Seßlach

Alle sind schon in Hochform

Volles Haus und tolle Stimmung herrschte beim 79. Bunten Abend in Seßlach. Selbst ohne Worte rissen Akteure das Publikum von den Sitzen.
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Die Krümelgarde wusste tänzerisch zu entzücken.  Foto: Bettina Knauth
Die Krümelgarde wusste tänzerisch zu entzücken. Foto: Bettina Knauth
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"Wir machen Stimmung wie Sau und singen ,Seßlach, helau‘!" - "Einheizer" Markus Brehm und Michael Beetz sollten am Freitagabend Recht behalten. Das Stimmungsbarometer schlug weit aus beim ersten Bunten Abend des Seßlacher Faschingsvereins in dieser Session. Kein Wunder, zeigten sich die bewährten Akteure bei der Premiere im vollbesetzten Sportheim des DJK/FC Seßlach bereits in Hochform.

Gleiches galt für die neuen Prinzenpaare: Kess erklärte Kinderprinzessin Pauline Beetz zu Beginn ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zum Präsidenten und Moderator Jens-Peter Scholz: "Der kleine Dicke mit dem komischen Dialekt geht abends mit meiner Oma ins Bett!" Den Rathausschlüssel rückten Pauline und ihr Prinz Jonas Vogt erst nach einem Tanz von Alexander I. und seiner Lieblichkeit Laura I. heraus. Nicht nur damit bewiesen die diesjährigen Aushängeschilder, dass sie nicht aus Pappe sind und keine brasilianische Nachhilfe in Sachen Fasching nötig haben: Laura verstärkte später die Prinzengarde und Alexander schlug als Stammmitglied der "Fränkischen Bauerninfantrie" flotte Töne an.

Als Erster in die Bütt traute sich erneut der Nachwuchs: Nele Müller nahm sich bei ihrem fünften Auftritt das vermeintlich starke Geschlecht vor: "Warum sind die Jungs so wehleidig?" fragte sie. Mit grippalem Infekt wähnten sie sich gleich im Sterben und wenn sie die Kinder bekommen müssten, lägen sie bestimmt neun Monate stationär, lästerte die 16-jährige Hattersdorferin. Verstärkung hat Tanzmariechen Mia Thein bekommen: Sie trat erstmals gemeinsam mit ihrer potenziellen Nachfolgerin Samira Bobrich auf. Bei Markus Brehm drehte sich wie immer alles um die Wurst. "Denn ich bin Metzgermeister, was für'n geiler Typ, und ich hab mein Handwerk so furchtbar lieb", sang der Dietersdorfer. Zu seinem Halleluja "Meine Bratwurst" betrat wie im Vorjahr erneut der entzückende Background-Chor aus Krümel- und Kindergarde die Bühne. Zuvor wussten beide Garden auch tänzerisch zu entzücken. Das galt erst recht für die Jugend- und Prinzengarden, die Schickendales ("Dick und Doof") und die Showtanzgruppe Kustibas. Als Gäste glänzten die Flying Feet (Dietersdorf, "Das bisschen Haushalt"), die Showtanzgarde Heubach (Gardetanz) und die Prinzengarde Maroldsweisach (Feiern im Mallorca-Style). Sie alle zeigten schön einstudierte und choreographierte Darbietungen.

Belastungstest für Scholz

Zum Höhepunkt des ersten Abschnitts geriet der pantomimische Kino-Sketch von Kerstin Thein, Lea Schmaus, Marcel Eckstein, Bernd Rathgeber, Carina Schäfer, Christian Finzel und Maximilian Neeb. Wie sie mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik ihren Widerwillen zum Ausdruck brachten, die Liebesbezeugungen Finzels an seine Liebste am anderen Ende der Reihe weiterzugeben, strapazierte die Lachmuskeln der Zuschauer aufs Äußerste. Wie wandlungsfähig gerade Thein ist, bewies sie später, als sie - mit Perücke und Fatsuit ausgestattet - den Präsidenten Scholz einem Belastungstest unterzog.

Das Lästern blieb zwei Monate vor der Kommunalwahl Helmut Neudecker gemeinsam mit Lisa Geuther in der Bütt sowie als Frontmann der "Fränkischen Bauerninfantrie" (mit Bert Geyer, Florian Ruppert, Prinz Alexander Leffer, Michael Beetz und Markus Brehm) vorbehalten. Ob Grüne oder Veganer, Bewohner der Oberpfalz, Haßberge oder des Frankenwalds, Populismus oder political correctness, (Ex-)Bürgermeister oder Stadträte: Nichts und niemand war vor der spitzen Feder Neudeckers gefeit. Versöhnlich klang das Schlusslied der "Rebellen des Südens", das es zum Ohrwurm bringen könnte: "Von Glemmertshausen bis nach Krumbach, drüben von Elldörf bis Bischwind, wir alle lieben unsere Heimat, weil wir doch alle Sasslicher sind."

Teils frivoles Treiben

Den Schlusspunkt unter das unterhaltsame närrische Spektakel setzten wieder die "Seßlacher Mauerschwälbchen". Das Männerballett machte auf seiner "Wildwest-Tour 2020" Station im "Apachen Pub". Als "Sheriff" versuchte Bürgermeister Maximilian Neeb dem ungesetzlichen und teilweise frivolen Treiben seiner Mittänzer (Sascha Bachmann, Thomas Büchner, Benedikt Herold, Stephan Leicht, Andreas Rößner und Marc Schmidt) ein Ende zu bereiten. Vergeblich, aber sehr zum Vergnügen des Publikums, das zum Zünden neuer "Raketen" nicht erst aufgefordert werden musste. Als Dank gab es noch eine Zugabe, zu der Zuschauer auf die Bühne geholt wurden.

Ein Till und zwei Verdienstorden

Gernot Schöpf vom Faschingsverband Franken (FVF) kam am Freitag erneut nach Seßlach, um drei besonders verdiente Akteure des Gastgebers auszuzeichnen: Wolfgang Brasch und Marcel Eckstein erhielten den Verdienstorden. Als Tänzer und Büttenredner gehörte Ehrenrat Brasch jahrelang zu den beliebten Akteuren auch auf der Bühne, während sich Eckstein vor allem um die Organisation des Seßlacher Faschingsumzugs kümmert (dieses Jahr am 25. Februar). Zu 100 Prozent verlassen kann sich der Verein seit 46 Jahren auf Ecksteins Vorgänger Rudolf Günther: "Rudi" war nicht nur für den Umzug verantwortlich, sondern sorgte jahrelang als "Mann an der Tür" dafür, dass alle Akteure rechtzeitig auf die Bühne kamen. Zum Dank ehrte Schöpf den Ehrenrat mit dem Till von Franken in Silber.

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