Coburg
Kaufhof

Allerheiligen 1973: In Coburg eröffnet der Kaufhof

Konkurrenz belebt das Geschäft. Zumindest in Coburg vor 40 Jahren: Am Allerheiligentag 1973 (damals noch kein Feiertag) eröffnete nach einjähriger Bauzeit der Kaufhof, und in der Stadt herrschte Ausnahmezustand.
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Alles unter einem Dach: Damit das Tageblatt diese Botschaft 1973 unters Volk bringen konnte, stellte die Presseabteilung von Kaufhof dieses Foto zur Verfügung. Etliche Sortimente sind indessen längst verschwunden, zuletzt 2011 die Elektro-Abteilung.CT-Archiv
Alles unter einem Dach: Damit das Tageblatt diese Botschaft 1973 unters Volk bringen konnte, stellte die Presseabteilung von Kaufhof dieses Foto zur Verfügung. Etliche Sortimente sind indessen längst verschwunden, zuletzt 2011 die Elektro-Abteilung.CT-Archiv
Das Ereignis wurde regelrecht inszeniert: Am Abend vor der Eröffnung wurden erstmals die Schaufenster enthüllt. Kaufhof warb in mehrseitigen Anzeigen mit Sonderangeboten. Jedes Detail, das von einer bis dahin in Coburg nicht gekannten Modernität zeugte, wurde ausgiebig besprochen: Im neuen Kaufhaus gibt's ein Restaurant - und ein Kreditbüro! Und einen Fernsprecher! Der Computer bestätigt innerhalb von 40 Sekunden die gebuchte Reise!

Die Konkurrenz blieb nicht untätig. Große Anzeigen der alteingesessenen Textilhändler deuten darauf hin, dass sie gewillt waren, die Herausforderung Kaufhof anzunehmen. Im Süden der Stadt eröffnete die Möbelhandlung Stammberger ein neues Haus - architektonisch mindestens so eigenwillig wie der Kaufhof, aber nicht in so innenstadtnaher Lage. Für den Kaufhof hatten die frühere Tageblatt-Druckerei und die Hofbräusäle weichen müssen. Das neue Gebäude an der Ecke Mohren-/Hindenburgstraße war von Anfang an umstritten; als die Gerüste weggeräumt wurden und die olivgrüne Fassade zum Vorschein kam, widmete das Tageblatt dem neuen Gebäude eine halbseitige Umfrage. Überhaupt waren damals Städtebau-Themen schwer in der Diskussion: Es gab Ärger wegen der früheren Spindler-Villa, die zehn Jahre im Eigentum der Stadt vor sich hingammeln musste, um dann im Handstreich abgerissen zu werden. Pläne für ein Ämtergebäude im Bereich des Kirchhofs schreckten auf, die Gemeinschaft "Stadtbild Coburg" wollte wissen, wie denn die Detailpläne für das neue "Kaufhaus Mohren" aussehen, Vorträge und Zeitungsbeiträge befassten sich mit dem neugotischen Gürtel rund um die Altstadt und Coburgs Jugendstilbauten.

Kein Wunder, dass in diesem Jahr sowohl die Gemeinschaft "Stadtbild Coburg" als auch der Kaufhof in Coburg 40-Jähriges feiern. Verkehrsstaus und massenweise Falschparker wird es anlässlich des Jubiläums nicht mehr geben. Dass die Polizei ungeachtet des Ausnahmezustands reihenweise Knöllchen verteilte, wurde ihr von den damaligen Redakteuren des Tageblatts äußerst übel genommen. Das Argument: Coburg in seiner Grenzlandlage sei schließlich auf die Besucher angewiesen. Und wo hätten die Auswärtigen den parken sollen, wenn die Einheimischen schon auf all den zusätzlich ausgewiesenen Plätzen stehen, wie zum Beispiel am Schlossplatz? Wohlgemerkt: Die Fußgängerzone in der Spitalgasse war damals noch Zukunftsmusik, weil just diese Straße noch als B4 ausgewiesen war, auch wenn der Schwerverkehr längst über den Neuen Weg oder die Goethestraße rollte. Über den Abriss des Alexandrinenbads wurde zu dieser Zeit noch diskutiert, das Parkhaus Mauer gab es nur in der Planung und vom Parkhaus Post war noch nicht einmal die Rede.
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