Coburg
Zwischenbilanz

Asyl: Hilfsbereitschaft in Coburg ist ungebrochen

Zurzeit leben 561 Flüchtlinge aus 16 Ländern in der Vestestadt. Der Anteil der Minderjährigen ist groß. Auch deshalb ist man im Rathaus und beim Jugendamt sehr dankbar für das Engagement sehr vieler Coburger.
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Die ehemalige BGS-Halle dient derzeit immer wieder als Unterkunft (hier ein Archivfoto vom ersten Aufbau). Am vergangenen Freitag trafen recht kurzfristig 78 Flüchtlinge ein; die Halle wurde dabei erstmals geteilt in einen Bereich für Familien und in einen für Alleinstehende. Foto: Simone Bastian
Die ehemalige BGS-Halle dient derzeit immer wieder als Unterkunft (hier ein Archivfoto vom ersten Aufbau). Am vergangenen Freitag trafen recht kurzfristig 78 Flüchtlinge ein; die Halle wurde dabei erstmals geteilt in einen Bereich für Familien und in einen für Alleinstehende. Foto: Simone Bastian
"Das ist keine geheime Kommandosache", sagt der Zweite Bürgermeister Thomas Nowak (SPD). Nachdem seit Monaten auch nach Coburg viele Asylsuchende kommen und deren Zahl eher noch ansteigt, sei es Zeit für ein Zwischenresümee. "Aktuell haben wir 561 Flüchtlinge in der Stadt. Sieben werden uns wöchentlich von der Regierung von Oberfranken zugewiesen", erläutert Thomas Nowak. Für 413 Personen laufe das Asylverfahren, in 148 Fällen wurde es bereits abgeschlossen. "Es sind viele Syrer dabei, das geht dann relativ schnell."

Insgesamt kommen die Flüchtlinge aber aus 16 Ländern und sprechen 21 verschiedene Sprachen. Mitunter muss sehr schnell reagiert werden - wie zum Beispiel am vergangenen Freitag. Da wurden für Coburg zwei Busse mit 78 Flüchtlingen angekündigt. "Wir haben die BGS-Halle am Vormittag bezugsfertig gemacht.
Das heißt, sie wurde mit neuen Matratzen und Decken ausgestattet und die Betten in Ordnung gebracht", erzählt Sozialamtsleiter Peter Schubert. Als die Flüchtlinge kamen, waren Mitarbeiter des Sozialamtes vor Ort, um die Registrierung möglichst rasch über die Bühne zu bringen. "Wir haben zuerst die Familien erfasst."


Halle in zwei Bereiche geteilt

Diesmal sei die Halle in zwei Bereiche geteilt worden, um wenigstens optisch Familien und Alleinstehende voneinander zu trennen. Für die Neuankömmlinge gab es Essen und Trinken vom Klinikum und sie wurden mit dem Notwendigsten versorgt. Das funktioniere reibungslos, weil es eine Menge Helfer gebe. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Roten Kreuzes und des THW leisteten eine hervorragende Arbeit, lobt der Zweite Bürgermeister. Die Hausmeister vor Ort seien von früh bis spät im Einsatz, Ehrenamtliche kümmerten sich um die Essenausgabe, und auch die Dolmetscher stellten ihre Dienste ehrenamtlich zur Verfügung, ergänzt Ordnungsamtsleiter Kai Holland. "Dafür sind wir sehr dankbar", sagt Nowak.

Das Engagement der Coburger sei ungebrochen. Die Hilfe ist vielfältig. Es sind Kleiderspenden eingegangen, die zu einem großen Teil im Sozialkaufhaus "Hartz & Herzlich" sortiert werden. Über die Facebook-Seite "Coburg hilft" wurden Hygieneartikel gesammelt. "Das läuft über "Axels Bikershop" in Dörfles-Esbach. Da wird Großartiges geleistet", sagt Kai Holland. Auf der Internetseite der Stadt gibt es den Bereich "Asyl in Coburg". Dort kann man seine Hilfe anbieten. Da geht es zum einen um Geld- und Sachspenden, aber auch um Unterstützung bei Arztbesuchen, um Kinderbetreuung, Deutschunterricht, handwerkliche Hilfe, Dolmetscherdienste und mehr. "Wir hatten täglich viele Anfragen", erzählt Sabine Doerenkamp-Steiner von der Kontaktstelle Ehrenamt. Jetzt könne man zu Hause schon mal nachschauen, was möglich ist. "Die Seite wird noch durch Wohnungsangebote ergänzt", kündigt Peter Schubert an. Denn die Notunterkunft in der BGS-Halle kann nur für kurze Zeit genutzt werden. Die seit Ende Juli untergebrachten 180 Flüchtlinge haben Coburg in der vergangenen Woche verlassen. Sie wurden oberfrankenweit untergebracht, 70 weitere nach ihrer Erfassung bundesweit verteilt. Ihnen mussten Fahrkarten besorgt und Fahrpläne erklärt werden.


65 Minderjährige

Eine besondere Herausforderung ist die Betreuung der unbegleiteten, minderjährigen Jugendlichen. Es handelt es sich dabei um Flüchtlinge im Alter von 14 bis 18 Jahren. Für sie ist das Jugendamt zuständig. "Inzwischen ist es so, dass auch schon Zehn- bis Dreizehnjährige allein ankommen.

Sie wurden meist auf der Flucht von ihren Familien getrennt und landen dann in den Notunterkünften", erläutert Jugendamtsleiter Reinhold Ehl. 65 Minderjährige werden momentan in Coburg in verschiedenen Unterkünften betreut. "Die traumatisierten Jugendlichen brauchen eine 24-Stunden-Betreuung durch Fachkräfte. Das heißt, wir bemühen uns, möglichst kleine Wohngruppen zu bilden. Der Jugendamtsleiter ist dankbar dafür, dass sich eine Reihe von Coburger Familien bereiterklärt hat, Jugendliche aufzunehmen. Aber das ist keine leichte Aufgabe. Deshalb hatte er diejenigen, die Hilfe angeboten haben, kürzlich zu einer Aufklärungsveranstaltung eingeladen. "Sie sollen vorbereitet sein auf das, was sie erwartet." Eine andere Möglichkeit seien Patenschaften, so Ehl. Weil die Jugendlichen länger in Coburg bleiben werden, sind Deutschkurse, Schulbesuch, Berufsvorbereitung und Ausbildung für sie von Bedeutung. "Das ist ein wesentlicher Beitrag zur Integration." Und weil angesichts der fast täglichen Meldungen über Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte auch die Sicherheit eine Rolle spielt, sind Polizei und Sicherheitsdienste in den Schutz der Asylsuchenden einbezogen. "Die Zusammenarbeit der Akteure ist sehr gut", stellt Kai Holland fest. Derzeit werde zudem die BGS-Halle winterfest gemacht. Das heißt, die Heizung muss überprüft werden, die Toilettenanlagen und das Zelt bei der Halle bekommen notfalls Zusatzheizungen.


Jeder kann helfen

Wer den Flüchtlingen helfen möchte, kann sich im Internet unter www.coburg.de informieren. Familien, die minderjährige Flüchtlinge aufnehmen wollen, wenden sich an Barbara Weiß vom Coburger Jugendamt, Telefon 09561/892514.

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