Für Glanz und Gloria zuständig ist der Intendant. Den mit 250 Mitarbeitern nicht gerade kleinen "Laden" aber wirtschaftlich und verwaltungstechnisch am Laufen zu halten, ist ein anderer Job, zu erledigen meist eher diskret hinter den Kulissen des Landestheaters, und auch nicht immer einfach. Und dann müssen die beiden ja auch noch miteinander in Einklang gebracht werden. Will der eine auf der Bühne große Töne spucken, muss der andere dazu bereit sein, den finanziellen Hintergrund zu regeln.
Den "Verwaltungsjob" hat in Coburg seit 1986 Wolfgang Vatke "erledigt", am nächsten Freitag, dem 13., wird er offiziell im Landestheater verabschiedet, in die "Ruhephase der Altersteilzeit". Vatke hat, auch wenn er mit gewisser Wehmut scheidet, den 13. zum Glückstag erklärt.

Graue Eminzenz

Die "graue Eminenz" im Hintergrund des Musentempels blickt auf vieles lächelnd zurück, auch darauf, dass er immer wieder mit dem Titel des mächtigen Kardinals Richelieu bedacht wurde. Aber nein doch, er sei mit sämtlichen acht Intendanten, die er in seiner Amtszeit erlebt hat, gut ausgekommen. Die kurzfristig in Coburg wütende Karin Heindl-Lau, nun, die hat ihn mit ihrem Durcheinander schon zur Verzweiflung gebracht.
Und mit dem dann kranken Dieter Gackstetter wurde es halt immer schwieriger. Dass der gleich das ganze Ballett verbambelt hat, nur weil Vatke nach dem Spardiktat der Stadt Coburg vorschlug, auch beim Ballett zwei Stellen einzusparen, "das habe ich nicht gewollt". Vatke klingt bei diesem Thema noch immer verblüfft. "Gack stetter war selbst Ballettmensch, ich denke doch nicht, dass der sich so verhält." Das Desaster wurde dann ja nach der für die Stadt Coburg teuren - "aber richtigen", so Vatke - Vertragsauflösung mit Gackstetter zum Ende 2007 wieder zurechtgebogen.
Grundsätzlich aber habe er sich nie ins Künstlerische einmischen wollen, und das Grundgesetz schreibt schließlich die Freiheit der Kunst vor. Das Spannungsfeld ist trotzdem nicht ohne; schauen wir mal, wie es sich mit Vatkes Nachfolgerin Judith Wollschläger, die am 1. Februar antritt, entwickelt. Aus der eher Einnahmen-zentrierten Sicht des Verwaltungsdirektors wirkt ein heiteres Musical auf dem Spielplan sicherlich sympathischer als ein künstlerisch zwar ambitioniertes, Zuschauer aber eher weniger ziehendes zeitgeschichtliches Drama.
Doch Vatke ist sich der kulturellen Bedeutung des Landestheaters für die Region gerade als Dreispartenhaus bewusst. "Die Coburger müssen froh sein; andere vergleichbare Städte haben das nicht." Er jedenfalls habe darauf geachtet, dass die Wünsche der Intendanten im vorgegebenen Rahmen verwirklicht werden konnten. "Der Intendant muss halt sagen, an welcher anderen Stelle er seine außergewöhnlichen Ausgaben wieder hereinholt..."
Vatke jedenfalls ist stolz darauf, dass er den von Freistaat Bayern und Stadt Coburg als den beiden Trägern des Landestheaters vorgegebenen Finanzrahmen eingehalten und sparsam gewirtschaftet habe. "Gottseidank hat die Stadt bisher nicht am Landestheater gespart." Der Freistaat allerdings tut das zunehmend, was der Stadt Coburg wiederum höhere Lasten aufbürdet. Seit der Oberste Rechnungshof empfohlen hat, dass sich der Freistaat auf den im Staatsvertrag mit Coburg 1919 festgelegten 40 Prozent der Finanzierung des Landestheaters zurückziehen soll, hat Coburg von Jahr zu Jahr mehr zu tragen. 2010 hatte die Stadt erstmals mehr als der Freistaat, nämlich 52 Prozent des Gesamtetats in Höhe von ca. 13 Millionen Euro zu übernehmen.

Sanierungsbeginn 2013?

