Coburg
Stadtentwicklung

Wer bebaut das Coburger Brockardt-Areal?

Ende 2012 wurde ein Investor bei der Stadt vorstellig, der das ehemalige Milchhof- und das angrenzende Brockardt-Areal mit einem EInkaufsmarkt und Wohnungen bebauen will. Doch nun sieht es so aus, als sollte er nicht zum Zuge kommen. Denn inzwischen bemüht sich die Edeka selbst um das Areal und hat einen prominenten Partner.
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Brachland mitten in Coburg: Das Brockardt-Gelände liegt direkt an der Bahnstrecke nach Sonneberg. Rechts am Kanonenweg ist das Milchhofgelände zu erkennen. Es dient derzeit als Parkplatz. Ursprünglich wollte das Baureferat, dass Brockardt- und Milchhofareal zusammen erschlossen werden. Foto: Volkmar Franke/www.hochbild-design.de
Brachland mitten in Coburg: Das Brockardt-Gelände liegt direkt an der Bahnstrecke nach Sonneberg. Rechts am Kanonenweg ist das Milchhofgelände zu erkennen. Es dient derzeit als Parkplatz. Ursprünglich wollte das Baureferat, dass Brockardt- und Milchhofareal zusammen erschlossen werden. Foto: Volkmar Franke/www.hochbild-design.de
Es gebe einen Investor für das Brockardt-Gelände, hatte Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber beim CSU-Neujahrsempfang verkündet. Damit hat sie, wie es scheint, untertrieben: Es gibt sogar zwei, wobei aber nur einer eine Option auf das seit langem brach liegende Grundstück hat.

Zwei Interessenten für ein Gelände - das wird voraussichtlich im April den Stadtrat beschäftigen, nachdem einige Mitglieder des Bausenats einen Überprüfungsantrag gestellt haben. Es geht dabei um eine Entscheidung des Bau- und Umweltsenats in der nichtöffentlichen Sitzung im März. Da befürwortete der Senat mit knapper Mehrheit das Konzept der Edeka Nordbayern und ihrer Partner. Die Edeka hat eine kostenpflichtige Option auf das Gelände, wie Thomas Linse bestätigt, der Insolvenzverwalter für Brockardt. Die Edeka möchte dort mit ihrem Partner, der KIZ Group als Bauträger, einen Verbrauchermarkt und Wohnungen errichten.

Das erste Konzept für das Brockardt-Areal hat jedoch die Feulner GmbH mit Sitz in Wertheim vorgelegt. Der Feulner GmbH gehört die Immobilie am Vorderen Floßanger, wo sich derzeit noch ein Edeka-Markt befindet. Aber Manfred Feulner zufolge will die Edeka diesen Markt 2016 schließen, zugunsten des Markts auf der Lauterer Höhe. Das habe die Edeka 2012 mitgeteilt. Feulner entwickelte deshalb nicht nur neue Pläne für den Vorderen Floßanger und das unmittelbar daneben befindliche frühere Hellum-Gebäude (Wohnbebauung), sondern sah sich nach weiteren Standorten in Coburg um.

Im Bereich Milchhof/Brockardt-Gelände am Kanonenweg wurde er fündig. Feulner ließ planen - im Einklang mit dem Baureferat, wie er betont, und noch zu Zeiten des damaligen Baureferenten und Dritten Bürgermeisters Hans-Heinrich Ulmann (CSB). Feulner sollte lediglich mittels Gutachten nachweisen, ob Coburg einen weiteren Verbrauchermarkt vertrage. Demnach sind noch rund 4000 Quadratmeter Netto-Verkaufsfläche möglich, wenn der Edeka-Markt am Floßanger schließt. Die Feulner GmbH ließ vom Coburger Architekten Martin Schmidt zwei Varianten entwickeln: Die eine sieht Parkplätze auf dem Milchhofgelände und einen Verbrauchermarkt hauptsächlich auf dem Brockardt-Gelände vor. Der Rest des Brockardt-Areals stünde für Wohnbebauung zur Verfügung. Erschlossen würde alles zusammen übers Milchhofgelände. Letzteres hat Feulner bereits erworben. Um das Brockardt-Gelände habe er mit Insolvenzverwalter Thomas Linse verhandelt, sagt Manfred Feulner. Doch den Zuschlag erhielt er nicht.

