Coburg
Tambacher Sommer

An die 10 000 Besucher in Tambach

Mit Angelo Kellys einnehmender Familie ging das in diesem Jahr sehr begünstigte Schlosshof-Festival zu Ende.
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Die Kelly Family von Angelo beim Tambacher Sommer. Carolin Herrmann
Die Kelly Family von Angelo beim Tambacher Sommer. Carolin Herrmann
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Der Tambacher Sommer 2018 zog die Massen intensiver denn je. Im 17. Jahr des Bestehens kamen nach Angaben des Veranstalters wohl an die 10 000 Besucher zu den sechs Veranstaltungen im Schlosshof. Der lag heuer in südlichem Flair wie nie zuvor und wetterseitig so gut wie ungestört. Für Organisator Wolfgang Friedrich hat sich die Konzentration von früher drei auf heuer zwei Wochenenden bewährt. So will er es auch in Zukunft halten. Und sich und uns - vielleicht - mal wieder etwas Anderes, "etwas Besonderes" gönnen, wie in den Anfangsjahren. Dass er sich mittlerweile, wie alle Open Air-Organisatoren rundum, diejenigen Künstler holt, die massenmäßig den größten Zuspruch versprechen - so läuft das Geschäft.
Mit Gregor Meyle und der Angelo Kelly Family ging der Tambacher Sommer 2018 nun wohlig zu Ende. Bei Angelo Kelly hätten tatsächlich noch ein paar mehr Zuhörer in den Schlosshof gepasst. Doch dass die ursprüngliche Kelly Family nächste Woche, am 17. August auf den Coburger Schlossplatz auftritt, hatte Auswirkungen auf dieses Konzert.
Kelly Family, egal in welcher Variante, bedeutet Sehnsucht und sofort erhältlichen Trost in schönen Melodien und Rückbindung an das Ursprüngliche. Die vielen singenden und musizierenden Kinder des US-amerikanischen Lehrers Dan Jerome Kelly, Nachfahre irischer Einwanderer, verzaubern seit den 80er Jahren, zunächst als pure Straßenband, dann in den Charts gold- und platinveredelt. Zusammenhalt über alle Widrigkeiten hinweg, Liebe, Familie eben, scheint auch die Kelly Family 2.0 auf der Bühne zu leben. Angelo Kelly, einst selbst der mit dem Superhit "An Angel" zu Tränen rührende Bühnenengel, arrangiert jetzt seine aus Rostock stammende Frau Kira und die fünf Kinder mit Irish Folk und eingängigem eigenen Pop um sich.
Das wirkte beim Konzert in Tambach nicht spektakulär, aber fröhlich wohltuend. Das eher biedere Auftreten gehört zum Konzept von irischer Ursprünglichkeit, von der tiefen Bindung im irischen Folk. "Can You Here My Irish Heart" lautet auch der Titelsong der aktuellen CD. Vor fünf Jahren ist die eigentlich ziemlich deutsch geprägte Familie endgültig nach Irland ausgewandert.


Jeder darf mal singen

Und so zieht Angelo Kelly, Bühnenprofi mit vielseitig-ausdrucksstarker Stimme, seine Kinder je nach Alter und Vermögen in die Show, stützt sie liebevoll in ihren mehr oder weniger großen Soloeinlagen; zumindest wirkt das ganze entspannt und liebevoll.
Nach großer Begabung klingt eigentlich keines der Kinder, weder der 17-jährige Gabriel, noch die rührende elfjährige Emma. Doch alles in allem scheint der eindreiviertelstündige, konzentrierte Auftritt durchaus authentisch, zwischen "Oh Danny Boy" und eingängigem Softrock aus Angelo Kellys Feder. Rührendes im Du ett, Step-Einlagen von Emma und Helen, und auch der kleine Justin kommt schon zum Zug. Der Allerkleinste auf dem Arm der Mutter, mit großen Kopfhörern geschützt, wird bald wieder von der Bühne gereicht.
Kira singt ihre selbst komponierten Lieder der Liebe. Die 15-jährige Helen macht mit angenehm dunkler Stimme erste, vielleicht tatsächlich einiges versprechende Schritte auf der bewährten Kelly-Straße mit ihrem Song "Fly Away". Die begleitenden Musiker mit Geige und Flöte sorgen für irisches Flair. Ein Abend voller Wohligkeit, einkuschelndem Sound, wenn es nicht gerade munter irisch tanzend geht: Entspannen, genießen: Kelly Family eben.

Angelo Kelly, 1981 als zwölftes Kind des US-amerikanischen Lehrers Daniel Kelly und als achtes Kind der US-amerikanischen Tänzerin Barbara Ann in Pamplona geboren, reiste nach dem Tod der Mutter mit seiner Familie als Straßenmusiker durch Europa und die USA und bestritt mit zunehmendem Alter mehrere Konzerte täglich. Ab Mitte der 1990er Jahre gehörte The Kelly Family mit mehr als 20 Millionen verkauften Tonträgern zu den kommerziell erfolgreichsten Interpreten in Europa. Mit dem von Angelo komponierten Song "I Can't Help Myself" erzielte die Kelly Family ihren ersten Nummer-1-Hit in Deutschland. Mit ihrem Album "Over the Hump" und der daraus ausgekoppelten Single "An Angel" gelang 1994 der kommerzielle Durchbruch. Von da an polarisierte die Kelly Family die Öffentlichkeit. Der damals 12-jährige Angelo und sein 16-jähriger Bruder Paddy stiegen zu Teeniestars auf. 2006 publizierte Angelo Kelly sein Solodebüt "I'm Ready".


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