Coburg

Zwischenfall im Linda-Prozess

In einer Sitzungspause ging am Donnerstag die Mutter des angeklagten Jerry J. auf eine Zeugin los. Nach fast zehn Stunden wurde die Verhandlung dann am frühen Abend abgebrochen. Der Zeitplan muss nun korrigiert werden.
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Der Platz, an dem Jerry J. während der Verhandlung sitzt.
Der Prozess um den gewaltsamen Tod der 16-jährigen Linda H. verlangt den Beteiligten alles ab: Die Angehörigen des Opfers müssen sich schreckliche Details zur Bluttat vom 8. April 2011 anhören, und die Angehörigen des wegen Totschlags angeklagten Jerry J. müssen eine komplette Durchleuchtung über sich ergehen lassen. Wie sehr das alles an den Nerven zehrt, wurde am Donnerstag am zweiten Verhandlungstag in einer Sitzungspause deutlich: Die Mutter von Jerry J. ging auf eine Zeugin los, die sich zuvor kritisch über die Familienverhältnisse geäußert hatte.

Die Mutter konnte von zwei Freundinnen zurückgehalten werden. Der Vorsitzende Richter Gerhard Amend sprach der Frau daraufhin ins Gewissen: "Wir versuchen hier, eine faire Verhandlung zu führen und der Wahrheit auf den Grund zu kommen!" Vorfälle wie jener in der Sitzungspause würden Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit nähren. Die Mutter entschuldigte sich daraufhin sowohl bei der jungen Frau als auch beim Gericht für ihr Verhalten. "Aber die Aussagen haben mich sehr getroffen!"

Gesundheitlich angeschlagen

Auch an Jerry J. selbst ging der Tag nicht spurlos vorüber. Nach einem fast zehnstündigen Sitzungsmarathon beantragte sein Verteidiger Karsten Schieseck, die Verhandlung abzubrechen. "Mein Mandant ist nicht mehr verhandlungsfähig." Gerhard Amend hatte ein Einsehen: "Wie ich den Angeklagten so hier sehe, kann ich dem nicht widersprechen."
Bereits am Vormittag hatte Jerry J. gesundheitlich stark angeschlagen gewirkt. Die Verhandlung musste mehrmals unterbrochen werden, da es ihm nicht gut ging. Er klagte über Magenprobleme, und der Psychiater Cornelius Stadtland überprüfte ein erstes Mal die Verhandlungsfähigkeit. Nachdem Jerry etwas zu essen und zu trinken bekommen sowie Medikamente eingenommen hatte, wurde der Prozess fortgesetzt.

Nachdem am ersten Verhandlungstag der Tathergang im Mittelpunkt stand, wurde am Donnerstag mit Hilfe zahlreicher Zeugenaussagen versucht, ein genaueres Bild von der Person Jerry J. zu bekommen. An den Vater seiner damaligen Freundin wandte sich der Angeklagte mit einer persönlichen Erklärung: "Du sollst wissen", sagte Jerry J. mit zitternder Stimme, "dass es mir Leid tut, dass Ihr das wegen mir mitmachen müsst und dass Deine Tochter Probleme gekriegt hat wegen mir." Der Vater wollte sich zu dieser Entschuldigung nicht äußern.

Ebenfalls als Zeugen geladen waren neun Polizisten, die im April 2011 mit den Ermittlungen zu tun hatten. Einer berichtete, wie sich Jerry J. in einem Verhör über das Internetforum Facebook beklagt hat, weil er dort den Kontakt zu Linda geknüpft hatte: "Ich bin ein Idiot", habe er gesagt, "ich habe alles kaputt gemacht. Warum bin ich nur auf Facebook gegangen? Ich hasse Facebook, warum habe ich das getan?"
Die Polizisten berichteten aber auch, dass sich Jerry J. bis zum Geständnis "abgebrüht und eiskalt" verhalten habe.

Brief an die Mutter

Als er bei der Polizei zugegeben hatte, die 16-Jährige mit mehreren Hammerschlägen und Messerstichen getötet zu haben, war es sein Wunsch, einen Brief schreiben zu dürfen. Auf den Umschlag vermerkte er: "Für meine Mama und Freundin".

Nach den Verzögerungen vom Donnerstag ist der ehrgeizige Zeitplan, der nur drei Verhandlungstage vorsah, nicht mehr einzuhalten. Am Freitag geht es zunächst um 8.30 Uhr mit weiteren Zeugenvernehmungen weiter; unter anderem wird die Freundin von Jerry J. gehört. Weil Anwalt Schieseck anschließend eine Aussprache mit seinem Mandanten wünscht, einigte man sich auf Mittwoch, 1. Februar, als weiteren Verhandlungstag. Dann geben zwei Gutachter ihre Berichte zu Jerry J. ab.
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