Coburg
ICE-Halt

Wie wichtig ist das zweite Gleis in Coburg?

Um ICE-Systemhalt werden zu können, dürfe die Stadt das zweite Gleis durch Coburg nicht verbauen, warnt Burkard Eßig, Regionalvorsitzender von "Pro Bahn".
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Um Parkplätze in der Innenstadt sollte es auch gehen - aber das Thema war beim Bürgerverein Coburg Mitte am Dienstagabend schnell vom Tisch. Denn derzeit lässt die Stadt noch ein Parkraumkonzept erstellen. "Um das auszudiskutieren, wird am 11. Februar ein Workshop mit den Stadtratsmitgliedern stattfinden", kündigte Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) an. Es gebe " keine Lösungsvorschläge, die man jetzt schon nach außen bringen kann, darf und sollte."

"Nach Außen" waren in diesem Fall Bürgervereinsvorsitzender Gernot Kirchner, acht Zuhörer, fünf Stadtratsmitglieder, Stadbauamtsleiter Karl Baier, Burkard Eßig von "Pro Bahn", Gerd Weibelzahl vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) sowie die Pressevertreter. Das Thema Parkplätze spielte denn auch keine Rolle mehr, vor allem, nachdem Karl Baier erläutert hatte, wie die Stadt möglichst noch in diesem Jahr 170 Parkplätze im Bahnhofsbereich schaffen will.

56 dieser Parkplätze gibt es bereits an der Lossaustraße 1. Sie sind verpachtet, doch diesen Vertrag will die Stadt kündigen und die Parkplätze der Bahn übergeben. Noch sei unklar, ob ein direkter Fußweg um Bahnsteig 1 geschaffen werden könne, erläuterte Baier. Denn dafür müsse die Bahn Fläche zur Verfügung stellen, und solche Verhandlungen gestalten sich nicht immer einfach.

Deshalb ist die Stadt ganz froh, dass sie "18 bis 20" (Baier) Kurzzeitparkplätze entlang der Lossaustraße schaffen könnte, wenn der Verwaltungssenat zustimmt. Dann muss die Verkehrsführung in der Lossaustraße angepasst werden: Die Linksabbiegerspur in Richtung Callenberger Unterführung würde verkürzt. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass es nicht zu Behinderungen oder Gefährdungen auf dem Geh- und Radweg kommt.
Außerdem sei die Bahn bereit, eine Fläche zwischen den Gleisen und der B4 zur Verfügung zu stellen, sagte Baier. Derzeit wird diese Fläche gebraucht, um Baumaterialien lagern zu können: Der Bahnsteig zu den Gleisen 2 und 3 wird auf 400 Meter verlängert. Baier hofft, dass die Stadt diese Fläche noch in diesem Jahr übernehmen und den Treppenabgang zum Fußgängertunnel unter den Gleisen wieder herstellen kann. Dann stünden im Dezember, wenn Coburg dreimal am Tag von ICE-Zügen in beide Richtungen angefahren wird, nochmals rund 95 Parkplätze zur Verfügung.

Das ergäbe eine Summe von 170, für Gerd Weibelzahl schon mal eine gute Zahl. Denn in Bamberg gebe es derartige Parkmöglichkeiten nicht. Um Coburg als ICE-Halt dauerhaft zu sichern beziehungswiese um ICE-Halte alle zwei Stunden rentabel zu machen, bräuchte es allerdings 300 Parkplätze in Bahnhofsnähe. Das hat eine Studie ergeben (siehe unten).


Bamberg als Konkurrenz

So schlecht seien die Chancen nicht, meint Weibelzahl: Bamberg werde im neuen ICE-Fahrplan zunächst keinen stündlichen Halt erhalten, sondern nur einen zweistündlichen, weil der viergleisige Ausbau noch fehle. Solange das der Fall sei, müsse Coburg die Chance nutzen, sich als ICE-Bahnhof zu etablieren, betonten Weibelzahl und Eßig.

Was in Coburg jedoch fehlt, ist eine Bahnverbindung Richtung Norden abgesehen vom ICE. Richtung Süden soll die Stadt - dank dem Freistaat - durch einen schnellen Regionalexpress alle zwei Stunden guten Anschluss erhalten. "In 70 Minuten nach Nürnberg und dann weiter mit dem ICE nach München", sagte Eßig: So sei die Landeshauptstadt künftig in zweieinhalb Stunden erreichbar.

Der ICE-Knoten Erfurt ist aber - außer per ICE - von Coburg aus nicht auf der Schiene erreichbar. Eßig und Weibelzahl setzen sich seit mindestens zwei Jahrzehnten für den "Lückenschluss" zwischen Coburg und Südthüringen ein. Wurde früher offen die ehemalige Trasse der Werrabahn bevorzugt, so will sich nun niemand mehr festlegen. Für Weibelzahl und Eßig steht jedoch fest, dass nur so eine hinreichend attraktive Verbindung nach Erfurt (mit Umsteigen in Grimmenthal) oder Eisenach (Fahrtzeit zwischen Hildburghausen und Eisenach eine Stunde, 42 Minuten) geschaffen werden könne. Weil aber keine Gleise liegen, sei der VCD aufgefordert worden, eine schnelle Regionalbuslinie zwischen Coburg und Zella-Mehlis zu entwickeln, berichtete Weibelzahl. Dieser Bus würde die Autobahn nutzen und den Anschluss zum Regionalexpress Zella-Mehlis - Erfurt herstellen (Fahrtzeit zwischen 46 und 57 Minuten).

"Ich bin ja dafür, aber man kann's ja nun nicht ändern", dass der Lückenschluss nicht in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden sei, seufzte Birgit Weber. Das brachte ihr eine Lektion in Bündnispolitik von Burkhard Eßig ein: Alle Politiker entlang der Werrabahnstrecke seien für den Lückenschluss nach Coburg und auch der Landkreis Lichtenfels, der ja dann auch eine weitere Verbindung nach Norden hätte. Eßig warb dafür, enger zusammenzuarbeiten und ein länderübergreifendes Bündnis zu schmieden, ähnlich wie im östlichen Oberfranken, wo auf diese Weise die Franken-Sachsen-Magistrale geschaffen worden sei. Schließlich hätten auch die Ministerpräsidenten der beiden Freistaaten Bayern und Thüringen Bereitschaft gezeigt, über einen Lückenschluss zu reden.

Doch eins der größten Hindernisse für einen Systemhalt Coburg sind Burkhard Eßig zufolge derzeit die Gleisanlagen in Coburg selbst. Die Bahn baut derzeit ein zweigleisiges Stück zwischen der Einschleife-Weiche bei Niederfüllbach und dem Bahnhof in Creidlitz. Aber ab dem Weichengereuth in Coburg geht es nur eingleisig weiter bis zur nördlichen Einschleifung bei Dörfles-Esbach. Die Stadt dürfe den erneuten zweigleisigen Ausbau nicht durch andere Entscheidungen unmöglich machen, zum Beispiel durch eine vierspurige B4 im Weichengereuth, warnte Eßig. Weber zeigte sich verwundert: "Uns ist gesagt worden, das sei kein Problem", berief sich Weber aufs Staatliche Bauamt. Das würde im bayerischen Innenministerium, wo man sich mit dem Bau des zweiten Gleises befasse, anders gesehen, erwiderte Eßig.

Solange es kein zweites Gleis gebe, stelle die Einfahrt nach Coburg für ICE ein Verspätungsrisiko dar, das die DB Fernverkehr vermeiden wolle. Gleichzeitig dürfe ein zweites Fahrgleis nicht dazu führen, dass die verbliebenen Abstellgleise im Güterbahnhof nicht mehr genutzt werden können, sagte Eßig. Er riet dazu, bei künftigen Planungen von Bahnunterführungen von vornherein auf Zweigleisigkeit zu achten, so dass zumindest bis zum Real-Markt bei Dörfles-Esbach wieder ein zweites Gleis verlegt werden könne. Das zweite Gleis, das früher dort lag, gehörte zur Werrabahn und zweigte dann nach Norden ab.
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