Coburg
Verfahren

Anwalt zweifelt Glaubwürdigkeit der Nebenklägerin an

Zwei Patientinnen soll ein Coburger Arzt missbraucht haben. Sein Anwalt verlangt nun ein Gutachten über eine der beiden Frauen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Symbolbild: Syda Productions/Fotolia
Symbolbild: Syda Productions/Fotolia

Richter sind keine Ärzte. Das klang mehrmals durch, als Verteidiger Johann Schwenn am Donnerstag vor der Großen Strafkammer den Antrag stellte, eine der beiden Nebenklägerinnen auf ihre Glaubwürdigkeit hin begutachten zu lassen. Die Frau soll von einem Coburger Arzt sexuell missbraucht worden sein, der dafür das Arzt-Patientinnen-Verhältnis ausnutze. So steht es in der Anklageschrift. Insgesamt soll sich der Arzt wegen sexueller Beziehungen zu zwei Patientinnen und wegen Abrechnungsbetrugs verantworten; die beiden Anklagen sind in ein Verfahren zusammengefasst.

Das Verfahren zieht sich nun schon einige Wochen hin; zum Thema sexueller Missbrauch wurde die Öffentlichkeit bislang weitgehend ausgeschlossen. In der Anklageschrift ist davon die Rede, dass die eine der beiden Frauen von dem Arzt von November 2015 bis Mai 2016 wegen einer "mittelgradigen Episode einer rezidivierenden depressiven Störung" von ihrem Hausarzt psychotherapeutisch behandelt wurde. Der Arzt habe das Vertrauensverhältnis ausgenutzt, um eine sexuelle Beziehung mit ihr einzugehen.

"Gut im Manipulieren"

Die Feststellung, dass die Frau damals an depressiven Störungen gelitten habe, stütze sich auf ein retrospektives Gutachten, kritisierte Schwenn: Die Frau sei im Nachhinein, nämlich ein Jahr später, von einem Sachverständigen befragt worden, wie es ihr in der fraglichen Zeit gegangen sei. Die Frau habe unter anderem ausgesagt, dass sie sich in Psychotherapie befinde und die Frage, ob sie gegen ihren früheren Hausarzt klagen solle, mit der Therapeutin besprochen habe. Sie habe sich über ihre Motive und ihre Belastbarkeit klarwerden wollen, so stehe es in den Akten. Aber, sagte Schwenn: Wenn ein Dritter zu Rate gezogen werde, könne das Aussagen verfälschen.

Die Nebenklägerin sei selbst Psychologin und in der Lage, anderen Symptome psychischer Beeinträchtigungen vorzuspiegeln, sagte Schwenn. Überdies habe die Frau in einer E-Mail an den Angeklagten behauptet, "gut im Manipulieren" zu sein. Sie habe in dieser Nachricht sogar eine Szene mit ihrem Therapeuten geschildert, dem zuliebe sie "ein bisschen geheult" habe, zitierte Schwenn aus den Prozessakten. Der E-Mail- und Handynachrichtenverkehr der beiden Nebenklägerinnen mit dem Angeklagten wurde sichergestellt und in den Akten erfasst.

Über den Antrag, die Glaubwürdigkeit der Zeugin und Nebenklägerin überprüfen zu lassen, muss die Kammer nun entscheiden. Schwenns Argument: Dem Gericht fehle in diesem Fall die Sachkunde; er sehe Anzeichen, dass die Frau sich gezielt auf ihre Aussage und Begutachtung vorbereitet habe.

Staatsanwalt Dippold sagte dazu, er wolle die Zeugin und Nebenklägerin erst hören, bevor über den Antrag auf ein Glaubwürdigkeitsgutachten entschieden werde.

Der Prozess wird am Donnerstag, 6. Dezember, 9 Uhr, fortgesetzt.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren