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Bürgerwald

Windpark Bürgerwald in Welsberg: verhärtete Fronten

Bürgerinformationsabend: Die Welsberger wehren sich immer noch gegen den Bau eines vierten Windrads.
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Im Wald oberhalb von Welsberg sind schon die ersten Waldflächen gerodet worden. Derweil wehren sich die Bürger des Itzgründer Gemeindeteils gegen die Errichtung eines vierten Windrads für das "Bürgerwald"-Projekt. Foto: Berthold Köhler
Im Wald oberhalb von Welsberg sind schon die ersten Waldflächen gerodet worden. Derweil wehren sich die Bürger des Itzgründer Gemeindeteils gegen die Errichtung eines vierten Windrads für das "Bürgerwald"-Projekt. Foto: Berthold Köhler
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Heinz Späth brauchte nur einen Satz, um das Ergebnis des Bürgerinformationsabends am Dienstag in der Halle des SC Holzwurm zusammenzufassen: "Das vierte Windrad ist das A und O." Und bei jenem vierten Windrad für den Windpark "Bürgerwald" gibt es unvermindert verhärtete Fronten: Die Mehrheit der Welsberger sperrt sich mit aller Macht gegen den Bau, die Mehrheit des Gemeinderates sieht darin den entscheidenden Faktor zum wirtschaftlichen Betrieb des Windparks.


Es war kein einfacher Abend für Bürgermeister Werner Thomas (SPD), Gemeindegeschäftsleiter Dieter Scherbel und die zahlreich anwesenden Gemeinderäte. "Ich weiß, dass die Nerven angespannt sind", sagte der Bürgermeister, als die Diskussion kurzzeitig sogar aus dem Ruder zu laufen schien. Viele neue Argumente wurden nicht ausgetauscht, vom zuletzt wie ein Damoklesschwert über dem Windpark schwebenden Rotmilan, den es im "Bürgerwald"-Gebiet geben soll, war sogar überhaupt nicht die Rede.


Deutlich wurde allerdings, dass ein jüngst geführtes nichtöffentliches Gespräch zwischen der Bürgerinitiative "Sturmwind" und dem Gemeinderat nicht viel gebracht hat. Dabei ging es unter anderem um die Anlegung von Ausgleichsflächen, die bei Windpark-Projekten vorgeschrieben sind. Hier warte, das betonte der Bürgermeister ausdrücklich, die Gemeinde immer noch auf Vorschläge der Windpark-Gegner.


Stichwort "Ausgleichsflächen": Da musste Martin Demmeler, der beim Investor "Green City Energy" (GCE) das Projekt "Bürgerwald" leitet, mit einer Fehlinformation aufräumen. Nein, nicht der Bund Naturschutz bekomme die 68 000 Euro, die GCE für die Schäden am Landschaftsbild durch die drei bereits genehmigten Windräder bezahlen müsse. Das Geld geht an einen Naturschutz-Fonds, der vom Freistaat Bayern überwacht und an die Unteren Naturschutzbehörden ausbezahlt wird. "Ich würde mir wünschen, dass wir das Geld lokal verwenden können", versicherte Demmeler.


Hoch schlugen die Wellen, als es um die wirtschaftliche Seite des geplanten Windparks ging. Hauptargument von Daniel Hartung, dem Sprecher der Bürgerinitiative: Beim noch nicht genehmigten vierten Windrad profitiere nahezu ausschließlich "Green City Energy", weil der Rotor - im Gegensatz zu den drei anderen Windrädern - nicht auf Grund der Gemeinde Itzgrund steht. Da meldete sich Gemeinderat Wilhelm Heubner (SPD) zu Wort. Er verwies darauf, dass man den Windpark als Gesamtprojekt sehen müsse: Nur bei vier Anlagen könne der Windpark wirtschaftlich betrieben werden.


"Natürlich geht es ums Geld"

Und freilich: "Natürlich geht es ums Geld", ärgerte sich Gemeinderat Matthias Bauer über eine gewisse Scheinheiligkeit in der Diskussion. Wie bei jedem Betrieb, bei jedem Landwirt, ja überall im Leben spiele auch bei einem Windpark das Geld eine entscheidende Rolle. "Aber hier werden Gewinne sozialisiert", verwies Bauer darauf, dass der gesamte Itzgrund von den nicht unerheblichen Einnahmen durch den Windpark profitieren werde. "Und die Gemeinde", das machte Bauer auch klar, "besteht eben nicht nur aus Welsberg".


Groß sind die Bedenken der Welsberger, was die Zeit am Ende der vermutlichen Windpark-Laufzeit in etwa 20 Jahren angeht: Wird sich "Green City Energy" bis dahin aus der Verantwortung stehlen und den Itzgrund mit einer Windpark-Ruine stehen lassen? "Nein", betonte Projektleiter Martin Demmeler. Wie bei keiner anderen Energieform gebe es bei Windparks klare Vorschriften zum "lückenlosen Rückbau" der Anlagen. Bauherren von Windparks seien darüber hinaus dazu verpflichtet, über Bürgschaften und regelmäßige Zahlungen auf Sonderkonten das Geld für den Abbau veralteter Anlagen bereit zu stellen.


Löschkonzept entsteht gerade

Feuerwehrkommandant Markus Dinkel brachte noch die Sicherheitsaspekte zur Sprache: Was passiert, wenn ein Starkstrom führendes Windrad in Brand gerät? Wer kümmert sich um den Unterhalt der offensichtlich vorgeschriebenen Löschwasser-Zisternen? Auf diese Fragen wird es bald Antworten geben, versicherte Dieter Scherbel. Erst diese Woche habe er ein Schreiben bekommen, in dem Kreisbrandrat Manfred Lorenz ankündigte, gemeinsam mit einem Fach-Ingenieurbüro ein Löschkonzept für Windkraftanlagen zu erstellen. Dieses werde auch Teil des Genehmigungsbescheids für den Windpark.
Wenn sich auch die Welsberger und der Gemeinderat am Dienstag nicht arg näher gekommen sind: Die entscheidende Phase für den Bebauungsplan "Windpark Bürgerwald" steht bevor. Noch bis zum heutigen Donnerstag haben die Bürger die Gelegenheit, ihre Bedenken und Anregungen im Rathaus zu hinterlegen. Der Gemeinderat wird sich dann mit diesen auseinander setzen und nach einem Feststellungsbeschluss die Unterlagen beim Landratsamt zur rechtlichen und fachlichen Prüfung einreichen.



Windpark Bürgerwald: Weitere Informationen

Bretzenstein Bürgermeister Werner Thomas berichtete, dass die beiden Windräder unweit der Itzgründer Gemeindegrenzen im Jahr 2014 eine Rendite von 5,11 Prozent erwirtschaftet haben.

Nachbarschaft Gemeinderat Matthias Bauer informierte, dass südlich von Coburg offensichtlich mehrere weitere Windpark-Standorte geplant sind. Im Gespräch sind Lichtenstein und Pfarrweisach - wo jeweils rund 230 Meter hohe Windräder der neusten Generation gebaut werden sollen.

Straßen Nach Angaben von Projektleiter Martin Demmeler reicht die Tragkraft der bestehenden Straßen für die Lastwagen mit den Windrad-Bauteilen aus. Von den Waldwegen bis zu den Standorten der Anlagen müsse man freilich Wege anlegen. In Büdenhof muss zudem eine Kurve erweitert werden, um den bis zu 65 Meter langen Transporten die Anfahrt zu ermöglichen.

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