In Vatkes Amtszeit wurden das neue Verwaltungsgebäude im Oberen Burglaß (2002 Einweihung) und das Zentrallager in der Gärtnersleite (2008) gebaut. Die anstehende Generalsanierung des Landestheaters hat Vatke in den vergangenen Jahren intensiv vorbereitet. Die Unterzeichnung einer endgültigen Vereinbarung mit dem Freistaat als dem Eigentümer steht kurz bevor. Vatke geht davon aus, dass das Staatliche Bauamt in Bamberg die architektonischen und technischen Detailplanungen jetzt in Auftrag geben kann, nachdem die Stadt Coburg vorfinanzieren wird. Der Freistaat sollte die Finanzmittel dann im Doppelhaushalt 2013/14 bereitstellen. "Mitte 2013 könnte die eigentliche Sanierung beginnen. Meine Schätzung", hofft Wolfgang Vatke.
Auch dass das Orchester des Landestheaters in den 80er Jahren vom D- zum C-Orchester, 2008 dann sogar zum B-Orchester mit entsprechender Stellenanforderung (heute 54 Musiker) und höherem Anspruch gruppiert werden konnte, rechnet sich Vatke als Verdienst an. Welche EDV-technische Revolution seit den 80er Jahren zu bewältigen war, davon will er im einzelnen gar nicht berichten.

Austausch mit Meiningen

Besonderes Engagement hatte Vatke gleich nach seinem Amtsantritt entwickelt, um Kontakte zum historisch verbundenen Meininger Theater herzustellen. Über die Vermittlung von Ministerpräsident Franz Josef Strauß gelang es tatsächlich, für 1988 im Rahmen des deutsch-deutschen Kulturabkommens ein Gastspiel Coburgs in Meiningen zu arrangieren, gezeigt wurde damals Peter Weiss' Stück "Marat/de Sade". Die eigentliche Sensation bestand da rin, dass plötzlich auch die Meininger nach Coburg reisen durften (mit Hermann Kants "Die Aula"). "Die Grenzöffnung ein Jahr später hat uns ja alle überrascht. Zu dem Zeitpunkt waren bereits weitere Gastspiele vereinbart." Wolfgang Vatke war eine Weile als Berater des Meininger Theaters tätig. Erst im letzten Jahr gastierten "die Meininger" nochmals in Coburg.
Ganz nebenbei hat Vatke übrigens auch einen historischen Brauereiführer für Coburg veröffentlicht, dann einen für Lichtenfels und einen für Kronach, allesamt restlos verkauft. Die Geschichte des Landestheaters hat er ebenfalls beschrieben für diverse Beiträge in Jubiläums- (siehe Bild) und sonstigen Schriften.

Und nun in die weite Welt

Von nun an allerdings soll der dem Volksschauspieler Walter Sedlmayr zugeschriebene Spruch leitend für Vatke sein: Man soll reisen, solange man noch keinen Medikamentenkoffer braucht. Vatke wird nach seiner Verabschiedung nächste Woche nach Ägypten, "in die Sonne", fliegen. Im März feiert sein Vater, der frühere Theaterarzt Rolf Vatke, der Wolfgang Vatke schon zu Kinderzeiten die verführerische Theaterluft schnuppern ließ, 90. Geburtstag in Potsdam. Dessen zwei Söhne wiederum haben ihm zum 60. Geburtstag eine Reise nach Kuba geschenkt. Am Bodensee soll es heuer noch einen Zeppelin-Flug geben. Und dann will der leidenschaftliche Cabrio-Fan seinem siebten Exemplar weitere schöne Ecken in Deutschland und den Nachbarländern zeigen. - Na dann: Gute Reise.

Zur Person

Wolfgang Vatke wurde 1951 in Coburg geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften in Würzburg, schloss als Diplom-Kaufmann ab und erwarb ein weiteres Diplom in Management. Nach einer Tätigkeit in der freien Wirtschaft wurde er 1984 zunächst stellvertretender Verwaltungsdirektor am Landes theater Coburg, im März 1986 dann Verwaltungsdirektor. "Eigentlich war ich nie weg von Coburg", sagt Vatke. Jubiläen in Coburg brachten ihn unter anderem mit den Bundeskanzlern Kohl und Schröder in Kontakt, woran sich Vatke gerne erinnert.