Coburg
Entwicklung

Wer beendet den Dornröschenschlaf?

Seit 20 Jahren steht das Haus "Am Güterbahnhof 24" leer. Im Rahmenplan ist der Erhalt des "ortsbildprägenden Gebäudes" vorgesehen.
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Derzeit wird das Gelände rund um das Haus "Am Güterbahnhof 24" als Parkplatz genutzt. Foto: Ulrike Nauer
Derzeit wird das Gelände rund um das Haus "Am Güterbahnhof 24" als Parkplatz genutzt. Foto: Ulrike Nauer
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Es hat schon ein bisschen was vom Gruselfilm "Blair Witch Project", wenn man in der Dämmerung durch das ehemalige Übernachtungshaus der Deutschen Bahn am Güterbahnhof geht. Auch wenn Alexander Gleußner, der Ansiedlungsbeauft ragte der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Wifög), mit der Taschenlampe in der Hand voraus geht, wird man das Gefühl nicht los, dass gleich jemand um die Ecke kommen könnte, der hier eigentlich gar nichts verloren hat.


Fenster vernagelt

Das Gebäude im südlichen Bereich des ehemaligen Güterbahnhofs steht seit langer Zeit leer. Die unteren Fenster sind von außen mit Holzplatten gesichert. Rund um das Backsteingebäude wuchert allerlei Gestrüpp - fast wie im Märchen. Wie lange der Dornröschenschlaf des Haues schon dauert, kann Alexander Gleußner gar nicht genau sagen, 20 Jahre seien es bestimmt. Er entdeckt in einem der Zimmer eine alte Zeitung am Boden. Gleußner leuchtet mit der Taschenlampe darauf: "Die ist von 1987!"
Das dreistöckige Gebäude war einst dazu da, um Mitarbeitern der Bahn, etwa den Schaffnern, im Schichtdienst eine Aufenthaltsmöglichkeit zu geben. "Wenn sie zum Beispiel auf den nächsten Zug warten mussten oder zwischen ihren Schichten konnten sie hier schlafen", erklärt Alexander Gleußner. "Dafür waren die Zimmer vorgesehen." Im Obergeschoss konnten zwölf bis 16 Bahnangestellte übernachten - je zwei pro Zimmer.


Fliesen im Retro-Look

Sogar Sanitärräume mit Duschen und Badewannen standen den Bahn-Beschäftigten zur Verfügung - im Keller und im Erdgeschoss. Diese sind, abgesehen von den Armaturen, noch relativ gut erhalten. Die elfenbeinfarbenen Fliesen... ein Relikt aus vergangenen Zeiten.
Im Rahmenplan für den ehemaligen Schlachthof und Güterbahnhof ist das Haus "Am Güterbahnhof 24" unter den Baudenkmälern und "ortsbildprägenden Gebäuden" gelistet, die noch von der früheren Nutzung als Güterbahnhof erzählen. Sie sollen "die Identität des Ortes auch zukünftig abbilden", heißt es im Rahmenplan. Unter Denkmalschutz stehe das Übernachtungshaus nicht, sagt Alexander Gleußner. Aber es solle nach Möglichkeit erhalten bleiben. Denkverbote gibt es aber für den Güterbahnhof nicht, sprich: Sollte jemand unbedingt den Grund und Boden haben wollen, auf dem derzeit das Gebäude steht, könnte es sicherlich auch abgebrochen werden - selbstverständlich nicht ohne die Billigung der städtischen Senate.


Zustand schlecht, Substanz gut

Im Rahmenplan wird sein Zustand als schlecht beziehungsweise sehr schlecht beschrieben. "Die Bausubstanz ist aber gut", versichert Gleußner. Allerdings ist das Haus nicht geheizt, durch Ritzen und Öffnungen dringt im Herbst und Winter eisige Kälte herein. Das tue dem Haus natürlich nicht gut.
Offenbar lässt sich aber nicht jeder von der Kälte im Innern abschrecken: "Dieser Schirm war beim letzten Mal, als ich hier drin war, definitiv noch nicht da", sagt Alexander Gleußner, als der Lichtstrahl seiner Taschenlampe in einem der Zimmer einen aufgespannten schwarzen Regenschirm erfasst. Ein paar Räume weiter liegt ein Paar schwarzer Stiefeletten auf alten Zeitungsseiten. Wer die wohl hier zum Trocknen abgestellt hat?
Zu den Kuriositäten, die man beim Streifzug durch das Gebäude findet, gehören auch eine Kaffeemaschine, diverse Fernsehgeräte und ein riesiger Stapel teils originalverpackter Formulare. Auf der Fensterbank einer Durchreiche liegt eine alte Wagenliste - von August 1993. Der Dachboden ist praktisch leer - bis auf den Unterbau der Mobilfunkantenne auf dem Dach und eine uralten Wäschetruhe.


Ideen gibt es schon

"Wie auf dem gesamten Güterbahnhofsareal gibt es auch zur Nummer 24 einige Ideen", sagt der Pressesprecher der Stadt Coburg, Maximilian Heller. "Vor allem regionale Designschaffende und Institutionen tragen immer mal wieder Ideen an die Stadt heran." Spruchreif sei allerdings bisher noch nichts.
Wie geht es weiter auf dem weitläufigen Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs? Der Abbruchplan sehe vor, dass alle Gebäude bis zum Ende des ersten Quartals 2017 abgerissen werden, die nicht aktuell genutzt werden beziehungsweise, die nicht zu den Baudenkmälern oder ortsbildprägenden Gebäuden gehörten, so Heller. In diese beiden Kategorien fallen das Verwaltungsgebäude des Schlachthofes, die Itz-Ufermauer unterhalb der Schlachthofbrücke, die Fleischhalle des ehemaligen Schlachthofes, die SÜC-Gleis-Brücke, das Zollgebäude, die Stückgut- oder Pakethalle sowie das Übernachtungshaus "Am Güterbahnhof 24".


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