Die erste Lektion für Anfänger: "Sitzen auf dem Pferd". Beim Voltigieren trägt es eine Decke (Pad) zum Sitzen und einen Gurt mit zwei Griffen zum Festhalten. Lenia ist mit drei Jahren die Jüngste, zusammen mit Leonie und Laura macht sie die ersten Übungen auf dem Rücken von Dukat, ein Wallach mit braun-rötlichem Fell. Auch wenn es für den Beobachter gar nicht so schwer aussieht, wenn die Mädchen die Arme ausbreiten und freihändig sitzen: Die Schwierigkeit besteht darin, das Gleichgewicht zu halten. Dazu kommt noch die Sitzhöhe von zirka 1,60 Meter.
Dass Dukat das Tempo beibehält, dafür sorgt Ausbilderin Janine Geyer mit ihrer Stimme sowie mit Leine (Longe) und Voltigierpeitsche. Sie hält den Fuchs per Longe auf seinem Rundkurs mit einem konstanten Durchmesser von 18 Metern. "Raus", ruft sie Dukat zu, wenn der den Radius verringert. Ab und zu lässt sie die Voltigierpeitsche durch die Luft surren. "Die Peitsche muss ich nicht immer einsetzen. Meist reicht es schon, wenn das Pferd sie sieht."
Nicht nur für die Voltigierer, auch für die Vierbeiner ist das Voltigieren ein Leistungssport. So muss das Pferd bei einem Turnier elf Minuten lang im Kreis galoppieren, während bis zu drei Menschen gleichzeitig auf seinem Rücken turnen.
Dabei kommt es auf gleichmäßiges Tempo an und darauf, dass das Pferd nicht seinem natürlichen Fluchtreflex folgt. "Das Pferd muss lernen, dass die Voltigierer auf dem Rücken keine Gefahr darstellen, auch dann nicht, wenn sie Übungen ausführen", erklärt Anja Langbein.
Die Sportler müssen sich konzentrieren, und sie brauchen Kondition. Dafür trainieren sie nicht nur auf echten Vierbeinern, sondern auch auf Holzpferden. "Vom Kopf bis zur Fußspitze wird jeder Muskel aktiviert", erläutert die Ausbilderin. Doch bevor die Voltigierer auf den Rücken von Holz- oder echtem Pferd dürfen, steht eine halbe Stunde Aufwärmen auf dem Programm.
"Jetzt mach' mal Schranke auf, Schranke zu", ruft Janine Geyer. Laura hebt ihr Bein über die Griffe auf die andere Seite des im Schritt gehenden Pferdes, dabei muss sie streckenweise eine Hand vom Griff lösen. Es folgen Gleichgewichtsübungen, zum Beispiel das Knien, mit ausgebreiteten Armen, ohne festen Halt. "Und jetzt Abgang nach innen", kommandiert die Ausbilderin, und Laura schwingt sich vom Rücken von Dukat, landet auf dem Hallenboden. "Sehr schön, das hat gut geklappt", lobt Janine Geyer.
Gut geklappt hat es auch für die A-Gruppe des Voltigiervereins Coburg-Hohenstein unter der Leitung von Anja Langbein: Bei den fränkischen Voltigiermeisterschaften in Gerolfingen belegten Franziska Stetter, Lea Jahn, Jannik Reißenweber, Johanna Stetter, Elena Freismuth, Tina Heiser, Selina Geyer, Johanna Fuchs und Nataly Fischer den ersten Platz. Sie setzten sich damit gegen neun gegnerische Mannschaften durch.
Eine Turniergruppe besteht aus einer Longenführerin und acht Voltigiererinnen. Ähnlich wie beim Turnen mussten sie sieben vorgegebene Pflichtübungen vorführen sowie eine Kür, die frei zusammengestellt wird. Im kommenden Jahr haben die Mädchen die Chance, in die nächsthöhere L-Leistungsklasse aufzusteigen.
Es gibt vier Leistungsklassen: A, L, M und S, wobei S die höchste ist. Der Voltigierverein Coburg-Hohenstein hat neben der A- auch eine M-Gruppe, die von Bianca Weid trainiert wird. Der finanzielle Aufwand für die Mitglieder hält sich in Grenzen: Zum Vereinsbeitrag kommen die Kosten für Sportkleidung und weiche Turnschuhe. Auch das ist ein Grund, warum viele über das Voltigieren zum Pferdesport kommen.
Viele bleiben dann dabei, weil ihnen das Training mit Pferden und die Gemeinschaft mit den Teammitgliedern gefällt. Die Ausbilderin Anja Langbein fasst es so zusammen: "Voltigieren lässt einen nicht mehr los: einmal infiziert, immer dabei."