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Coburg
Corona-Krise

Als Coburgerin gefangen auf der "Geisterinsel"

Wie es der Coburgerin Luisa Gahn zwischen Ausgangssperre und Sehnsucht nach der Familie in ihrer Wahl-Heimat Mallorca ergeht.
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Luisa Gahn auf ihrem Balkon in Palma de Mallorca, wo sie seit knapp zwei Jahren lebt. Foto: privat
Luisa Gahn auf ihrem Balkon in Palma de Mallorca, wo sie seit knapp zwei Jahren lebt. Foto: privat

"Ich werde hier noch zur Super-Hausfrau", sagt Luisa Gahn und lacht. Die Coburgerin, die seit knapp zwei Jahren auf Mallorca lebt und arbeitet, klingt entspannt, als wir sie am Telefon erreichen. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Luisa Gahn ist Physiotherapeutin und in Zeiten von Corona, wo Mindestabstände von eineinhalb Metern eingehalten werden müssen, ist die Ausübung ihres Berufes einfach unmöglich.

Kontakt per Telefon und Internet

"Ich bin selbstständig und kann nicht arbeiten", sagt die 26-Jährige. Aktuell kämpfe sie darum, wenigstens 650 Euro Arbeitslosengeld vom spanischen Staat zu bekommen, 160 Euro müsse sie dennoch selber zahlen. Wann und ob sie überhaupt wieder arbeiten kann, weiß Luisa Gahn nicht. Sie habe durchaus Existenzängste, wie sie zugibt. "Und auch Verlustängste, denn ich bin hier auf der Insel gemeldet und darf derzeit nicht zu meiner Familie nach Deutschland reisen." Dabei wäre sie gerade jetzt gerne bei ihrer Familie. "Papa ruft acht Mal am Tag an, die Mama drei Mal", erzählt sie schmunzelnd. Mit ihrer Oma und ihrem Opa hält sie Kontakt über Facetime. Da könne man auch mal virtuell mit einem Glas Wein anstoßen oder sich gegenseitig Rezepte schicken. Das sei das Schöne an der derzeitigen Situation: "Man hat viel mehr Kontakt zur Familie und zu Freunden, denn man hat plötzlich viel Zeit."

Bis vor gut zwei Wochen war die Welt für Luisa Gahn und die Mallorquiner noch in Ordnung. "Wir dachten immer, auf der Insel sind wir sicher", beschreibt die Coburgerin die damalige Stimmung. Die Spanier seien entspannt gewesen, nach dem Motto: "Das kommt nicht zu uns, und wenn, haben wir es im Griff." Zu diesem Zeitpunkt sagten Luisa Gahns Eltern in Deutschland allerdings schon eine heftige Krise voraus.

Leere Regale im Supermarkt

Vor zwei Wochen abends beim Sport dann der Schock: Ihr Trainer kündigte an, dass ab dem folgenden Tag geschlossen sei. Ministerpräsident Pedro Sanchez hatte eine Ausgangssperre verhängt "und wir haben kapiert, jetzt wird's richtig schlimm", erinnert sich Luisa Gahn.

Der Einkauf von Lebensmitteln blieb natürlich erlaubt. Doch schon am darauffolgenden Montagmorgen im Supermarkt nahe ihrer Wohnung in Santa Catalina stand die 26-Jährige vor leeren Regalen. Die sonst so "gechillten" Spanier hätten sich fast niedergetreten, beschreibt Luisa Gahn. Ausverkauft sei - nein, nicht Klopapier - vor allem Bier und Wein. Vor den Supermärkten bildeten sich wegen des vorgeschriebenen Sicherheitsabstands mehrere Hundert Meter lange Schlangen.

Für die Coburgerin gleicht Mallorca, vor allem in der Hauptstadt Palma, derzeit einer "Geisterinsel". Die Menschen tragen Gesichtsmasken. Autofahren darf man nur alleine und mit Handschuhen und Mundschutz. Autos seien aber ohnehin kaum noch auf den Straßen. "Nur die Polizei ist unterwegs und kontrolliert. Die Armee wurde vom Festland eingeflogen, nun laufen sie mit Waffen und Maschinengewehr herum", beschreibt Luisa Gahn. Von ihrem Balkon aus hatte sie kürzlich einen kleinen Jungen beobachtet, der mit seinem Hund kurz nach draußen wollte. "Die Polizei hat ihn sofort wieder ins Haus gesteckt."

Wenn sie von ihren Eltern höre, wie die Situation aktuell in Deutschland sei, werde sie sauer, sagt die 26-Jährige. Dass die Menschen in Deutschland immer noch zur Arbeit gingen, dass ihre Freundinnen teilweise sogar an der Isar joggten, könne sie nicht verstehen. "Wir sind hier echt eingesperrt und dürfen nicht raus. Ich glaube, die Maßnahmen hier sind besser als in Deutschland."

Ihre Wohnung in Palma hat sie inzwischen verlassen und bleibt vorübergehend in Cala Rajada bei ihrem Freund. Der wollte eigentlich Ende April ein Restaurant eröffnen. Niemand weiß, ob es dabei bleibt. Aber er nutze die Zeit, um die Räume zu streichen und alles Mögliche zu organisieren, während sie sich um den Haushalt kümmere, berichtet Luisa Gahn.

Workout im Internet

In Cala Rajada fühle sie sich gerade einfach wohler und sicherer. Normalerweise ist der Ort im Nordosten der Insel ein echter Touristenort. "Im Moment ist hier aber, wie man so schön auf Fränkisch sagt, die Katz gebleut. Hier fährt die Polizei nicht rum, es ist nicht so unheimlich und gruselig wie in Palma, sondern viel entspannter."

Um als Yoga- und Pilatestrainerin nicht einzurosten und auch anderen Bewegung zu verschaffen, lade sie von zuhause aus Übungen ins Internet hoch. "Man lenkt sich irgendwie ab. Ich wasche, putze, freue mich, wenn ich was kochen kann. Abspülen liebe ich. Einmal am Tag zum Supermarkt fahren, das ist mein Highlight", beschreibt sie ihren Tagesablauf.

Ihr Tipp: "Man muss das mit Humor nehmen und das Positive aus der Sache ziehen." Normalerweise arbeite sie von acht bis acht, dann noch Sport, "da kommt vieles zu kurz, der Haushalt, die Freundinnen, der Freund". Dass man jetzt auch mal den Tag miteinander verbringen könne, sei nett. Solche Dinge könne man in der aktuellen Situation viel besser wertschätzen, sagt die 26-Jährige. Sie hoffe, dass es auch nach dem Ende der Krise dabei bleibt.

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