Coburg
Erinnerung

Adieu Anger-Veste in Coburg!

Die Tage der Anger-Sporthalle sind gezählt, der Abriss-Bagger frisst sich bereits durch die Betonwände. Vielen Coburgern geht der Abbruch ans Herz, weil sie mit der gerade mal 42 Jahre alten Halle viele schöne persönliche Erlebnisse verbinden.
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Bilder aus der Hallengeschichte: Der "Sporthalle"-Schriftzug ist schon demontiert.Fotos: CT-Archiv/Chris Winter
Bilder aus der Hallengeschichte: Der "Sporthalle"-Schriftzug ist schon demontiert.Fotos: CT-Archiv/Chris Winter
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Für die einen war sie wie ein zweites Zuhause, für die anderen die geliebte "Anger-Veste", in der der Coburger Handball den Grundstein für seinen Aufstieg zum Bundesliga-Verein legte. Für Generationen von Coburger Schülern war sie aber auch eine regelrechte Folter-Kammer, in der sie sich jede Woche im Sportunterricht an Bock, Reck und Barren quälen mussten. Ob nun schöne oder schlechte, so gut wie jeder Coburger hat seine ganz eigene Erinnerung an die Dreifachsporthalle am Anger. Und nun, da sich der Abrissbagger gnadenlos durch den beige-grauen Beton frisst, wollen wir in ganz persönlichen Anekdoten noch einmal in die 41-jährige Geschichte der Halle zurückblicken.

Ohne Schuhe zur "Sockendisco"

Helmut Liebkopf (TV 48 Coburg): "Ich erinnere mich an das Deutsche Turnerjugendtreffen mit 2000 Jugendlichen im Oktober 1985 in der Angerhalle. Nach Abschluss der Wettkämpfe sollte ein großer Showabend mit Siegerehrung und anschließender Disco mit der Band ,Heaven‘ stattfinden. Doch die Disco machte Probleme, denn der Boden in der Halle durfte nicht mit Straßenschuhen betreten werden. Nach dreistündiger Beratung mit dem damaligen Bürgermeister Rolf Forkel gelang es uns, die Vorschriften so auszulegen, dass die Disco stattfinden konnte. Sie wurde einfach zur ,Sockendisco‘ erklärt und die Jugendlichen mussten am Eingang ihre Schuhe ausziehen. Tausende Schuhpaare standen auf der Tribüne und rund um die Halle herum. Bei der Kontrolle um 5 Uhr früh fand die Stadt Coburg nur einen einzigen kleinen Fleck auf dem Boden - aber viele Jugendliche gingen an diesem Morgen mit den falschen Schuhen nach Hause."

"Habe jede Sekunde genossen!"

Christian Pack (ehemaliger HSC-Spieler, heute Redakteur bei der Mediengruppe Oberfranken): "Meine erste Begegnung mit dem Phänomen Angerhalle hatte ich im Frühling 2006 in meiner Kölner Wohnung. Einige Tage zuvor war das Interesse des HSC an mich herangetragen worden. Und Trainerfuchs Cveba Horvat ließ nichts unversucht, um mich von einem Wechsel zu überzeugen: Per Post schickte er mir einige Videos von Heimspielen zu, nach wenigen Minuten blickte ich ungläubig auf die Mattscheibe: Diese volle Halle, diese unglaublichen Fans - und das alles in der 3. Liga? Unvorstellbar! Einige Monate später durfte ich hier selber auflaufen. Ich habe jede Sekunde genossen. Menschen, die sich schon 30 Minuten vor dem Anpfiff neben das Tor drängen. Fans, die uns mit ihrer Leidenschaft beflügelt haben. Nicht selten haben wir uns nach dem Spiel in der Kabine zugeprostet und gewusst: Diesen Sieg haben wir auch dieser besonderen Halle zu verdanken.

"Und das Dach der Halle flog weg"

Dietrich Mai (28, HSC-Fan aus Coburg): "Ich bin in der Angerhalle groß geworden: Sportverein, Sportunterricht, HSC. Gerade der HSC hat es mir damals und heute noch angetan. Das allererste Spiel überhaupt gegen einen Erstligisten war im Pokal gegen den TBV Lemgo. Die Zuschauer stapelten sich schon fast bis unter die Decke - es war der absolute Wahnsinn und sicherlich nicht ganz vorschriftsmäßig. Heute wäre das undenkbar! Mitte der zweiten Hälfte glichen wir den Spielstand einmal aus - und das Dach der Halle flog weg!"

Ein Tor beim ersten Turnier

Nicole Mehlig (per Facebook): "Mein Sohn musste überraschend sein erstes E-Jugend Turnier gegen den HSC spielen, obwohl er noch lange ein Mini gewesen wäre - und dann hat er sogar direkt ein Tor geworfen!"

Unvergessener Aufstieg

Frank Wendler (per Facebook): "Unvergessen ist der Aufstieg in die 2. Handball-Bundesliga in der Saison 2006/2007!"

Mit der Legende im Spielheft

Maximilian Forkel (Stadtrat): "Ich habe das Laufen und das Handballspielen in der Angerhalle gelernt! Und ich war natürlich sehr gerne von Anfang an dabei, bei unserem HSC! Da bin ich natürlich auch mal im Spielheftchen gelandet.... mit Bundestrainer und Handball-Legende Heiner Brand."

Der verführerische Bratwurstduft

Hans-Joachim Lieb (per Facebook; heute Kreisrat und Vorsitzender des TSV Mönchröden): "Ich kann mich an mein letztes Bezirkstischtennisturnier für Senioren vor wenigen Jahren erinnern. Ich habe schlecht gespielt - wahrscheinlich lag es am verführerischen Bratwurstduft, der von draußen hereindrang."

Landessportfest!

Alex (Sprayer und Organisationstalent): "Ich habe in der Angerhalle mein ganzes Handball-Leben gelebt! Erst Turnerschaft, dann HSG, schließlich vier Jahre HSC. Außerdem verbinde ich die Halle mit dem Landessportfest 1982."

Ein Orange für die Geschichte

Oliver Schmidt (einst Fußballer beim SV Hut Coburg, heute Redaktionsleiter des Coburger Tageblatts): "Wenn ich an die Angerhalle denke, fällt mir ein Fußballturnier ein. Es war mit der A- oder B-Jugend. Meine Mannschaft verlor leider jedes Spiel. Doch wir ließen uns nicht entmutigen. Irgendwann bekam ich den Ball an der Mittellinie und lief alleine aufs gegnerische Tor zu - und obwohl ich ansonsten weniger der Typ ,Kobra‘, sondern mehr ,Blindschleiche‘ war, traf ich tatsächlich...zum 1:6 oder 1:7. Und: Die bestimmt 200 Zuschauer in der Halle jubelten und klatschten Beifall. Ja, klar, das war aus Mitleid - aber gefreut habe ich mich trotzdem! Für immer in Erinnerung bleiben wird mir in Sachen Angerhalle aber vor allem auch die orangefarbene Wandvertäfelung. Das war 70er Jahre pur: Erst total hip, dann völlig aus der Zeit gefallen - und schließlich Kult! Ein paar solcher orangefarbener Paneelen sollten aufgehoben werden - auf dass sie eines Tages in einem Coburger Stadtmuseum einen würdigen Platz finden in der Abteilung ,Coburger Sportgeschichte‘." Einen Bericht zur Geschichte der Angerhalle mit vielen historischen Fotos finden Sie hier



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