Coburg
Naturschutzkartierung

Auf den Spuren von Libellen, Heuschrecken, Amphibien, Reptilien und Vögeln im Coburger Stadtgebiet

Was kreucht und fleucht denn da? Das Grünflächenamt Coburg führt gerade eine Naturschutzfachkartierung durch.
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Ein Biotop, das nach Tierarten erforscht wird, ist der Hambachgrund in Creidlitz. Von links: Josline Griese, Jürgen Thein, Gerhard Hübner, Werner Pilz und Bernhard Ledermann Foto: Gabi Arnold
Ein Biotop, das nach Tierarten erforscht wird, ist der Hambachgrund in Creidlitz. Von links: Josline Griese, Jürgen Thein, Gerhard Hübner, Werner Pilz und Bernhard Ledermann Foto: Gabi Arnold
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Am Hambachgrund im Coburger Stadtteil Creidlitz scheint die Welt in Ordnung: Vögel brüten, Frösche laichen und Libellen schwirren durch die Luft. Doch das ist nicht überall so: Viele Tierarten seien mittlerweile vom Aussterben bedroht, sagt Bernhard Ledermann, Leiter des Grünflächenamtes Coburg. Um zu erkennen, welche Arten und Populationen von Libellen, Heuschrecken, Amphibien, Reptilien und Vögeln im Coburger Stadtgebiet noch vorhanden sind, führt das Grünflächenamt nun eine so genannte Naturschutzfachkartierung durch. Unter dem sperrigen Begriff verbirgt sich eine Bestandsaufnahme bestimmter Tierarten.

Ob Wendehals oder gebänderte Heidelibelle - viele heimische Arten stünden auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten, erklären die Biologen Jürgen Thein, Josline Griese und Gerhard Hübner. Deshalb startet das Team in Gewässern, Wiesen und Wäldern im Coburger Stadtgebiet eine Erfassung der Vorkommen. Die Grundlage für die Forschung, so Bernhard Ledermann, sei eine Biotopkartierung, die bereits Ende 1980er Jahre auf dem Weg gebracht und im Jahr 2013 aktualisiert wurde und die die botanischen Biotope aufzeige. Dazu gehöre der Hambachgrund ebenso wie das Naturschutzgebiet Goldbergsee. "Auf dieser Grundlage erfolgt nun die Tierartenbestimmung", so Ledermann. Es handele sich um den zweiten Teil der naturschutzfachlichen Datenbank-Aktualisierung der Stadt Coburg. Die Erfassung von Libellen, Kröten, Heuschrecken oder Vögeln sei weit aufwendiger als die botanische Erfassung. "Die Flora ist da, bei der Fauna müssen wir öfters und zur richtigen Zeit kommen", erklärt Jürgen Thein.

Die Kescher auswerfen

In 100 Stillgewässern werden die Biologen ihre Kescher auswerfen und zum Beispiel nach der Erdkröte, dem Grasfrosch, Grünfröschen oder Molchen suchen. "Relativ viele Amphibien gehören bereits zu den gefährdeten Arten", weiß der Biologe Jürgen Thein. Das Team habe sich auf bestimmte Zielgruppen spezialisiert: Nach Feuersalamander, Zauneidechse und Schlingnatter wird demnach gesucht. Zu den Libellen, die an Stillgewässern heimisch sind, gehören das Große Granatauge oder die Schwarze Heidelibelle. Bei letzterer brechen laut Thein die Bestände bereits ein.

An Fließgewässern haben die Biologen Prachtlibellen, Keiljungfern und Quelljungfern im Fokus. Warzenbeißer, Feld-Grashüpfer, Westliche Beißschrecke oder Sumpfschrecke sind Heuschreckenarten, die weiterhin zu der Gruppe von Tierarten, die erfasst werden, gehören.

Ein weiterer Schwerpunkt sind Vögel wie der Gartenrotschwanz und Wendehals. In einem zweiten Block sollen auch Gebäudebrüter mit der Unterstützung der Bürger erfasst werden, dazu gehören die Vorkommen von Rauch- und Mehlschwalbe und Mauersegler.

Übrigens sei der Star mittlerweile in Deutschland in der Liste der Gefährten Arten aufgenommen, so Thein. "Sobald eine Art gefährdet ist, muss gehandelt werden", so Pilz. In der Praxis müssen dann beispielsweise Gebüsche weichen, um einer bestimmten Art ein Quartier zu bieten. "Im Wirtsgrund mussten wir beispielsweise Büsche entfernen, was nicht nur auf Verständnis gestoßen ist ", erklärt Pilz. Auch neue Lebensräume seien angelegt, dazu gehören demnach viele kleine Tümpel ebenso wie der Goldbergsee.

Auswertung im Jahr 2021

Das Projekt Naturschutzfachkartierung ist auf zwei Jahre ausgelegt und kostet 100 000 Euro.

60 Prozent werden durch das Bayerische Landesamt für Umwelt gefördert, die Stadt Coburg zahlt 40 000 Euro. Mit einer Auswertung der Ergebnisse wird im Jahr 2021 gerechnet. Das Ziel der Naturschutzverbände ist es, bis zum Jahr 2030 mindestens zehn Prozent der in der Roten Liste aufgeführten Arten wieder auf die sichere Seite zu bringen.

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