Coburg
Kurios

Albanischer Hacker-Angriff auf ein E-Bike in Coburg

Beim Wettbewerb "Bike to work" ist es zu Manipulationen gekommen. Die Spur führt zu Klick-Farms in Asien und Albanien.
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Ein heiß begehrtes Objekt: Dieses E-Bike war der Hauptpreis bei einem Wettbewerb, der nun aufgrund von Internet-Manipulationen ad absurdum geführt wurde. Tragische Pointe: Der rechtmäßige Sieger verpasste am Montagabend die Siegerehrung. Nun verbleibt das E-Bike beim Sponsor.Oliver Schmidt
Ein heiß begehrtes Objekt: Dieses E-Bike war der Hauptpreis bei einem Wettbewerb, der nun aufgrund von Internet-Manipulationen ad absurdum geführt wurde. Tragische Pointe: Der rechtmäßige Sieger verpasste am Montagabend die Siegerehrung. Nun verbleibt das E-Bike beim Sponsor.Oliver Schmidt
Knapp 50 Teilnehmer gab es in diesem Jahr am Wettbewerb "Bike to work". Ein Sieger konnte am Montagabend am Rande des Schlossplatzfests allerdings nicht gekürt werden: Der Hauptpreis, ein schickes E-Bike, wartete an der Ehrenburg vergeblich auf seinen neuen Besitzer, der - obwohl benachrichtigt - einfach nicht kam. Das war zwar ärgerlich, aber letztlich auch nur noch eine kuriose Randnote zum eigentlichen Skandal, von dem der Wettbewerb erschüttert wurde.

So verrückt es klingt: Der zum zweiten Mal durchgeführte Wettbewerb wurde Opfer eines Hacker-Angriffs aus Asien und Albanien. Oder, anders ausgedrückt: Es gab Manipulationen, die den Wettbewerb zur Farce werden ließen. "Wir sind alle wahnsinnig enttäuscht", sagt die Hauptinitiatorin Christina Vatke im Namen des Organisationsteams, "wir alle haben sehr viel Zeit in den Wettbewerb investiert, und dann wird er so kaputt gemacht." Der Frust sitzt tief.

Rückblende: 2016, als Christina Vatke noch Christina Biegner hieß und Vorsitzende der Wählergruppierung "Junge Coburger" war, hatte sie den Wettbewerb "Bike to work" aus der Taufe gehoben; als Partner hatte sie - zusammen mit dem damaligen Tourismus-Chef Michael Amthor - die Arbeitsgemeinschaft ÖPNV für Stadt und Landkreis Coburg, das Klimamanagement Coburg, die Initiative "Elektromobilität für Coburg", den ADFC sowie die DAK als Partner gewonnen. Gemeinsames Ziel war und ist es, "das Fahrradfahren in der Region weiter voranzubringen", wie es Christina Vatke beschreibt.

Wer an dem Wettbewerb teilnehmen und ein E-Bike gewinnen möchte, braucht lediglich mit dem Fahrrad zur Arbeit (oder zur Hochschule) fahren und ein "Beweisfoto" davon machen. Dieses Foto muss aber nicht per Post irgendwo eingesendet werden, sondern es ist im Internet auf einer eigens eingerichteten Facebook-Seite hochzuladen . Auf dieser Seite gilt es dann, möglichst viele "Likes" (steht für: "Gefällt mir!") zu sammeln. Heißt: Jeder, der auf Facebook unterwegs ist, kann per Mausklick abstimmen, welches Bild ihm gefällt.

2016 klappte das alles noch ganz reibungslos. Rund 50 Radler machten mit, und am Ende gab es einen glücklichen E-Bike-Gewinner.

Doch 2018, bei der zweiten Auflage von "Bike to work", war alles anders - und damit ist jetzt nicht gemeint, dass Christina Vatke inzwischen verheiratet, von den "Jungen Coburgern" allerdings geschieden ist. Den Wettbewerb richtete sie jetzt sozusagen als Privatperson aus, aber erneut mit den bewährten Partnern. "Doch leider hat sich herausgestellt, dass Facebook als Plattform kein geeignetes Medium ist, das ausreichend Sicherheit bietet, um die bestehenden Wettbewerbsregeln einhalten zu können", sagt Christina Vatke.

So sei den Organisatoren aufgefallen, dass sehr viele Fotos sehr viele "Likes" bekamen - aber nicht etwa von Facebook-Nutzern aus Coburg und der Region, sondern verstärkt von Menschen aus Albanien und dem asiatischen Raum. Von "Menschen"? Nein, wohl eher von sogenannten "Fake-Accounts", also gefälschten Identitäten, was im Internet relativ einfach funktioniert.
Ebenso liegt der Verdacht nahe, dass sogenannte "Klick-Farms" in Albanien und Asien beauftragt wurden, massenweise "Likes" für ein bestimmtes Foto zu liefern. Als mögliche Auftraggeber gibt es mehrere Varianten. Es könnte jemand sein, der sozusagen "mit aller Gewalt" für sein eigenes Foto viele Stimmen sammeln möchte. Oder aber jemand kauft "illegale Stimmen" für einen direkten Konkurrenten - in der Hoffnung, dass dies auffliegt und der Konkurrent disqualifiziert wird. Eine weitere Variante wäre, dass der Wettbewerb an sich gezielt sabotiert werden sollte - aber darüber will Christina Vatke nicht spekulieren.

Fakt ist: Von den knapp 50 bei Facebook hochgeladenen Fotos wurden "bei einem Großteil", wie Christina Vatke sagt, Manipulationen festgestellt. Als der Wettbewerb am Sonntag um punkt 18 Uhr zu Ende ging, konnten somit nur noch wenige Fotos in die Wertung kommen. Der Sieger, der schließlich ermittelt wurde, hätte sich sein E-Bike am Montagabend allerdings persönlich an der Ehrenburg abholen müssen - so wollen es die Teilnahmebedingungen. Aber er kam nicht, die Siegerehrung fiel aus. Und so blieb den Organisatoren noch mehr Zeit, um schon einmal über das künftige Vorgehen nachzudenken.

"Wir werden den Wettbewerb selbstverständlich weiterführen", sagt Christina Vatke. Facebook als Plattform scheide aber aus. Marita Nehring, Coburgs ÖPNV-Beauftragte, nennt schon mal eine mögliche Alternative: "Vielleicht werden wir es so machen, dass die Bilder ganz klassisch eingesendet werden müssen und wir am Ende alle in einen Lostopf werfen."


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