Rödental
Sadtrat

Ärzte für Rödental kann niemand backen

Parteiübergreifend sorgt sich das Gremium um die medizinische Versorgung - hat aber wenige Möglichkeiten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Sorge zum die Zukunft der Praxis von Dr. Joachim Druschke hat im Stadtrat zu Diskussionen um die Zukunft der medizinischen Versorgung in Rödental geführt.CT Archiv
Die Sorge zum die Zukunft der Praxis von Dr. Joachim Druschke hat im Stadtrat zu Diskussionen um die Zukunft der medizinischen Versorgung in Rödental geführt.CT Archiv

Silke Druschke kämpft weiter, um einen Arzt als Nachfolger für ihren verstorbenen Mann, Dr. Joachim Druschke, in der Hausarztpraxis in Rödental zu finden. Noch ist nichts entschieden. Doch die Frist, in der eine direkte Übernahme möglich wäre, verstreicht zusehends. Das beschäftigte auch den Stadtrat bei seiner Sitzung am Montag und führte zu Diskussionen.

Im April war Silke Druschke froh, zumindest berichten zu können, dass bis Ende September eine Fristverlängerung mit der Kassenärztlichen Vereinigung ausgehandelt worden war. Bürgermeister Marco Steiner (FW) und Landrat Michael Busch (SPD) hatten sich damals dafür eingesetzt. In der Zwischenzeit meldeten sich durchaus Interessenten. Doch keiner konnte sich entschließen, die Praxis dann auch zu übernehmen. Aufgeben will Silke Druschke aber weiterhin nicht, wie sie gegenüber unserer Zeitung betonte. Sie will bis zuletzt versuchen, eine direkte Übernahme durch einen neuen Arzt zu erreichen.

Sollte das nicht gelingen, heißt das nicht, dass die Praxis nicht wieder geöffnet werden kann, betonte Marco Steiner am Montag. Es wäre dann zwar kein direkter Übergang mehr möglich. Doch angesichts der ohnehin angespannten Versorgungslage mit Hausärzten auf dem flachen Land, stünde einer erneuten Niederlassung durch einen Arzt wohl nichts entgegen. Stadt und Landkreis würden daher auch weiterhin alles tun, um eine Lösung zu finden.

Eine direkte Bezuschussung für die Ansiedlung, wie zuletzt von der CSU Rödentals vorgeschlagen, sei kommunalrechtlich nicht zulässig, erklärte Steiner. Es wurde nach diesem Vorschlag auch bereits bezweifelt, dass die vorgeschlagenen 5000 Euro tatsächlich bei der Entscheidung für eine Ansiedlung als Arzt in Rödental ausschlaggebend sein könnten.

Praxen überlastet

;

Dass die medizinische Versorgung in der Stadt schon jetzt Sorgen bereitet, wurde deutlich, als mehrere Stadtratsmitglieder parteiübergreifend schilderten, dass die bestehenden Praxen schon jetzt kaum noch Patienten annehmen würden. Warum sich die CSU besondere Sorgen um die Zukunft macht, erklärte Dr. Elmar Palauneck (CSU). "In den kommenden Jahren werden weitere Ärzte altersbedingt ihre Praxis schließen", sagte er. Es sei damit zu rechnen, dass die Nachfolge auch dann schwer zu regeln sei. Die Stadt sollte sich daher dringend um eine Lösung dieses Problems bemühen.

Doch, wie Gisela Böhnel (FW) feststellte: "Wir können uns ja keine Ärzte backen". Sie vermisste eine Unterstützung durch die Ärzteorganisation: "Was hat denn die Kassenärztliche Vereinigung bisher getan? Nichts!", wetterte sie.

Dr. Wolfgang Hasselkus (SPD) und Dr. Jürgen Faber (Grüne) kritisierten in diesem Zusammenhang die Gesundheitspolitik. Faber erinnerte an den Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Ärzte sollten künftig 25 statt nur 20 Stunden in der Woche für ihre Kassenpatienten arbeiten. Er sprach wörtlich von "Kasperei", denn schon jetzt arbeiteten Ärzte 40 bis 50 Stunden für ihre Kassenpatienten. Um wieder Ärzte in die Fläche zu bringen, müsste viel an der Gesundheitspolitik geändert werden.

Vorschlag: Aufschub

;

Um das Rödentaler Problem zumindest zeitlich zu entschärfen, schlug Wolfgang Hasselkus vor, darüber nachzudenken, ob die vorhandenen Ärzte nicht bewegt werden könnten, ihre Lebensarbeitszeit einige Jahre zu verlängern. Die Bereitschaft sei derzeit angesichts der immer engeren Vorgaben, gering. Aber es sei zumindest eine Chance.

Das Problem für Hunderte Patienten der Praxis Druschke wird damit aber nicht gelöst. Sie suchen jetzt einen neuen Arzt, falls die Praxis doch nicht erhalten werden kann.

Für Patienten der Praxis Druschke, die in Seniorenheimen leben, gibt es eine Lösung. Sie werden von der Praxis Hasselkus übernommen, was Trixi Press-Zapf (CSU) begrüßte, die in einer Seniorenresidenz arbeitet. Sie erinnerte aber an die vielen, die möglicherweise bald ebenfalls einen neuen Hausarzt suchen, falls Silke Druschkes Kampf scheitert.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren