Merlach
Wirtschaft lokal

Auch aus Merlach kommt Weltmarktqualität

Die Unternehmerfamilie Mey liefert ihre Stühle von Merlach (Stadt Seßlach) aus vom äußersten Ende des Coburger Landes hinaus in alle Welt.
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Tut gut seit 1964: Dieter Mey zeigt Michael Busch, Benedikt Mey und Tobias Mey (von rechts),  wie das "Rollover Trainingscenter" auch mal schnell  in der Mittagspause  das Wohlbefinden steigern kann. Angefangen hat    die Firma vor 54 Jahren  als Lohnschweißerei.Berthold Köhler
Tut gut seit 1964: Dieter Mey zeigt Michael Busch, Benedikt Mey und Tobias Mey (von rechts), wie das "Rollover Trainingscenter" auch mal schnell in der Mittagspause das Wohlbefinden steigern kann. Angefangen hat die Firma vor 54 Jahren als Lohnschweißerei.Berthold Köhler
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Um "wahre Champions" in der Coburger Wirtschaftswelt zu finden, sagt Landkreis-Wirtschaftsförderer Martin Schmitz, muss man nicht zwingend in große Unternehmen oder gar in die Metropolen gehen. Wer Erfolg sucht, kann auch in entlegenen Ecken des Landkreises fündig werden. Die Firma Meychair in Merlach, längst nicht mehr nur Spezialist für Bürostühle, ist deshalb Ziel des Wirtschaftsdialogs, den der Wirtschaftsförderer und Landrat Michael Busch (SPD) in den kleinen Seßlacher Stadtteil führt.
Wer die gut 25 Kilometer in den westlichsten Zipfel des Landkreises fährt, wundert sich schon, dass dort ein Unternehmen mit Außenstellen in China, Indonesien und Kroatien erfolgreich sein kann. Geschäftsführer Dieter Mey kann über die Standortfrage nur lachen. "Die Frage höre ich oft. Ich sage: Wir haben noch nie ein Problem damit gehabt, dass wir in Merlach daheim sind", sagt der Firmengründer dann. Selbst wenn einmal die Woche die großen Container mit Stuhl-Elemente aus den chinesischen Partnerfirmen kommen, gibt es keine Probleme mit der Straßenanbindung.
Da kann es Meychair sogar verkraften, dass sich die Familie Mey und ihre 27 Mitarbeiter manchmal wie im Dresden der 80er Jahre fühlen. "Das Tal der Ahnungslosen", scherzt der Chef, "sind wir, was den Mobilfunk angeht." Kein Netz, kein Telefon. Das ist ein Punkt, in dem der Landrat die Politik in Pflicht sieht. Es müsse Ziel sein, sagt Busch, dass beim Mobilfunk eine flächendeckende Versorgung zur Verfügung steht.
Immerhin - Merlach hat Glasfaseranschluss, wie Mit-Geschäftsführer Benedikt Mey erklärt: "100 000er DSL, es funktioniert einwandfrei." Das ist auch wichtig, denn quasi täglich laufen über den Internetdienstleister Skype Videokonferenzen mit Merlacher und chinesischer Beteiligung. Wenn Glasfaser da ist, ist der Weg zum 5G-Standard im Mobilfunk auch nicht mehr weit, erklärt Martin Schmitz. Denn nur mit einem Anschluss ans Glasfasernetz könne ein Mobilfunkmast auch die nötigen Datenmengen übertragen.


Darauf sitzen Superstars

Ein Punkt, der Meychair aufgrund seiner Randlage Probleme eher bereitet, ist die Suche nach dem beruflichen Nachwuchs. Aber da ist Dieter Mey Praktiker und heimatverbunden gleichermaßen: Die neue kaufmännische Auszubildende, die im Herbst beginnt, kommt direkt aus Merlach. Jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen ist für den Geschäftsführer nämlich "eine gesellschaftliche Verpflichtung". Erst recht, weil die Firmennachfolge langfristig gesichert ist. So Schritt für Schritt will und wird sich der heute 64-jährige Dieter Mey von der Unternehmensspitze zurückziehen und seinen beiden Söhnen, Benedikt und Tobias, das Kommando überlassen.
Nicht viele Firmen in Deutschland, Dieter Mey weiß sicher nur von zweien, haben früher Joint Ventures mit chinesischen Unternehmen geschlossen als Meychair. Dass die Chinesen jede gute Idee aus der Merlacher Produktentwicklung zu kopieren versuchen, regt den Geschäftsführer schon lange nicht mehr auf: "Damit muss man leben." Das helfe auch kein Patentschutz, sondern nur eines: "Man muss mit seinen Ideen vorne dran sein."
Solche Sätze gefallen natürlich dem Wirtschaftsförderer, der beeindruckt nickt und sagt: "Es ist wichtig, immer vorne an der Innovationsfront zu sein." Um beim Produktdesign noch ein bisschen weiter voranzukommen, ist die Firma Mey inzwischen auch in Gesprächen mit der Coburger Hochschule. Dieter Mey ist gespannt, was da raus kommt, wie sich Wissenschaft und Wirtschaft ergänzen können. Denn für ihn ist eine Sache wirtschaftlich lebenswichtig: "Wir müssen schnell sein."
Mit dem begeisterten Gitarristen Dieter Mey an der Spitze hat sich Meychair zum wohl führenden Unternehmen der Welt entwickelt, was die Entwicklung von Stühlen und Stehhilfen für Musiker angeht. Superstars wie der chilenische Weltklasse-Bassist Igor Saavedra nehmen ihren Mey-Chair auf jedes Konzert mit, der fränkische Instrumente-Großhändler Thomann (Burgebrach) ist einer der wichtigsten Vertriebspartner.
Ein weiteres Standbein soll künftig der boomende Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung werden. "25 Prozent der Krankheitstage entfallen auf Probleme mit Muskeln und Gelenken", weiß Mitgeschäftsführer Tobias Mey. Deshalb gehören jetzt auch Faszienrollen ("Switchrolls") und Massagestationen für Unternehmen zur Produktpalette, die Mey sogar auf der weltgrößten Sportmesse, der ISPO in München, präsentieren wird.

8,75 Millionen Euro Jahresumsatz hat die Firma Mey Chair Systems im vergangenen Jahre erreicht.

25 000 Drehstühle hat das Unternehmen mit Sitz im Seßlacher Stadtteil Merlach im vergangenen Jahr verkauft.

220 Kilogramm können die bei Mey speziell für den amerikanischen Markt entwickelten Musikerstühle tragen. "Das ist in manchen Fällen auch dringend notwendig", sagt Firmenchef Dieter Mey.
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