Der Oberbürgermeister ist, gelinde gesagt, ungehalten. "Es gab in den letzten Wochen so viele Behauptungen, die einfach nicht der Wahrheit entsprechen." Norbert Kastner (SPD) spielt damit auf die wiederholte Kritik der Altstadtfreunde an der Bau- und Sanierungspolitik der Stadt an. Eine Begehung der Sanierungsgebiete Ketschenvorstadt und Leopoldstraße sollte deutlich machen, dass weder planlos abgerissen noch unsozial teuer neu gebaut und verkauft wird. Der Vorwurf, die städtische Wohnbau als Träger der Sanierung sei nicht mehr dem Gemeinwohl verpflichtet, entkräftet der Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende der GmbH, gleich zu Beginn mit einem Auszug aus dem Gesellschaftervertrag, den Stadt und Wohnbau abgeschlossen haben. Darin heißt es: "Zweck der Gesellschaft ist vorrangig eine sichere und sozial verantwortbare Wohnversorgung der breiten Schichten der Bevölkerung."
Willibald Fehn, Geschäftsführer der Wohnbau Stadt Coburg GmbH, widerspricht der Behauptung, Altbau zu sanieren sei preiswerter als neu zu bauen. Er nimmt dafür ein Beispiel aus der Leopoldstraße. "Um dort zwei neue Häuser bauen zu können, mussten wir eines sanieren." Während bei den Neubauten Kosten in Höhe von 2200 Euro pro Quadratmeter anfielen, waren es bei dem sanierten Gebäude 3800 Euro pro Quadratmeter. Dennoch: Was erhalten werden könne, werde erhalten. "Wir haben in Coburg nach dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) 1,8 Hektar Sanierungsgebiete. Eines davon ist die Ketschenvorstadt. Sie war vom Verfall bedroht", stellt Willibald Fehn fest. Nun werde sie für 1,6 Millionen Euro saniert. Es entstünden 32 neue Wohnungen - die meisten durch Sanierung. Drei Stadthäuser und sieben Kubenhäuser werden verkauft. Es entstehen aber auch sieben Wohnungen im sozialen Wohnungsbau.
Die neue Tiefgarage werde über 174 Stellplätze verfügen. Die Behauptung, dass diese Stellplätze nicht gebraucht würden, weil selbst das Parkhaus Zinkenwehr nicht ausgelastet sei, lässt Willibald Fehn nicht gelten. "Wir haben fürs Zinkenwehr 172 Anfragen nach Dauerparkplätzen." Würde die Wohnbau diese Wünsche erfüllen, dann fielen Kurzzeitparkplätze weg, die aber für den Einzelhandel wichtig seien.

Leerstände sind begründet


Dass derzeit viel Wohnraum leerstehe, sei der laufenden Sanierung geschuldet, hob Willibald Fehn hervor. "Die Häuser mussten einfach für die Bauarbeiten frei gemacht werden." Andere Leerstände in der Stadt hätten andere Ursachen. Zum Beispiel die Judengasse 26, die eine Erweiterung fürs Familienzentrum werden sollte: Der Förderantrag wurde nicht genehmigt. Ähnlich sieht es bei der Leopoldstraße 5 und dem Platz unterhalb der Reithalle aus. All das musste zurückgestellt werden, weil es keine Förderung dafür gibt. Der Vorwurf der Altstadtfreunde, es würden keine Mittel über das Programm "Leben findet Innenstadt" beantragt, sei ungerechtfertigt, sagt der Wohnbau-Geschäftsführer. Dort müssten die Eigentümer der Immobilien die Hälfte der Fördersumme selbst aufbringen. "Wir sind aber schon im Programm ,Städtbaulicher Denkmalschutz'. Aus diesem Topf kommen wir leichter an Geld."
Dass die Altstadtfreunde aber immer wieder mit Kritik an die Öffentlichkeit gingen, mache die Arbeit der Wohnbau nicht leichter. "Für die Stellplatzsituation müssen wir jetzt eine neue Bedarfsanalyse erstellen und wegen des gesamten Projekts Ketschenvorstadt mit der Förderstelle neu verhandeln." Außerdem sei die Außenwirkung sehr negativ. Dass die Coburger nicht ausreichend in den Planungsprozess einbezogen wurden, bezeichnet Willibald Fehn als unwahr. "Wir hatten allein zur Ketschenvorstadt 50 Veranstaltungen in der Baubude." Und Dritter Bürgermeister Hans-Heinrich Ulmann (CSB) ergänzte, dass es Führungen und Ausstellungen zum Thema gegeben habe und noch immer gibt.
Die Begehung, die Wohnbaugeschäftsführer Andreas Heipp leitet, macht schließlich deutlich, wo saniert, wo abgerissen wird und welche positiven Beispiele es für Wohnen in der Stadt gibt.