Edeka will sich Standort sichern

"Die Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen hat einen notariell beurkundeten Kaufvertrag über das Brockardt-Areal und damit jederzeit den alleinigen Zugriff auf das Brockardt-Areal", teilte das Unternehmen in Rottendorf mit. Geplant sei eine "hochwertige Bebauung mit einem Mix aus Wohnen, Studentenwohnen, Seniorenpflege und eine attraktiven Nahversorgung".

Als Partner wählte die Edeka die KIZ-Gruppe aus Bad Soden-Salmünster. Die ist in Coburg wohl bekannt: Gesellschafter und Geschäftsführer einer der Tochtergesellschaften der KIZ-Gruppe, der Mibeg, ist Hans Michelbach, Coburger Bundestagsabgeordneter und Stadtratsmitglied von der CSU. Die Edeka habe sich den Standort sichern wollen, weil der Mietvertrag am Vorderen Floßanger 2016 ausläuft, erläutert Norbert Kittler, Geschäftsführer der KIZ-Gruppe.

Weil er einen Konkurrenten für die Edeka an den Standort Kanonenweg gebracht hätte, vermutet Feulner. Er argumentiert außerdem damit, dass er eine Planung für zwei Brachen vorgelegt hat - die Edeka plant nur mit dem Brockardt-Areal, das außerdem noch erschlossen werden müsste. Die Scharnhorststraße scheidet aus. Feulner musste zwar vom Milchhofgelände einen Streifen für eine Erschließungsstraße an die Stadt abtreten, aber der reicht nicht bis zum Brockardtgelände. Eine kleine Fläche dazwischen befindet sich in Privatbesitz. "Der Stadt Coburg liegt auch eine schriftliche Zusage des Grundstückseigentümers, über seine Bereitschaft, den notwendigen Grundstücksteil zu veräußern, vor", schreibt die Edeka. Im Übrigen sei auch eine Erschließung des Brockardt-Geländes vom Kalenderweg her möglich. In den Feulner-Plänen ist an dieser Stelle aber nur ein Geh- und Radweg geplant, da die Stadt mehr nicht zulassen wollte.

Die Feulner-GmbH hat allerdings für das ehemalige Milchhof-Gelände noch einen Plan B in der Schublade: einen Verbrauchermarkt mit 3500 Quadratmetern Verkaufsfläche und Parkplätzen darunter. Eine feste Mietzusage von "Kaufland" habe er schon, sagt Manfred Feulner. Problem hier: Der Bebauungsplan für das Milchhofgelände müsste geändert werden. Dort sind derzeit 800 Quadratmeter Verkaufsfläche sowie Parkplätze zulässig.
Doch das Ehepaar Feulner lässt keinen Zweifel daran, dass es bereit wäre, um eine Baugenehmigung zu kämpfen, "insbesondere, da wir in Planung und verschiedene Gutachten schon beträchtlich investiert haben."


Die Aktivitäten der KIZ-Gruppe in Coburg

Die KIZ-Gruppe baute 2005/07 den Obi-Markt mit den anderen Einkaufsmärkten auf der Lauterer Höhe. Entscheidend war für den Stadtrat seinerzeit, dass KIZ einen Mietvertrag mit Obi vorlegen konnte. Der gesamte Komplex ist inzwischen an einen Immobilienfonds verkauft. Es folgten "Fressnapf" und "Dänisches Bettenlager" und nun der Media-Markt. Der soll bis 1. November an die Mieter übergeben werden. Eröffnen soll der Markt drei Wochen später, zum Weihnachtsgeschäft, sagt Norbert Kittler, Geschäftsführer der KIZ-Gruppe.

Die Grundstücke auf der Lauterer Höhe hat die Stadt verkauft. Das tut sie nur, wenn der Projektentwickler einen Mietvertrag mit dem jeweiligen Einzelhandelsunternehmen vorlegen kann.


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