variationen".

Neuer Tanz zu Dowland und Britten

I m kürzeren ersten Teil des Abends kombiniert der französische Choreograf Martin Chaix, der zum ersten Mal in Coburg zu Gast ist, Songs des britischen Renaissance-Komponisten John Dowland mit Benjamin Brittens "Lachrymae", zehn Variationen, "Reflections" über Dowlands Song "If my complaints could passions move", die Britten anlässlich des 350. Todestags von Dowland komponierte.

Mit dem Ballettensemble des Landestheaters zusammen auf der Bühne sind die Sopranistin Luise Hecht aus dem Chor und der Gitarrist Christian Rosenau, die die Songs Dowlands interpretieren. Solo-Bratsche oder an anderen Abenden Solo-Cello und Streichorchester erklingen bei Brittens "Lachrymae" aus dem Orchestergraben unter der Leitung von Roland Fister. In der Verbindung zwischen Britten und Dowland sieht Martin Chaix eine Erinnerung an die Vergangenheit: "Was wir heute erleben ist die Konsequenz aus der Vergangenheit."

Passend dazu verknüpft der Choreograf Elemente des klassischen und des modernen Tanzes zu einer eigenen Bewegungssprache. Es geht ihm um das Atmosphärische, die Gefühle in John Dowlands bis heute unter die Haut gehenden Liedern. Martin Chaix wurde 1980 in Albi in Frankreich geboren. Er studierte an der École de Danse de l'Opéra National de Paris und wurde anschließend in das Ballett der Pariser Oper aufgenommen. 2006 wechselte er als Solist in das Leipziger Ballett unter Paul Chalmer, 2009 wurde er Mitglied in Martin Schläpfers Ballett am Rhein in Düsseldorf, dem er bis 2015 angehörte. Martin Chaix tanzte in Choreografien unterschiedlichster Stilrichtungen und Techniken. Seit 2015 ist er freischaffend tätig und arbeitete unter anderem mit den Ballettkompanien in Saarbrücken, Düsseldorf, Schwerin, Split/Kroatien sowie Strasbourg zusammen. Parallel zu seinen Tanzprojekten ist Martin Chaix auch als Fotograf tätig. lt

Ballettabend "Very British".

Choreografien von Mark McClain und Martin Chaix mit dem Ballettensemble des Landestheaters Coburg und Musik von Benjamin Britten, John Dowland und Edward Elgar. Es spielt das Philharmonische Orchester unter Leitung von Roland Fister. Dramaturgie Dorothee Harpain, Kostüme Thomas Kaiser. Premiere Samstag, 9. Februar,

19.30 Uhr, Großes Haus

Stück I "Lachrymae". Choreografie und Bühne von Martin Chaix. Sängerin Luise Hecht,

Gitarrist Christian Rosenau

Stück II , "A cup is a cup, is a cup ... Eine Gralsgeschichte" von Mark McClain. Bühne Frank Olle

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