Coburg

Ärztemangel: Kinder-Notdienst droht das Aus

Die Coburger Kinderärzte sind überlastet. Doch das Klinikum darf ihnen aus rechtlichen Gründen nicht unter die Arme greifen.
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Eine nächtliche Untersuchung vom Kinderarzt im Notfall - wenn der Bereitschaftsdienst wegfällt, kann es sein, dass auch mal ein Allgemein- oder Frauenarzt vorbeikommt. Foto: dpa
Eine nächtliche Untersuchung vom Kinderarzt im Notfall - wenn der Bereitschaftsdienst wegfällt, kann es sein, dass auch mal ein Allgemein- oder Frauenarzt vorbeikommt. Foto: dpa
Seit 13 Jahren erfahren Kinder und Jugendliche in Stadt und Landkreis Coburg auch außerhalb der üblichen Sprechzeiten - an Wochenenden und nachts - in Notfällen eine qualifizierte Behandlung durch niedergelassene Fachärzte und -innen für Kinder- und Jugendmedizin. Jetzt droht das Aus dieses kinder- und jugendärztlichen Bereitschaftsdienstes.

Ohne Rücksprache mit den betroffenen Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten hat die kassenärztliche Vereinigung den Dienstbereich auf den Nachbarlandkreis Lichtenfels ausgeweitet. Das bedeutet, dass auch Kinder und Jugendliche aus diesen Bereichen nachts und am Wochenende durch die in Bayreuth ansässige Bereitschaftsdienstzentrale an den Dienst der Coburger Kinder- und Jugendärzte vermittelt werden.
"Die in Kronach, Burgkunstadt, Bad Staffelstein und Lichtenfels niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte und -ärztinnen zeigen bislang aber kein Interesse, sich an diesem fachärztlichen Dienst zu beteiligen", stellt der Obmann der Coburger Kinderärzte, Klaus Schnell fest.

"Die Ausweitung des Dienstbereiches, die zu einer deutlich erhöhten Fallzahl im Bereitschaftsdienst geführt hat, belastet die Kinderärztin in Neustadt und ihre sieben männlichen Kollegen in Rödental und Coburg bis an die Grenze der Belastbarkeit, zumal eine der betroffenen Personen bereits über 73 Jahre und drei weitere über 60 Jahre alt sind", stellt Schnell weiter fest.

Am Wochenende sind täglich vier bis sechs Stunden Sprechstunde zu leisten, dazu rund um die Uhr Rufbereitschaft für telefonische Beratungen und gelegentliche Hausbesuche. Am Folgetag gebe es keine Erholung, denn da stehe wieder die tägliche Praxisroutine auf dem Plan.


Entlastungslösung abgelehnt
Eine von den Coburger Ärzten Mathias Zimmer und Klaus Schnell erarbeitete Entlastungslösung, dass nämlich nachts ab 22 Uhr der diensthabende Arzt der Kinderklinik im Klinikum Coburg die telefonische Beratung der Eltern und - wenn nötig - persönliche Untersuchung der Kinder übernimmt, wurde nach anfänglicher Zustimmung seitens des Klinikums Coburg letztendlich von der Geschäftsführung des Klinikums und von der kassenärztlichen Vereinigung abgelehnt. "Spätestens beim Ausscheiden einer Kollegin / eines Kollegen aus Alters- oder Gesundheitsgründen wird sich der kinder- und jugendärztliche Bereitschaftsdienst in der jetzigen Form nicht mehr aufrecht erhalten lassen", warnt Zimmer. Dann müssten sich entweder Kollegen aus den Nachbarlandkreisen oder die Kinderklinik Coburg an dem Dienst beteiligen, fordert Obmann Schnell. Ansonsten werde dieser fachärztliche Dienst eingestellt.

"So einfach ist das nicht", sagt der Geschäftsführer des Klinikums Coburg, Mario Bahmann. Schon aus rechtlichen Gründen könne das Klinikum den Bereitschaftsdienst gar nicht übernehmen. "Unsere Hauptaufgaben liegen im stationären Bereich und bei der Versorgung der Notfälle, die ins Klinikum kommen", stellt der Geschäftsführer fest. Das zentrale Probleme sieht Bahmann zunächst in den zu wenig Dienst leistenden Kinderärzten. Er sieht eine Lösung darin, den Kindernotdienst in den allgemeinen notärztlichen Bereitschaftsdienst zu integrieren. Das wiederum hätte aber zur Folge, dass ein Kind mit Ohrenschmerzen gegebenenfalls auch mal von einem Frauenarzt untersucht werden würde.


Gesetzeslage entscheidend
Das Klinikum Coburg steht zur Zeit in Verhandlungen mit einer Bereitschaftsdienstpraxis, die sich im Klinikum ansiedeln könnte. Damit, so Bahmann, wäre der Notarzt ständig vor Ort und verfügbar. Grundsätzlich betont der Geschäftsführer aber auch: "Wir sind immer offen, wenn ein Kind versorgt werden muss."

"Unkonforme Lösungen gehen eben nicht", sagt auch Peter Schmied, regionaler Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Bayreuth un d meint damit die Zusammenarbeit mit dem Klinikum, die Schnell angestrebt hatte. Die Kinderarztproblematik in der Region Coburg sei bekannt, sagte Schmied.

Deshalb solle der Obmann das Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung suchen. Der Rechtsweg müsse eingehalten werden, aber die KV sei interessiert an einer Konfliktlösung mitzuarbeiten. Schmied sieht die Verantwortung für den Patienten zunächst bei jedem einzelnen Arzt selbst. Die Altersproblematik sei ihm aber natürlich bekannt und nehme in den kommenden Jahren noch zu.
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