Coburg
Kick-Off

Ab Juni darf getüftelt werden

Das Projekt Creapolis will die Hochschule mit heimischen Unternehmen besser vernetzen. Im Maker-Space kann gebastelt und geforscht werden.
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Die Schlachthof-Villa  ist das neue Zuhause für das Projekt Creapolis. Foto: Ulrike Nauer
Die Schlachthof-Villa ist das neue Zuhause für das Projekt Creapolis. Foto: Ulrike Nauer
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Ein Rentner, der ein Holzpferd für seine Enkelin schreinert. Eine Studentin, die einen selbst designten Lampenschirm zusammenschrauben will. Ein Computerfreak, der eine Platine zurecht fräsen will. Sie alle haben eines gemeinsam, sagt Markus Neufeld. "Sie tüfteln gerne!" Neufeld ist Projektmanager von Creapolis, der neuen "Keimzelle für Innovation" in Coburg. Bei der Kick-off-Veranstaltung am Freitagnachmittag stellte Neufeld das Projekt den Gästen in der fast bis zum letzten Platz gefüllten Hochschul-Aula vor.
Ab Juni hat Creapolis auch ein festes Zuhause: die Villa am nördlichen Ende des Schlachthofareals. Hier sollen sich heimische Unternehmen mit der Hochschule vernetzen und Start-up-Unternehmen Büros vom Kooperationspartner Zukunft.Coburg.Digital anmieten. Auch will Creapolis - wie der Name schon andeutet - Bastlern, Tüftlern und Studierenden die Möglichkeit geben, ihre Ideen in die Tat umzusetzen.


Coburger Idee überzeugte

"Creapolis will Wissen und Innovation teilen, so dass alle davon profitieren können", so Neufeld. Das reiche von der Unterstützung beim Organisieren einer Veranstaltung bis hin zum Studenten, der in einem heimischen Unternehmen seine Bachelor-Arbeit anfertigt. Neufelds Wunsch: "Ich möchte in fünf Jahren ein ganzes Buch von Erfolgsgeschichten haben."
Hochschulpräsidentin Christiane Fritze blickte auf die Entstehungsgeschichte von Creapolis zurück. 2016 hatten Bund und Länder beschlossen, kleine und mittlere Universitäten sowie die Hochschulen im Rahmen der Initiative "Innovative Hochschule" über zehn Jahre hinweg mit insgesamt 550 Millionen Euro zu fördern. Bis Februar 2017 mussten die Anträge abgegeben werden. Die Coburger Hochschule überzeugte mit ihrer Idee der Innovations- und Vernetzungsplattform und wurde aus 117 Bewerbungen für die Förderung ausgewählt. 6,5 Millionen Euro stehen für das Projekt über fünf Jahre, von 2018 bis 2022, zur Verfügung. Die Nachricht im Juli 2017, dass die Coburger Bewerbung erfolgreich war, habe alle von den Sitzen gerissen, so Fritze.


Nebenan tut sich auch bald was

"Schlachthof als Zukunftslabor", wie das Tageblatt im Oktober 2017 titelte, das seien Überschriften, an denen man sich als Oberbürgermeister berauschen könne, sagte Coburgs OB Norbert Tessmer schmunzelnd. Dass auf dem ehemaligen Güterbahnhof- und Schlachthof-Areal ein neuer lebendiger Stadtteil entstehen soll, sei eine einmalige Chance für Coburg. Er hoffe, dass die Stadt und die Hochschule durch Creapolis und die kurzen Wege zum Hofbrauhaus nun noch intensiver zusammenwachsen werden, so Tessmer. Schließlich gehörten "Bildung und Stadt traditionell zusammen".
Umso mehr freue es ihn, dass die einstige Schlachthof-Villa nun im Juni ihrem neuen Nutzen übergeben werden könne. Und auch rund um das neue Kreativzentrum soll sich bald etwas tun: "Von städtischer Seite soll noch vor den Sommerferien entschieden werden, wie die Nachbargebäude ertüchtigt werden sollen", versprach Tessmer.


Keine Angst vorm Scheitern

Für den "Festvortrag" hatte die Hochschule mit Frank M. Salzgeber einen besonderen Referenten gewonnen. Der 48-Jährige leitet das Innovationsmanagement der Europäischen Raumfahrt Agentur ESA und hat in seiner Funktion in den letzten Jahren rund 600 Start-up-Unternehmen unterstützt.
Der "Wertstoff Innovation", wie Salzgeber seinen Vortrag überschrieben hatte, habe viel mit Träumen und Helden zu tun. Daneben dürfe man aber auch keine Angst vor dem Scheitern haben. "Scheitern gehört dazu", betonte Salzgeber. "Das müssen wir auch den Studenten beibringen." Ein Maker-Space sei genau der richtige Raum, um sich auszuprobieren und seine Ideen und Träume zu verwirklichen. Und wenn etwas schief geht? "Dann steht jemand neben uns, der sagt, Scheitern ist ok, das ist nicht schlimm, probiere es einfach noch einmal." Man solle sich einfach mal die katholische Kirche zum Vorbild nehmen, sagte Salzgeber schmunzelnd - und zum Amüsement des Publikums: "Wer schon 2000 Jahre im Business ist, kann so schlecht nicht sein!"


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