Coburg
Güterbahnhof

Arbeiten im schicken Glas-Überbau

Der Stadtrat will die alte Pakethalle und deren Kopfbau erhalten. Architekt Lutz Wallenstein stellte Entwürfe vor, wie die Sanierung nicht zu teuer würde.
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Die Büros werden auf einer freien Konstruktion über den Kopfbau der alten Pakethalle (hinter dem Glasbau verborgen) geschoben. Die Dachterrasse hat Panoramablick.Entwurf: Büro Archi Viva
Die Büros werden auf einer freien Konstruktion über den Kopfbau der alten Pakethalle (hinter dem Glasbau verborgen) geschoben. Die Dachterrasse hat Panoramablick.Entwurf: Büro Archi Viva
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Die alte Pakethalle am Güterbahnhof hat sich in nur wenigen Jahren als Veranstaltungsort etabliert. Allein in diesem Jahr zählte die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Wifög) der Stadt Coburg schon 6000 Besucher. Doch bei allem Charme, den der über 100 Jahre alte Industriebau zu bieten hat, er hat auch große Schwächen. Die Kälte in den ungedämmten Mauern zum Beispiel und das nur notdürftig geflickte Dach machen eine Nutzung in den Wintermonaten praktisch unmöglich.
"Wenn wir die Halle nutzen wollen, müssen wir für jede Veranstaltung einen ziemlichen Aufwand treiben", fasste Wifög-Geschäftsführer Stephan Horn am Donnerstag im Stadtrat zusammen. Das müsse sich dringend ändern, wenn - wie SPD-Stadträtin Petra Schneider in einem Antrag forderte - die Pakethalle samt ihrem Umgriff erhalten und als Eventlocation betrieben werden soll. Allerdings müsse die Lösung möglichst kostengünstig sein und der Charakter der Halle solle erhalten bleiben.


Mieter orientiert sich anders

Dann wäre da noch der sogenannte Kopfbau, der unmittelbar an die Pakethalle angrenzt. Die ursprüngliche Idee, ihn abzureißen und durch Container zu ersetzen, ist inzwischen hinfällig. Der vorgesehene Hauptmieter, die Zukunft.Coburg.Digital GmbH, orientiert sich in Verbindung mit der Initiative "Innovative Hochschule" nun eher in Richtung Schlachthofgelände. "Das hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht", so Stephan Horn.
Andererseits braucht die Designwerkstatt Coburg, die vom Hofbrauhaus aufs Güterbahnhofsareal verlagert werden soll, Flächen und ebenso das Coburger Designforum Oberfranken. Für letzteres bietet sich der Kopfbau der Pakethalle an. Dort ließen sich wunderbar Lagerflächen, Toiletten, Technikräume und Werkstätten unterbringen, wie Architekt Lutz Wallenstein vom Büro Archi Viva ausführte. "Den Kopfbau können wir nicht so umgestalten, dass attraktive Büros entstehen", er lasse sich aber mit minimalen Mitteln als Erschließungsbereich für die Veranstaltungshalle ertüchtigen.
Weil noch nicht sicher ist, was einmal mit dem Kopfbau geschehen soll, will Wallenstein eine unabhängige Konstruktion aus Stahl und Glas über den Kopfbau "stülpen". Der Clou: eine Dachterrasse mit Gastronomie, die etwa für Firmenevents und Produktpräsentationen genutzt werden kann - Panoramablick mit Veste, Morizkirche und Ketschentor inklusive. Bei den Stadträten kam dieser Entwurf offenbar gut an - sie spendeten spontan Applaus.


Charakter erhalten

2,2 Millionen Euro würde der reine Bau der flexiblen Büros mit rund 770 Quadratmetern Nutzfläche kosten. Für die Ertüchtigung des Kopfbaus mit Foyer, WC und Nebenräumen veranschlagt der Architekt 500 000 Euro. Weitere 1,2 Millionen Euro rechnet Wallenstein für den Umbau der alten Pakethalle zur Veranstaltungshalle (siehe auch Bericht auf Seite 11).
Auch dort strebt Wallenstein eine Minimallösung an, denn "so ein Industriedenkmal zu erhalten und energetisch auf den neusten Stand zu bringen, würde das Vier- bis Fünffache kosten". Zudem würde eine Gebäudehülle, die mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) konform geht, den Charakter der Halle zerstören, so Wallenstein.
Die schlechte Beheizbarkeit der Pakethalle ist aber auch ihr großes Manko. Besserung verspricht sich der Architekt durch den Einbau von Heizstrahlplatten. "Die wirken wie ein Kachelofen oder wie die Sonne. Man erzeugt keine warme Luft, sondern die Strahlungswärme trifft auf einen Körper oder den Fußboden, und erwärmt diesen", erläuterte Wallenstein. "Wenn die Halle also komplett ausgekühlt ist, muss man die Heizung nur rechtzeitig anschalten, dann wird es warm."


Mit Tricks länger nutzen

Mit einem kleinen Trick ließen sich auch die EnEV-Bestimmungen umgehen. Danach darf man pro Jahr vier Monate heizen, ohne gleich nach EnEV bauen zu müssen. Diese vier Monate könne man leicht auf die Wochenenden aufteilen und im Sommer müsse man nicht heizen, rechnete Wallenstein vor. Auf diese Weise könne man die Pakethalle ganzjährig nutzen.
Stadträtin Petra Schneider, die den Antrag namens der SPD-Fraktion gestellt hatte, zeigte sich zufrieden mit den Entwürfen. "Uns ging es darum, ein paar konkrete Dinge zu beschließen", sagte sie. "Es hieß immer, die Pakethalle ist der Anziehungspunkt, aber wir haben bisher keine konkreten Äußerungen gehört, dass sie wirklich erhalten werden soll."
Der entsprechende Beschluss erfolgte gegen die Stimme von CSB-Stadtrat Hans Weberpals.
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