Landrat Michael Busch (SPD) hat für dieses Thema seinen Urlaub unterbrochen. "Wir haben eine Brandmeldung zum Thema Lehrermangel", so hatte Sozial- und Schulreferentin Martina Berger ins Landratsamt eingeladen. Und es brennt. Da ist sich Landrat Busch mit Bad Rodachs Bürgermeister Gerold Strobel (FW) und Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) einig. "Ein ordentlicher Unterricht ist ab dem kommenden Schuljahr nicht möglich", bringt es der Landrat auf den Punkt.

Mobile Reserve? Fehlanzeige


Betroffen sind die Grund- und Mittelschulen. Zumindest zwei Stellen seien nach dem ersten Aufschrei doch bewilligt worden, berichtet Michael Busch von der bisherigen Entwicklung der Misere. Damit könne Schulamtsdirektor Johannes Barfuß den Pflichtunterricht an den Grund- und Mittelschulen sicherstellen - bis ein Lehrer krank wird. Mobile Reserve? Fehlanzeige.
Dabei hatte doch Kultusminister Ludwig Spänle (CSU) versichert, das Versorgungsniveau des vergangenen Schuljahres werde aufrecht erhalten.

Über geöffnete Flurtüren zwei Klassen gleichzeitig "unterrichten"


"Wenn ein Lehrer weniger als zwei Wochen krank ist, gibt es sowieso keine Vertretung", wirft Frank Rebhan ein. Es komme vor, dass ein Lehrer über die geöffneten Flurtüren zwei Klassen "unterrichtet". Von qualitativ hochwertigem Unterricht, den das Ministerium in München verspreche, könne da wohl keine Rede sein.

Dabei haben Landkreis und Kommunen ihre Verantwortung für die Bildung ernst genommen und in den vergangenen Jahren erheblich in moderne, gut ausgestattete Schulhäuser investiert, wie der Landrat betont.
Der so genannte besondere Unterricht liegt dem Landrat am Herzen. Chor, Musik, Theater, differenzierter Sport - dafür stehen kaum noch Lehrerstunden zur Verfügung. Dabei werde hier der Auftrag der Schule zur Erziehung und Persönlichkeitsbildung umgesetzt. Das schlimmste sei aber, dass auch der Förderunterricht in diese Kategorie fällt, und ebenfalls praktisch nicht mehr angeboten werden kann. Von 125 Stunden, die die Grundschulen in Ahorn, Dörfles-Esbach, Ebersdorf, Großheirath und Einberg sowie die Mittelschulen Neustadt, Rödental, Ebersdorf, Bad Rodach und Sonnefeld alle zusammen im Jahr 2009 für besonderen Unterricht angefordert hatten, wurden ihnen 41 zugebilligt.

Im vergangenen Schuljahr waren es noch 17, im kommenden werden es nur noch 4,5 Stunden für alle diese Schulen zusammen sein. "Das ist Null", stellt Rebhan fest. "Wenn das an einer Schule nicht mehr möglich ist, fehlt ein ganzes Stück Leben", ergänzt Landrat Michael Busch.

Werden einen "Brandbrief" schicken


Gibt es an einer Schule überzählige Wochenstunden, dürfe der betreffende Lehrer diese Zeit nicht an seiner Schule für besonderen Unterricht aufwenden, so Rebhan. "Er muss dann an einer anderen Schule Pflichtunterricht halten - auch wenn es nur eine Stunde ist." Der Oberbürgermeister zieht weiter vom Leder. Während Oberfranken die Lehrer entzogen werden, um damit Schulen in Oberbayern zu versorgen, stünden hier vor Ort junge, fertig ausgebildete Lehrer zur Verfügung, die aber nicht eingestellt werden. Bei den Versetzungen gehe das Kultusministerium rigide vor. Junge Familien würden zerrissen, Lehrer, die eine Versetzung nicht akzeptierten, sitzen auf der Straße.

Nur noch Kopfschütteln haben die Kommunalpolitiker für die Information übrig, dass in Bayern im kommenden Jahr über 4300 Schüler mehr in die erste Klasse kommen, als vom Ministerium erwartet. Ein Planungsdesaster, wie Strobel, Busch und Rebhan finden. Es gilt zu handeln. "Wir werden einen Brandbrief an Städtetag, Gemeindetag und Landkreistag schicken", kündigt der Landrat an.