Weitramsdorf
Baukunst

Andacht in der Ruhe des Waldes bei Weitramsdorf

Aus viel Holz und in besonderer Architektur entstand auf dem Geländes des Ruhewaldes Schloss Tambach ein Andachtsraum.
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Friederike Reuß steht an der schweren Eingangstür des neuen Andachtsraumes im Ruhewald Schloss Tambach. Foto: Rainer Lutz
Friederike Reuß steht an der schweren Eingangstür des neuen Andachtsraumes im Ruhewald Schloss Tambach. Foto: Rainer Lutz

Schon in der Bauphase kamen immer wieder Zaungäste, um zu sehen, was da im Wald nahe Weitramsdorf entsteht. Jetzt ist der Andachtsraum für den Ruhewald von Schloss Tambach so gut wie fertig. Mitte September soll er eingeweiht werden. Die Zahl der Interessierten ist aber nicht kleiner geworden. "Es kommen wirklich täglich Leute, um zu schauen", versichert Friederike Reuß, die den Ruhewald betreut.

Kaum hat sie es ausgesprochen, kommt ein älteres Ehepaar und wirft einen Blick auf die schon recht augenfällige Bogenkonstruktion, die jetzt mit ihrer Verkleidung aus frisch gesetzten Holzschindeln regelrecht durch die Bäume leuchtet. "Es sind 15 000 Schindeln und jede einzelne ist von Hand geschlagen", sagt Friederike Reuß. Es ist eine beeindruckende Zahl, denn jede dieser Platten aus Lärchenholz muss auch einzeln am Gebäude angebracht werden. Und jede ist ein wenig anders geformt.

"Trotzdem waren die Handwerker mit regelrechter Hingabe dabei", sagt Friederike Reuß. Das gelte für alle Gewerke und besonders für den Architekten Gerhard Sacher. "Er war in allen entscheidenden Phasen auf der Baustelle dabei und zwar morgens als Erster und abends als Letzter", betont sie und nennt es "einen Segen", dass Heinrich Graf zu Ortenburg als Bauherr, den österreichischen Baumeister gefunden hat. Durch eine Kapelle, die Sacher in Kärnten gebaut hatte, war er auf ihn aufmerksam geworden.

Inpirtio usdrion

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Sacher kam in die Region, ließ sich den Bauort zeigen und von Sakralbauten in Franken inspirieren - genauer gesagt vom Fürstentor des Bamberger Doms. Schließlich kam der Entwurf aufs Papier. Hinter der Konstruktion aus sieben Bögen aus Leimbindern steckt mehr, als sich dem Betrachter auf den ersten Blick offenbart.

"Die Maße richten sich nach dem so genannten Goldenen Schnitt, nach dem das Verhältnis des Ganzen zu seinem größeren Teil dem Verhältnis des größeren zum kleineren Teil entspricht", erklärt Gerhard Sacher. Der höchste Bogen ist 7,75 Meter hoch. Das entspricht auch der Länge des Bodens. Auf dieser Strecke verjüngen sich die Bögen. Weil die Höhe zur Spitze dabei abnimmt, die Spannweite am Boden aber immer gleich bleibt, hat jeder der Bögen einen anderen Radius. "Wenn man es genau betrachtet, hat jeder Zentimeter des Bogens einen anderen Radius als der nächste", erklärt Gerhard Sacher die Herausforderung für die Planung des Gebäudes.

Die hohe Seite des Andachtsraumes öffnet sich zum Wald hin. Der Eingang befindet sich gegenüber an der niedrigen Seite. Beim Betreten des Raumes wird so betont, dass sich das Gebäude zum Wald und zum Licht hin weitet. Fällt Licht ein, wandert der erhellte Bereich, der die Form des Bogens auf den Boden wirft, mit der Bewegung der Sonne durch den Raum. Die Form der Bögen soll dabei das christliche Symbol des Fisches darstellen. Auch die Zahl sieben ist natürlich nicht versehentlich gewählt. Sie hat vielfache Bedeutung in der Religion und darüber hinaus.

Begeisterte Handwerker

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Ralf Lindenlaub und die Mitarbeiter seines Zimmererbetriebes errichten nicht alle Tage ein Gebäude wie dieses. "Auch ihnen hat man angemerkt, dass sie an diesem Projekt besondere Freude hatten", sagt Friederike Reuß und öffnet die schwere mit Kupfer beschlagene Eingangstür. Jeder Flügel wiegt um die zwei Zentner, erklärt sie und stupst einen davon mit zwei Fingern an, worauf er sich langsam schließt. "So genau ist er moniert", sagt sie und die Begeisterung für das Gebäude ist ihr anzumerken. "Wir haben vorher mit vielen Firmen Kontakt aufgenommen und verschiedene Pläne gesehen. Aber als der Entwurf von Herrn Sacher kam, waren alle sofort begeistert", beschreibt sie den Entscheidungsprozess.

Heinrich Graf zu Ortenburg sagte zu Beginn des Baus: "Als ich die Kosten hörte, blieb mir schon kurz die Spucke weg." Trotzdem konnte auch er sich schließlich der Wirkung des Gebäudes nicht entziehen und stimmte den Plänen für das Bauwerk zu.

Der größte der Bögen spiegelt sich inzwischen in den Steinen vor dem Gebäude, die in seiner Form gelegt wurden. Der gesamte Vorplatz ist so angelegt, dass bei größeren Trauergesellschaften auch vor dem Gebäude Trauergäste der Andacht beiwohnen können. "Die Türen werden dann natürlich offen gehalten", sagt Friederike Reuß. Bei schlechtem Wetter oder wenn Trauernde ein Gefühl der Geborgenheit suchen, werden sie geschlossen. Dann öffnet sich der Raum nur noch über die Glasfron am größten Bogen in Richtung Wald.

Gewollte Patina

Die Schindeln aus Lärchenholz werden sich mit den Jahren grau färben. Das Kupfer der Tür wird Patina ansetzen. Doch damit wird sich das Gebäude nur noch besser in den Ruhewald einfügen, ist Friederike Reuß überzeugt.

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