Neustadt

Wildenheider Kirche einst ein Zeichen des Friedens

Die evangelische Kirchengemeinde Wildenheid/Meilschnitz feierte am Wochenende ein ganz besonderes Gemeindefest. Vor sechzig Jahren, am 16. Oktober 1955, wurde ihr Gotteshaus eingeweiht. Jetzt stehen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten der Friedenskirche an.
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Pfarrer Jörg Herrmann bedankt sich bei Gara Spiegelhauer-Peabody für Ihr Kommen und natürlich für die Dokumente ihres Vaters. Foto: Manja von Nida
Pfarrer Jörg Herrmann bedankt sich bei Gara Spiegelhauer-Peabody für Ihr Kommen und natürlich für die Dokumente ihres Vaters. Foto: Manja von Nida
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Dafür muss die Gemeinde zehn Prozent der Gesamtkosten, etwa eine Million Euro, schultern. Spendenaufrufe wurden gestartet und Sponsoren gesucht. "Momentan stagnieren die Spenden ein wenig", meinte Eva Grempel vom Kirchenvorstand.


Schon einige Zusicherungen erhalten


"Noch hat sich mit der Renovierung unserer Kirche nicht viel getan, da wir noch immer auf die Stellungnahme der Landeskirche München warten. Dort liegen die Pläne unseres Architekten Christoph Gatz seit über zwei Jahren. In der Zwischenzeit sind wir fleißig auf der Suche nach Sponsoren und Unterstützung durch Stiftungen. Da hat sich Einiges getan, wir haben einige Zusicherungen bekommen", informierte Pfarrer Jörg Herrmann.

Mit einem Familiengottesdienst startete das Gemeindefest. Danach wurde draußen sowie im Gemeindehaus bei kulinarischen Köstlichkeiten gefeiert.
Die Kinder hatten ihren Spaß beim Basteln mit Meike, draußen harrte die Jugend an ihren Flohmarktständen mit schleppendem Geschäft aus, die Wefa-Einrichtung verwöhnte mit selbstgebackenen Waffeln, beim Stand des Eine-Welt-Ladens durften nicht alltägliche Schätze erstanden werden, und die Laienspielgruppe erheiterte mit witzigen Sketchen.


Neue spannende Details


"Wir haben das Gemeindefest zum Anlass genommen, eine kleine Ausstellung zu machen, insbesondere zur Entstehungsgeschichte im Rahmen der Wooden Church Crusade", sagte Pfarrer Herrmann. Zur Ausstellung "60 Jahre Friedenskirche" wurden Dank des Besuchs von Gara Spiegelhauer-Peabody neue Details bekannt. Die Amerikanerin reiste aus der Nähe von Erlangen nach Wildenheid. "Sie hat eine ganz besondere Beziehung zur Entstehungsgeschichte", wusste Herrmann.

Durch eine Spende der in Amerika gegründeten Bewegung Wooden Church Crusade konnte diese Holzkirche damals an der Zonengrenze erbaut werden. Insgesamt 48 Holzkirchen wollte Wooden Church Crusade entlang des Eisernen Vorhangs bauen, für jeden amerikanischen Bundesstaat eine. Als amerikanische Freunde wollte man ein Zeichen des Friedens errichten. So viel war bisher bekannt.

Irgendwann bekam Patricia Goldbach-Keim, Fundraiserin im Coburger Dekanat, Kontakt zu Spiegelhauer. "Ich habe im Nachlass meines 1997 verstorbenen Vaters Unterlagen über Wooden Church Crusade gefunden", berichtete Spiegelhauer. "Zu der Zeit lebte ich bereits in Deutschland und nahm diese Unterlagen mit. Ich dachte, vielleicht hat jemand Interesse daran. Ich dachte, es wäre schade, diese Sachen wegzuwerfen, die ich so viele Jahre aufgehoben habe."


Die Unterlagen sind gerettet


Sie fragte bei den Kirchen nach. "Leider zeigte niemand Interesse daran. Wenigstens wusste man zumindest, dass ich existiere. Ich habe meine E-Mail-Adresse hinterlassen. Jetzt sind die Unterlagen hier und sie sind gerettet worden", meinte Spiegelhauer erleichtert. "Wir lebten in Amerika in einem kleinen Dorf, und der Veteranenverein bat meinen Vater, Geld für die Wooden Churches zu sammeln. Mein Vater war sehr skeptisch, da er Kriegsdienstverweigerer war, der nichts Militärisches unterstützen wollte. Aber er kümmerte sich darum, schrieb viele Briefe und informierte sich." Und Goldbach-Keim berichtete weiter: "Dann habe ich Glück gehabt, bekam die Adresse, wir kamen schnell in Kontakt. Ein ganz wichtiges Dokument war ein Zeitungsbericht in der amerikanischen Wochenzeitung vom 18. April 1954." 49 Kirchen zu bauen sei billiger als einen einzigen Bomber, hatte Goldbach-Keim ins Deutsche übersetzt.

"Die Schautafeln beschäftigen sich mit dieser Wooden Church Crusade, mit den Geldgebern, die das Geld in den USA für den Bau der Friedenskirche sammelten, die damals 40.000 Dollar - etwa 100.000 D-Mark - kostete. Das Kirchenfoto wurde in die USA geschickt, um dort zu zeigen, was hier gebaut wurde", berichtete Historiker Michael Eckstein. "1957/58 hörte man von den Church Crusades nichts mehr. Wir nehmen an, dass sich das überlebt hat. In Deutschland kam das Wirtschaftswunder, man baute Kirchen aus eigener Kraft, und dann schlief das Ganze wahrscheinlich mehr oder weniger ein. Von 21 Kirchen wissen wir, dass sie gebaut wurden."


"Schon etwas Besonderes"


Wie Eckstein erläuterte, könne beim Gemeindefest nur eine prophylaktische Ausstellung gezeigt werden. Geplant und angedacht sei, nach der Kirchensanierung im Eingangsbereich eine Erinnerung anzubringen, ergänzte Goldbach. " Das ist ein Stück deutscher Nachkriegsgeschichte, die es wert ist, daran zu erinnern. Wie wir das noch organisieren werden, wird sich zeigen. Für die Wildenheider ist das schon etwas Besonderes", wusste Eckstein.

Mit einem Familiengottesdienst hatte das Fest begonnen und mit einem Jubiläumskonzert von "Jericho" klang es aus. "Jericho" feierte ebenso Jubiläum, die Kirchenband besteht seit 40 Jahren.
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